Pressemitteilung 28. September 2026

Die SPD pocht bei der Pflege darauf, dass der Staat sich bei den Privatversicherten bedient. Das Statement des PKV-Vorstandsvorsitzenden Thomas Brahm zu einem Finanzausgleich oder der Übertragung von Alterungsrückstellungen zwischen SPV und PPV:

PKV-Vorstandsvorsitzender Thomas Brahm

„Deutschland steht an einem pflegepolitischen Scheideweg. Die jetzt getroffenen Entscheidungen werden darüber bestimmen, ob wir künftigen Generationen ein leistungsfähiges und finanziell tragfähiges Pflegesystem oder eine unerträgliche Schuldenlast hinterlassen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zu Recht klargemacht, dass die finanzielle Entlastung der jüngeren Generation ein zentraler Maßstab der Reformpolitik sein muss. Diesen Kurs unterstützen wir ausdrücklich.

Die Bundesregierung muss jetzt mutige Strukturreformen auf den Weg bringen. Immer höhere Beiträge wären ein fatales Signal für Erwerbstätige, Arbeitgeber und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Eine zukunftssichere Pflegeversicherung braucht einen effizienteren Umgang mit ihren Ressourcen, mehr Eigenverantwortung und stärkere präventive Elemente. Ihre Leistungen müssen wir neu ausrichten: dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Ein Finanzausgleich oder die Übertragung von Alterungsrückstellungen zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung wären jedoch keine Reformschritte. Beides wäre verfassungsrechtlich nicht haltbar. Gerade in diesen turbulenten Zeiten darf es keinen Eingriff in die private Vorsorge geben, das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit und die Eigentumsgarantie darf nicht geschwächt werden. Ein solcher Schritt wäre zudem ungerecht, weil Privatversicherte heute schon durchschnittlich mehr zahlen als Versicherte in der umlagefinanzierten Sozialen Pflegeversicherung: sie zahlen nämlich Beiträge für den Pflegefall und für die Demografievorsorge. Ein willkürlicher Finanztransfer hier würde das Vertrauen in die kapitalgedeckte Vorsorge insgesamt erschüttern.

Wenn wir die Krise der Pflegeversicherung weiter verschieben, werden wir sie irgendwann nicht mehr bewältigen können. Wir appellieren an alle Beteiligten, die Verantwortung anzunehmen, die diese historische Situation erfordert. Deutschland kann es sich nicht leisten, erneut Zeit zu verlieren.“

Auch beim Koalitionspartner stößt die SPD damit auf Widerstand:

Die Vorschläge der SPD brächten keine Lösungen, so Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Die Pflegeversicherung sei strukturell unterfinanziert, ein Finanzausgleich zwischen Sozialer und Privater Pflegeversicherung werde an verfassungsrechtlichen Hürden scheitern, sagte Linnemann in der ARD.

Die Union stehe zum dualen System, betonte Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der Union. [Quelle: Tagesspiegel]

Wer meine, die schwierige Aufgabe der Pflegereform ließe sich mit einem Griff in die private Pflegeversicherung lösen, "liegt daneben", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. [Quelle: Augsburger Allgemeine]

Wer jede Reformdebatte von vornherein mit dem Ausschluss von Veränderungen beantworte, erschwere eine generationengerechte und langfristig tragfähige Stabilisierung der Pflegeversicherung, argumentierte Unionsfraktionsvize Albert Stegemann (CDU). [Quelle: Rheinische Post]

Weitere Hintergrund-Informationen zur Verfassungswidrigkeit und den Folgen eines Finanzausgleichs zwischen Sozialer Pflegeversicherung und Privater Pflegepflichtversicherung finden Sie hier: https://www.pkv.de/verband/presse/meldungen/finanzausgleich-in-der-pflege-verfassungswidrig-und-ohne-praktischen-nutzen/