5 gute Gründe gegen eine Anhebung der Versicherungspflichtgrenze
Position
Die Bundesregierung will die Versicherungspflichtgrenze ab 2027 um monatlich 300 Euro erhöhen. Das würde Millionen Arbeitnehmern die Wahl nehmen und die PKV schwächen. Dabei braucht Deutschland nicht weniger, sondern mehr Private Krankenversicherung – aus mindestens 5 Gründen.
1. Privatversicherte stärken das Gesundheitssystem
Die Privatversicherten leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung unseres gemeinsamen Versorgungssystems. Jedes Jahr fließen fast 49 Milliarden Euro durch die Behandlung von Privatpatienten ins Gesundheitswesen. Dabei entrichten sie für die medizinische Behandlungen meist höhere Honorare als Kassenpatienten. Würden auch Privatversicherte nach den Regeln der Gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet, gingen dem Gesundheitssystem rund 15,5 Milliarden Euro pro Jahr verloren. In der Folge fielen Jobs weg und Praxen müssten schließen. Dank der Einnahmen aus der PKV können Ärzte und Krankenhäuser in Personal und Ausstattung investieren und so den hohen medizinischen Standard sichern, von dem gesetzlich und privat versicherte Patienten gleichermaßen profitieren.
Von den rund 15,5 Milliarden Euro, die durch Privatpatienten jedes Jahr zusätzlich ins Gesundheitssystem fließen, kommen allein dem ambulanten Sektor mehr als 8,5 Milliarden Euro zugute. Davon profitiert insbesondere die Versorgung im ländlichen Raum. Das belegen Regionaldaten aus ganz Deutschland. Denn hier fallen die Honorare der Privatpatienten besonders ins Gewicht. Ein Beispiel aus Bayern: Niedergelassene Ärzte im eher ländlichen Kreis Wunsiedel erzielen mit ihren Privatversicherten Mehreinnahmen im Realwert von im Schnitt über 81.000 Euro pro Jahr – viel mehr als Praxen im Großraum München mit rund 47.000 Euro. Eine starke PKV stärkt also auch die flächendeckende medizinische Versorgung.
2. Stabile Säule in einer alternden Gesellschaft
Umlagefinanzierte Versorgungssysteme wie die GKV, in denen die Jüngeren für die Älteren mit aufkommen müssen, stoßen heute schon an ihre Grenzen. In unserer alternden Gesellschaft – mit immer mehr Rentnern und immer weniger Erwerbstätigen – wird sich dieses Problem weiter verschärfen. Privatversicherte hingegen sorgen für ihre Gesundheitskosten im Alter selbst vor. 355 Milliarden Euro haben die Privatversicherten bis Ende 2025 für ihre im Alter steigenden Krankheitskosten zurückgelegt. Das ist gut für ihre Versorgung – aber auch für die Gesellschaft insgesamt: Denn die PKV hat keine Schulden, braucht keine Steuerzuschüsse und ist somit ein stabiler Anker im demografischen Wandel. Hinzu kommt, dass die PKV mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in kapitalgedeckter Absicherung ein wichtiger Partner sein kann, um Nachhaltigkeit in die Sozialversicherungssysteme zu integrieren und so auch diese zukunftssicherer zu machen.
3. Türöffner für Innovationen
Die PKV ist Türöffner für den medizinischen Fortschritt. Sie kennt keine Genehmigungsvorbehalte bei Innovationen und keine Budgetgrenzen für Ärzte. Das ermöglicht die schnelle Einführung neuer medizinischer Methoden und Medikamente. Davon profitieren alle Patienten. Beispiele dafür liefert eine Studie des Datendienstleisters Rebmann Research. Sie weisen darin zum Beispiel für ein modernes Verfahren in der Augenheilkunde zur Diagnostik und Therapie von Netzhauterkrankungen, der Optischen Kohärenztomografie (OTC), nach: Die kostspielige Investition von bis zu 100.000 Euro in ein solches Gerät lässt sich im dualen System aus GKV und PKV deutlich schneller refinanzieren, nämlich nach nur 1,8 Jahren. Nach GKV-Regeln allein würde dies deutlich länger dauern, nämlich 5,4 Jahre.
Auch in anderen Bereichen treibt die PKV den medizinischen Fortschritt voran, zum Beispiel als Initiator der beiden Start-up-Fonds „Heal Capital“. Mit über 200 Millionen Euro Kapital von privaten Krankenversicherern fördern die Fonds innovative Geschäftsmodelle an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen und Technologie.
Die positiven Effekte der Privaten Krankenversicherung beschränken sich nicht allein auf den Gesundheitsbereich. Sie trägt auch überproportional zum Wirtschaftswachstum in Deutschland bei. Das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR hat die ökonomische Bedeutung der Branche für das Wachstum und die Beschäftigung berechnet. Die Studien zeigen, dass die PKV sowohl als Wirtschaftsakteur als auch als Finanzier von Gesundheitsleistungen zur Bruttowertschöpfung der Gesundheitsbranche beiträgt und zudem viele Arbeitsplätze schafft.
Dagegen würde die Anhebung der Versicherungspflichtgrenze und die damit einhergehende Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze Wirtschaft und Arbeitsmarkt enorm belasten: Während die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf von einer zusätzlichen jährlichen Belastung von 2,4 Milliarden Euro ausgeht, kommt das IW auf eine ganz andere Summe: rund 4,5 Milliarden Euro. Bundesweit wären 6,3 Millionen Beschäftigte und ihre Arbeitgeber betroffen. Das Bemerkenswerte: Die FinanzKommission Gesundheit hatte die Anhebung der BBG ausdrücklich nicht empfohlen – dennoch hält die Bundesregierung an dem Plan fest.
Expertinnen und Experten aus Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen und Lösungen für das Gesundheitssystem
Was ist das duale Krankenversicherungssystem?
In Deutschland können sich die Bürgerinnen und Bürger entweder in der Privaten Krankenversicherung (PKV) oder in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichern. Dieses Nebeneinander von PKV und GKV wird auch als duales Krankenversicherungssystem bezeichnet. In der Gesetzlichen Krankenversicherung sind rund 90 Prozent der Bevölkerung versichert, in der Privaten Krankenversicherung 10 Prozent. Beide Systeme unterscheiden sich unter anderem in der Art der Finanzierung: Die GKV finanziert sich nach dem sogenannten Umlageverfahren, die PKV nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Das besondere ist: Trotz dieses dualen Gesundheitssystems haben alle Versicherten Zugriff auf die selben Versorgungsstrukturen.
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