Das Risiko einer Pflegebedürftigkeit steigt mit dem Lebensalter an. Die Alterung der Bevölkerung in Deutschland wird daher zukünftig zu einem deutlichen Anstieg an Pflegefällen führen. Das wirkt sich spürbar auf die Finanzierbarkeit der Pflege aus.

Pflegebedürftigkeit im Alter: Ab 70 kommt es zu einem starken Anstieg

Das Risiko, zum Pflegefall zu werden, ist vom Alter abhängig und steigt im hohen Lebensalter steil an. Zwar kann Pflegebedürftigkeit – beispielsweise durch Unfälle – auch schon in jungen Jahren eintreten, doch solche Fälle sind selten.

Weniger als zwei Prozent aller Pflegefälle sind jünger als 60 Jahre. In der Altersgruppe der 70- bis 75-Jährigen sind dagegen schon über sechs Prozent pflegebedürftig. Ab einem Lebensalter von 90 Jahren springt die Quote an Pflegebedürftigen bereits auf 71 Prozent. Das heißt: Fast drei von vier Über-90-Jährigen werden zum Pflegefall.

Demografischer Wandel als Herausforderung für die Pflege

Deutschland ist ein Land im demografischen Wandel. Das heißt, dass sich die Verteilung der Altersgruppen in der Bevölkerung verändert. Langfristig wird es immer weniger junge Menschen und immer mehr Ältere in der Bundesrepublik geben. Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass es im Jahr 2035 bis zu 6 Millionen Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter geben wird. Die ältere Bevölkerung nimmt zugleich zahlenmäßig weiter zu. Bis 2039 wird die Zahl der Menschen im Alter ab 67 Jahren um 5 Millionen steigen.

Dadurch geraten immer mehr Menschen in Deutschland in das Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit hoch ist, zum Pflegefall zu werden. So prognostiziert zum Beispiel der Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 50 Prozent steigen wird. Auch Studien der Gesetzlichen Krankenversicherung gehen von einem deutlich steigenden Anteil von Pflegebedürftigen an der Bevölkerung aus (Beispiel: AOK-Studie Pflege 2019).

Kostendruck in der Pflege durch demografischen Wandel

Die demografischen Veränderungen stellen eine gewaltige Herausforderung für die Finanzierung der Pflegeversicherung dar. So steigt mit der Zahl der Pflegebedürftigen auch die Höhe der Ausgaben der Pflegeversicherung stark an. Und 50 Prozent mehr Pflegefällen entsprechen keineswegs 50 Prozent mehr Kosten verglichen mit heute – denn auch Inflation und künftige Leistungsverbesserungen durch Reformen müssen berücksichtigt werden.

Das ist nicht alles: Durch die steigende Zahl an Pflegebedürftigen – und weil immer weniger jüngere Angehörige für die familiäre Pflege nachrücken – steigt auch der Bedarf an beruflich Pflegenden. So prognostizieren die Ortskrankenkassen: Allein durch die Alterung der Bevölkerung werden bis 2030 130.000 zusätzliche Pflegekräfte in der Langzeitpflege gebraucht. Schon jetzt ist der Fachkräftemangel in der Pflege groß. Die Lücke wird in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nur mit höheren Gehältern zu decken sein. Folge: Die Kosten der ambulanten und stationären Pflege steigen zusätzlich.

Folgen des demografischen Wandels für Beiträge

Die Alterung der Bevölkerung wirkt sich auf die Beiträge in der Sozialen und Privaten Pflegeversicherung aus. Doch vor allem in ersterer schlägt der demografische Wandel voll durch. Das liegt an dem sogenannten Umlageverfahren, mit dem die jeweils erwerbstätige Generation die Versorgung der Älteren finanziert. Wenn es nun aufgrund geringer Geburtenraten immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter gibt, muss in Zukunft mit weiter steigenden Beiträgen in der Sozialen Pflegeversicherung gerechnet werden.

Das kapitalgedeckte Finanzierungssystem der Privaten Pflegeversicherung ist dagegen demografiefest aufgestellt: Jede Generation von Versicherten sorgt durch die Bildung von Alterungsrückstellungen für ihr mit dem Alter steigendes eigenes Pflegerisiko vor. Die Kapitalbildung zahlt sich aus: Sie stabilisiert die Beiträge zur Privaten Pflegeversicherung im Alter und macht die Privatversicherten von der sich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung weitgehend unabhängig.

 

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