Viele Menschen wissen nicht, dass die Pflegepflichtversicherung nur für einen Teil Pflegekosten aufkommt. Wer sich vor einer finanziellen Überlastung schützen möchte, kann mit einer privaten Pflegezusatzversicherung vorsorgen.

Die Private Pflegepflichtversicherung war nie dafür gedacht, sämtliche Kosten einer Pflegebedürftigkeit abzudecken. In der Regel müssen verbleibenden Kosten aus der Rente oder dem privaten Vermögen gedeckt werden. Eine private Pflegezusatzversicherung ist daher ein gutes Mittel, um sich vor der drohenden Finanzierungslücke im Pflegefall zu schützen. Für kaum ein anderes Risiko kann man finanziell so gut und langfristig vorsorgen wie für die Pflege, die ja meist erst im hohen Alter eintritt. Weil für jüngere Versicherte in der Regel für einen langen Zeitraum keine Leistungsausgaben anfallen, können die Versicherungsunternehmen die Beiträge in der Zwischenzeit am Kapitalmarkt anlegen – und die Versicherten profitieren von der Anlagerendite.

Zur Absicherung des Pflegerisikos bieten die privaten Krankenversicherungsunternehmen grundsätzlich zwei Arten von Pflegezusatzversicherungen an:

Die Pflegetagegeldversicherung ist die am häufigsten gewählte Art der Pflegezusatzversicherung. Die Versicherten erhalten im Pflegefall ein Tagegeld, das ihnen zur freien Verfügung steht. Wofür sie das Geld verwenden, entscheiden sie selbst.

Die Pflegekostenversicherung erstattet tatsächlich entstandene Kosten der Pflegebedürftigkeit. Grundsätzlich gibt es zwei Ausgestaltungen der Kostenerstattung:

  • Die Leistung der Pflegepflichtversicherung wird als Ausgangspunkt genommen. Je nach Tarif werden dann noch mal ein bestimmter Prozentsatz dieses Betrages von der Zusatzversicherung ausgezahlt.
  • Die Zusatzversicherung erstattet einen Betrag, der zusammen mit der Leistung der Pflichtversicherung einen bestimmten Prozentsatz der tatsächlichen Kosten abdeckt. Oder die Zusatzversicherung erstattet die Restkosten (unter Berücksichtigung der Pflegepflichtversicherung) bis zu einem festgelegten Maximalbetrag.

Die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung

Als Variante der Pflegetagegeldversicherung gibt es seit 2013 die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, auch Pflege-Bahr genannt. Sie ist eine gute Möglichkeit, mit relativ wenig Geld etwas gegen die drohende Finanzierungslücke zu tun. Jeder Erwachsene kann sie bei einem Unternehmen seiner Wahl abschließen, wenn er nicht bereits Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung erhält oder in der Vergangenheit erhalten hat. Die Versicherung ist für junge und alte Menschen attraktiv:

Junge Menschen profitieren durch:

  • Einen geringen Eigenbeitrag ab 10 Euro monatlich
  • Eine hohe Förderquote von bis zu 33 Prozent
  • Einen Leistungsumfang, der oft über die gesetzlich vorgeschriebene Mindestleistung hinausgeht

Ältere Menschen profitieren durch:

  • Eine Annahme ohne Gesundheitsprüfung
  • und unabhängig vom Lebensalter

Kosten einer Pflegezusatzversicherung

Die Beitragshöhe einer Pflegezusatzversicherung hängt von den gewählten Leistungen und dem Lebensalter bei Vertragsschluss ab. Grundsätzlich gilt: Je früher man eine Pflegezusatzversicherung abschließt, desto geringer ist der Beitrag. Dabei ist eine Pflegezusatzversicherung günstiger als viele denken. Die Ratingagentur Assekurata hat ausgerechnet, wie teuer eine vollständige Absicherung der Finanzierungslücke bei unterschiedlichem Abschlussalter wäre. Dafür kommt zum Beispiel eine Zusatzversicherung in Frage, die die Leistungen der Pflegepflichtversicherung bei ambulanter Pflege verdoppelt und bei stationärer Pflege in den Pflegegraden 2 bis 5 ein zusätzliches Pflegegeld von monatlich 2.100 Euro zahlt. Für eine solche Vollabsicherung müsste zum Beispiel eine 25-Jährige mit einem Beitrag von 21 Euro pro Monat rechnen.

In den meisten Fällen dürfte sogar ein geringeres Pflegemonatsgeld genügen, um ausreichend für den Pflegefall vorzusorgen. Der Beitrag reduziert sich entsprechend. Da die individuelle Pflegelücke – und damit der individuelle Versicherungsbedarf – von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein kann, sollten sich Interessenten vom Versicherungsunternehmen ihrer Wahl dazu beraten lassen.

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