Der Reformdruck ist hoch. Die Bundesregierung plant neben den Reformen in der Sozialversicherung zum Januar 2027 die Einkommensteuer neu zu gestalten. Bundesfinanzminister Lars Klangbeil will so gut 95 Prozent der Beschäftigten entlasten. Gleichzeitig plant die Koalition mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eine kräftige Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Kranken- und Pflegeversicherung. Das konterkariert die versprochenen Steuerentlastungen - die werden dadurch für Millionen GKV-Versicherte verpuffen.
Entlastung mit der einen Hand, Belastung mit der anderen: Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze frisst die versprochene Steuerentlastung bei Millionen Versicherten wieder auf. Wir zeigen beispielhaft, was einzelne Berufsgruppen mehr zahlen müssen.
Fachkräfte in Schlüsselbranchen besonders betroffen
Neben der regulären Dynamisierung der BBG sieht der Gesetzentwurf eine Sondererhöhung um 3.600 Euro vor. Ausgehend von 69.750 Euro im Jahr 2026 und einer angenommenen Lohnentwicklung von 4,5 Prozent steigt die BBG im Jahr 2027 auf 76.489 Euro. Wer dieses Einkommen erreicht, zahlt dann im Schnitt 1.358 Euro pro Monat für Kranken- und Pflegeversicherung. Die Beiträge steigen um bis zu 1.436 Euro pro Jahr – ein Plus von 9,7 Prozent. Bei Angestellten tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer diese Mehrbelastung jeweils zur Hälfte.
6,9 Millionen Menschen betrifft die Anhebung laut dem IGES-Institut – darunter 5,6 Millionen Angestellte, 600.000 Selbstständige und 700.000 nicht Erwerbstätige wie Rentnerinnen und Rentner. Rund 5 Millionen Menschen verdienen mehr und zahlen künftig den neuen Höchstbeitrag. Demnach steigt die Abgabenlast für Arbeitgeber und Arbeitnehmer insgesamt um 9,5 Milliarden Euro.
Die Mehrbelastung trifft vor allem Fachkräfte, die schon heute hohe Steuer- und Sozialabgaben schultern – und die für Zukunftsbranchen und den Erhalt von Industriearbeitsplätzen unverzichtbar sind.
Linke Tasche, rechte Tasche: vier Rechenbeispiele
Wir haben die Auswirkungen auf verschiedenen Berufsgruppen konkret berechnet. Hier drei Beispiele:
- Ein Maschinenelektroniker in der Metallindustrie (Bruttoeinkommen 76.531 Euro, Steuer- und Abgabenlast 40,8 Prozent) zahlt künftig 718 Euro mehr an GKV- und Pflegebeiträgen; seine Abgabenlast steigt auf 41,7 Prozent.
- Einen Ingenieur in der Automobilindustrie (Brutto 81.152 Euro) belastet der Anstieg ebenfalls um 718 Euro – seine Abgabenlast klettert von 32,7 auf 33,6 Prozent.
- Auch ein Softwareinformatiker (Brutto 87.120 Euro) trägt 718 Euro mehr pro Jahr.
Bei allen drei Berufsgruppen erhöhen sich die gesamten Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge um jeweils 1.436 Euro.
Hier geht es zu den detaillierten Berechnungen.
Was die Steuerreform an Entlastung bringen soll, treibt die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze bei Millionen Beschäftigten wieder ein. Besonders hart trifft das Fachkräfte, die Deutschland für seine wirtschaftliche Zukunft dringend benötigt.