Position

Mit dem Mehrumsatz finanzieren Privatversicherte das Gesundheitssystem überproportional mit. Davon profitieren alle Menschen in Deutschland. Besonders deutlich wird das, wenn man die Auswirkungen in den ländlichen Regionen untersucht. Der PKV-Verband macht dies mit seinen Regionalatlanten.

Zusammenfassung

  • Ohne Privatpatienten gingen dem Gesundheitssystem jedes Jahr knapp 11,7 Milliarden Euro verloren.
  • Mit über 6,7 Milliarden Euro profitiert vor allem der ambulante Sektor.
  • Die PKV-Regionalatlanten belegen die hohe Bedeutung Privatversicherter für die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen.
  • Der Fortbestand von Arztpraxen auf dem Land und in strukturschwachen Regionen hängt überdurchschnittlich stark von den Umsätzen der Privatversicherten ab.

Bedeutung der Privatversicherten für das Gesundheitssystem

39,51 Milliarden Euro flossen durch Privatpatienten in das deutsche Gesundheitssystem. Wären sie gesetzlich versichert, gingen 11,68 Milliarden Euro, also knapp ein Drittel davon, verloren. Diesen sogenannten Mehrumsatz hat das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) 2023 für das Jahr 2021 berechnet.

In Deutschland können alle Patienten auf ein gemeinsames Versorgungssystem aus Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken zurückgreifen. Da jedoch für Privatversicherte unter anderem die Behandlungskosten ohne Budgetgrenzen erstattet werden, zahlen sie für viele medizinische Leistungen höhere Honorare. Diese Mehrzahlungen ermöglichen es zum Beispiel Ärzten und Krankenhäusern, in moderne Geräte und mehr Personal zu investieren. Das kommt allen zugute: privat und gesetzlich Versicherten.

Zukunftsuhr der Privaten Krankenversicherung

Niedergelassene Ärzte profitieren besonders von Privatversicherten

Im Bereich der ambulanten Versorgung ist der Mehrumsatz erheblich. Die Arztpraxen würden ohne die Privatversicherten laut WIP jährlich 6,74 Milliarden Euro einbüßen. Umgerechnet sind das durchschnittlich fast 59.000 Euro pro Jahr, die je niedergelassenem Arzt im Vergleich zu heute fehlen würden. Das entspricht zum Beispiel dem Einkommen von durchschnittlich 1,75 Medizinischen Fachangestellten, die eine Praxis dann nicht mehr beschäftigen könnte.

PKV-Regionalatlanten

In der gesundheitspolitischen Debatte werden medizinische Versorgungsengpässe auf dem Land häufig mit dem dualen System aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung in Zusammenhang gebracht. Ärzte – so die (politische) These – würden sich weniger in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort keine oder nur wenige Privatversicherte gäbe. Die für die Privatversicherten gültige Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) würde vermeintlich falsche Anreize setzen, sich nicht auf dem Land niederzulassen.

Die Regionalatlanten des PKV-Verbands zeigen, dass die beschriebene Situation und die damit verbundene Kritik am dualen Versicherungssystem an der Realität vorbeigehen. Jeder Regionalatlas belegt die Bedeutung der Privatversicherten für die medizinische Versorgung unter besonderer Berücksichtigung ländlicher Regionen. Zuletzt erschienen ist der aktuelle Regionalatlas für Bayern.

Ein starkes ambulantes Versorgungssystem ist in der Corona-Pandemie wichtiger denn je: Neun von zehn Covid19-Patienten werden von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten behandelt. Die Stärke dieses ambulanten Versorgungssystems ist auf dem Land gefährdet, denn dort droht zunehmender Ärztemangel. In der gesundheitspolitischen Diskussion wird dies insbesondere von SPD, Grünen und Linken darauf zurückgeführt, dass Privatversicherte häufiger in Städten leben. Deshalb lohne es sich für Ärztinnen und Ärzte weniger, sich auf dem Land niederzulassen. Die Daten aus dem neuen Regionalatlas Baden-Württemberg zeigen, dass dies ein Irrtum ist.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten werden im Regionalatlas erstmals nach Regionen, Städten und Landkreisen aufgeschlüsselt. Diese sogenannten Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten als die GKV für dieselben Leistungen bei Kassenpatienten bezahlt.

Diese zusätzlichen Mittel summieren sich in Baden-Württemberg auf rund 1,64 Milliarden Euro pro Jahr. Das Geld können um Beispiel Ärztinnen und Ärzte und Krankenhäuser zusätzlich in Fachpersonal oder moderne medizinische Infrastruktur investieren. Davon profitieren sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Patienten.

Von den Mehrumsätzen der Privatpatienten in Baden-Württemberg profitieren vor allem ambulant niedergelassene Ärzte in ländlichen Gebieten. Weil Privatversicherte auf dem Land im Durchschnitt älter sind (Ältere gehen insgesamt häufiger zum Arzt) und weil in städtischen Regionen Gehälter, Mieten sowie andere ärztliche Praxiskosten höher liegen, ist der reale Wert der Mehrumsätze auf dem Land häufig größer.

Während z.B. bei den ambulant niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Landkreis Schwäbisch Hall Mehrumsätze im Realwert von 68.772 Euro pro Jahr anfallen, sind es in den Arztpraxen in der Metropolregion Stuttgart „nur“ 54.297 Euro.

Doch trotz dieser größeren Verdienstmöglichkeiten durch Privatversicherte auf dem Land ist die Ärztedichte ambulant tätiger Ärzte in den ländlichen Gebieten niedriger als in den Ballungsräumen: In Schwäbisch Hall beträgt die Ärztedichte 135 je 100.000 Einwohner, in der Metropolregion Stuttgart sind es 176 ambulant tätige Ärzte je 100.000 Einwohner.

Das heißt: Die geringere Ärztezahl auf dem Land kann nicht an fehlenden Privatversicherten liegen. Für die Standortentscheidung von Ärzten sind andere Kriterien maßgebend, vor allem das urbane (Arbeits-)Umfeld für ihre Partner, Schulen für ihre Kinder, Kulturangebot, Infrastruktur etc.

Privatpatienten sind nicht für Versorgungsmängel auf dem Land verantwortlich. Vielmehr tragen die Privatversicherten gerade auch in ländlichen Regionen überproportional zum Einkommen und damit zum Fortbestand der Arztpraxen bei. Das zeigen die Daten aus dem neuen PKV-Regionalatlas Bayern. Demnach beträgt der PKV-Mehrumsatz allein ein Bayern über 2 Milliarden Euro jährlich. Dabei profitieren Arztpraxen auf dem Land stärker als in der Stadt. Ein Beispiel: Der reale Mehrumsatz durch Privatversicherte im Großraum München beträgt pro Praxis 47,405 im Durchschnitt. Im ländlichen Kreis Regen sind es 90.483 Euro.

Privatpatienten sind nicht für Versorgungsmängel auf dem Land verantwortlich. Vielmehr tragen die Privatversicherten gerade auch in ländlichen Regionen überproportional zum Einkommen und damit zum Fortbestand der Arztpraxen bei. Das zeigen die Daten aus dem neuen PKV-Regionalatlas Hessen. „Die Regionaldaten widerlegen die These, dass sich Ärzte angeblich seltener in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort weniger Privatversicherte gibt“, so Florian Reuther, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Der Regionalatlas schlüsselt die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten nach Städten und Landkreisen auf. Diese Mehrumsätze entstehen, weil Privat­patienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten als sie bei Kassenpatienten anfallen. Diese zusätzlichen Mittel können Ärzte, Apotheken, Therapeuten und Krankenhäuser in Fach­personal oder moderne Geräte investieren. Davon profitieren somit auch ihre gesetzlich versicherten Patienten.

Ländliche Regionen profitieren mehr als Rhein-Main-Region

Bundesweit beträgt der Mehrumsatz 11,7 Milliarden Euro pro Jahr, auf Hessen entfallen 833 Millionen Euro. Das kommt – anders als oft vermutet – vor allem den Ärzten auf dem Land zu Gute. Weil Privatpatienten auf dem Land im Schnitt älter sind und weil in den Ballungszentren Mieten, Gehälter und andere Kosten höher liegen, ist der Mehrumsatz auf dem Land besonders wertvoll. Ein konkretes Beispiel: Arztpraxen im wirtschaftsstarken Großraum Rhein-Main-Taunus mit Frankfurt erzielen einen realen Mehrumsatz von durchschnittlich 50.894 Euro im Jahr. Im ländlichen Werra-Meißner-Kreis sind es sogar 79.389 Euro und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sogar 88.110 Euro pro Jahr.

Der PKV-Regionalatlas zeigt damit auch, dass eine Vereinheit­lichung der Vergütungssysteme von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung, wie sie etwa die SPD anstrebt, keines­wegs zu einer besseren Verteilung der Ärzte in Deutschland führen würde: „Wer die Mehrumsätze der Privatpatienten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte auf dem Land stärker als in den Städten“, so PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther.  

Allein in Niedersachsen und Bremen beträgt dieser PKV-Mehrumsatz 1,02 Milliarden Euro jährlich. Dieses Geld kommt vor allem Ärztinnen und Ärzten auf dem Land zu Gute. Das liegt daran, dass Privatversicherte in ländlichen Regionen meist älter sind und damit häufiger behandelt werden. Zudem liegen in größeren Städten die Mieten, Gehälter und anderen ärztlichen Kosten höher.

Berücksichtigt man diese Faktoren, erzielt eine Arztpraxis in der Region Hannover einen realen Mehrumsatz von durchschnittlich 44.351 Euro im Jahr. Im Landkreis Heide sind es 60.381 Euro und im ländlichen Kreis Lüchow-Dannenberg sogar 84.725 Euro pro Jahr.

Gleichwohl ist die Ärztedichte in den ländlichen Gebieten niedriger als in den Ballungsräumen. Zum Beispiel kommen im ländlichen Landkreis Heide 153 Arztpraxen auf 100.000 Einwohner, in der städtischen Region Hannover sind es 198. Das zeigt: Die geringere Ärztezahl auf dem Land kann nicht an der Zahl der Privatversicherten liegen. Für die Standortentscheidung von Ärztinnen und Ärzten sind andere Kriterien wie z.B. Urbanisierung maßgebend.

Zum Regionalatlas Niedersachsen und Bremen

Der Fortbestand von Arztpraxen ist auf dem Land und in strukturschwachen Regionen des Ruhrgebiets überdurchschnittlich stark von den Umsätzen der Privatversicherten abhängig. Das zeigen die Daten aus dem PKV-Regionalatlas NRW. „Die Regionaldaten widerlegen die These, dass sich Ärzte angeblich seltener in ländlichen oder strukturschwachen Städten niederlassen, weil es dort weniger Privatversicherte gebe“, so Florian Reuther, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Der Regionalatlas schlüsselt die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten nach Städten und Landkreisen auf. Diese Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten als sie bei Kassenpatienten anfallen. Diese zusätzlichen Mittel können Ärzte, Apotheken, Therapeuten und Krankenhäuser in Fachpersonal oder moderne Geräte investieren. Davon profitieren somit auch ihre gesetzlich versicherten Patienten.

Hochsauerland profitiert mehr als Großraum Düsseldorf

Der Mehrumsatz der PKV beträgt allein in Nordrhein-Westfalen entfallen 2,3 Mrd. Euro im Jahr. Das kommt vor allem den Ärzten auf dem Land zu Gute. Weil Privatpatienten in ländlichen und strukturschwachen Regionen im Schnitt älter sind und weil zudem in den größeren, wirtschaftsstarken Zentren Mieten, Gehälter und andere Kosten höher liegen, ist der Mehrumsatz auf dem Land besonders wertvoll. So profitieren z.B. Landärzte im Hochsauerlandkreis von Mehrumsätzen im Realwert von durchschnittlich über 85.000 Euro pro Jahr, im der wirtschaftsstarken Region Düsseldorf sind es „nur“ 49.384 Euro.

Duisburg-Essen liegt ebenfalls vor der Metropolregion Düsseldorf

Auch strukturschwache Regionen profitieren überproportional vom Mehrumsatz der Privatversicherten. So beträgt der Realwert in der Region Duisburg-Essen mit durchschnittlich 54.579 Euro ebenfalls deutlich über dem für die Metropolregion Düsseldorf. 

Diese neuen Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen stimmen weitgehend mit den Erkenntnissen anderer PKV-Regionalatlanten für Bayern, Hessen und das Saarland überein. Damit zeigt sich auf sehr breiter Datenbasis: Eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung, wie sie etwa die SPD anstrebt, würde keineswegs zu einer besseren Verteilung der Ärzte in Deutschland führen – im Gegenteil. „Wer die Mehrumsätze der Privatpatienten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte auf dem Land und in den strukturschwachen Teilen des Ruhrgebiets stärker als in den großen, wirtschaftsstarken Städten“, so PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther.

Ein starkes ambulantes Versorgungssystem ist in der Corona-Pandemie wichtiger denn je: Neun von zehn Covid19-Patienten werden von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten behandelt. Die Stärke dieses ambulanten Versorgungssystems ist auf dem Land gefährdet, denn dort droht zunehmender Ärztemangel. In der gesundheitspolitischen Diskussion wird dies insbesondere von SPD, Grünen und Linken darauf zurückgeführt, dass Privatversicherte häufiger in Städten leben. Deshalb lohne es sich für Ärztinnen und Ärzte weniger, sich auf dem Land niederzulassen. Die Daten aus dem neuen Regionalatlas Rheinland-Pfalz zeigen, dass dies ein Irrtum ist.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten werden im Regionalatlas erstmals nach Regionen, Städten und Landkreisen aufgeschlüsselt. Diese sogenannten Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten als die GKV für dieselben Leistungen bei Kassenpatienten bezahlt.

Diese zusätzlichen Mittel summieren sich in Rheinland-Pfalz auf rund 599 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld können um Beispiel Ärztinnen und Ärzte und Krankenhäuser zusätzlich in Fachpersonal oder moderne medizinische Infrastruktur investieren. Davon profitieren sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Patienten.

Von den Mehrumsätzen der Privatpatienten in Rheinland-Pfalz profitieren vor allem ambulant niedergelassene Ärzte in ländlichen Gebieten. Weil Privatversicherte auf dem Land im Durchschnitt älter sind (Ältere gehen insgesamt häufiger zum Arzt) und weil in städtischen Regionen Gehälter, Mieten sowie andere ärztliche Praxiskosten höher liegen, ist der reale Wert der Mehrumsätze auf dem Land häufig größer.

Während z.B. bei den ambulant niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Eifelkreis Bitburg-Prüm Mehrumsätze im Realwert von 51.274 Euro pro Jahr anfallen, sind es in den Arztpraxen in der Region Mainz-Bingen „nur“ 40.025 Euro.

Doch trotz dieser größeren Verdienstmöglichkeiten durch Privatversicherte auf dem Land ist die Ärztedichte ambulant tätiger Ärzte in den ländlichen Gebieten niedriger als in den Ballungsräumen: In Bitburg-Prüm beträgt die Ärztedichte 118 je 100.000 Einwohner, in der Region Mainz-Bingen sind es 238 ambulant tätige Ärzte je 100.000 Einwohner.

Das heißt: Die geringere Ärztezahl auf dem Land kann nicht an fehlenden Privatversicherten liegen. Für die Standortentscheidung von Ärzten sind andere Kriterien maßgebend, vor allem das urbane (Arbeits-)Umfeld für ihre Partner, Schulen für ihre Kinder, Kulturangebot, Infrastruktur etc.

Landärzte profitieren im Saarland besonders stark von den höheren Honoraren ihrer Privatversicherten. Das zeigt der neue PKV-Regionalatlas Saarland. Darin schlüsselt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch Privatversicherte alters- und kostenbereinigt auf. Diese sogenannten Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele ärztliche Leistungen höhere Honorare bezahlen als wenn sie gesetzlich versichert wären. Im Saarland profitiert davon jeder niedergelassene Arzt mit durchschnittlich 42.300 Euro pro Jahr. Hinsichtlich der regionalen Verteilung ergeben sich aber erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land: Während der PKV-Mehrumsatz zum Beispiel im ländlich geprägten Saar-Landkreis Merzig-Wadern mit einem Realwert von rund 54.700 Euro deutlich über dem Durchschnitt liegt, bleiben  die Praxen im Großraum Saarbrücken mit 36.200 Euro deutlich darunter

Der Realwert der PKV-Mehrumsätze im ambulanten Bereich beträgt über 120 Millionen Euro im Jahr. Auf dem Land fällt er in der Regel höher aus, weil Privatversicherte dort im Schnitt älter sind und häufiger zum Arzt gehen. In den urbanen Ballungszentren liegen zudem die Mieten, Gehälter und andere Kosten höher, die Mehrumsätze sind in der Stadt also weniger wert. Die Regionaldaten zeigen außerdem, dass es auch im ländlichen Raum einen relevanten Anteil von Privatversicherten gibt. Im Saarland leben mit einem Marktanteil von 10,1 % ähnlich viele Privatversicherte wie im deutschen Durchschnitt (Deutschland: 10,6 %). Im Landkreis mit dem niedrigsten Anteil an Privatversicherten (Merzig-Wadern) sind es 8,8 %.

Die Ergebnisse des PKV-Regionalatlas Saarland wiederlegen von manchen Politikern und Gegnern der PKV vertretene These, dass Privatpatienten für die Ungleichverteilung von Ärzten zwischen Stadt und Land verantwortlich sind. Vieles spricht dafür, dass für die Standortentscheidung der Ärzte andere Kriterien maßgebend sind. Denn trotz höherer Realeinkommen ist die Ärztedichte im Landkreis Merzig-Wadern mit 146 Ärzten je 100.000 Einwohner geringer als im Großraum Saarbrücken (223).

Thomas Brahm, der Vorsitzende des PKV-Verbands, kommentiert die Daten: „Die Mehrumsätze der Privatpatienten tragen nachweislich zu einer besseren medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen bei. Wie wertvoll eine breite ambulante Infrastruktur ist, hat die Corona-Pandemie gezeigt. Schließlich wurden 90 Prozent der Covid-19-Patienten in Arztpraxen behandelt. Zugleich wird durch die Mehrumsätze der Privatpatienten die Standortqualität insgesamt gestärkt. Denn ohne ein gutes medizinisches Versorgungsniveau zieht es auch keine jungen Fachkräfte in ländliche Regionen.“

Auch in Schleswig-Holstein und Hamburg zeigt sich, dass Arztpraxen vor allem in ländlichen Regionen von Privatversicherten profitieren.

Kreis Steinburg profitiert mehr als die Stadtregion Hamburg

Der Mehrumsatz durch Privatversicherte beträgt allein in Schleswig-Holstein und Hamburg 665 Millionen Euro im Jahr. Das kommt vor allem Praxen in ländlichen Regionen zu Gute. Weil Privatpatienten auf dem Land im Durchschnitt älter sind und weil zudem in den größeren, wirtschaftsstarken Zentren Mieten, Gehälter und andere Kosten höher liegen, ist der Mehrumsatz auf dem Land besonders wertvoll. So profitieren etwas Landärzte ländlichen Kreis Steinburg von Mehrumsätzen im Realwert von durchschnittlich knapp 73.000 Euro pro Jahr, im der Stadtregion Hamburg und den angrenzenden Landkreisen in Schleswig-Holstein sind es 39.933 Euro.

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