Position

Mehr als 20 private Krankenversicherer haben über 100 Millionen Euro in Heal Capital investiert. Der Fonds fördert innovative Geschäftsmodelle an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen und Technologie. Das Ziel: die medizinische Versorgung verbessern und die Digitalisierung vorantreiben.

Dr. Christian Weiß, Co-Geschäftsführer von Heal Capital, auf dem Heal Capital Day 2021.

Anfang des Jahres 2020 ging der von der PKV initiierte Fonds für digitale Gesundheitsinnovationen an den Start. Mittlerweile hat Heal Capital sein Zielvolumen von 100 Millionen Euro übertroffen – und zahlreiche erfolgversprechende Healthtech-Start-ups im Portfolio. Das Management des Fonds übernehmen die erfahrenen Berliner Digital-Health-Investoren Flying Health und Heartbeat Labs.

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Mit seinem Wachstumskapital beteiligt sich Heal Capital an Digital-Healthcare-Unternehmen aus den Bereichen Diagnostik, Therapie und Infrastruktur. Der Fonds fokussiert Geschäftsmodelle, die bereits in einer frühen Phase am Marktgeschehen teilnehmen. Die Start-ups werden ebenso mit Know-how beim Zugang zur medizinischen Versorgung unterstützt. „Heal Capital hat sich im deutschen und europäischen Markt als Healthtech-Investor positioniert“, resümiert Eckhardt Weber, Co-Geschäftsführer des Fonds

Innovationsrat: Persönlichkeiten aus dem Gesundheitswesen

Zu dieser Positionierung trägt auch der Heal-Capital-Innovationsrat aus renommierten Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin und Forschung, digitale Gesundheitswirtschaft, Politik und Privater Krankenversicherung bei. Sie vereint die Überzeugung, dass sich das Gesundheitswesen digitalgestützt weiterentwickeln muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Gremium steht in engem Austausch mit dem Heal-Capital-Management. Mitglieder des Innovationsrats und Gründer der Portfolio-Unternehmen stellen wir in kurzen Video-Interviews vor. 

„Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist eines der wichtigsten Themen der deutschen Gesundheitspolitik und muss in den kommenden Jahren Vorrang haben“, erklärte Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender des PKV-Verbands, zum Start des Fonds: „Mit unserem Investitionskapital wollen wir letztlich dazu beitragen, dass digitale Innovationen schneller in der Versorgung ankommen. Die Private Krankenversicherung versteht sich auch hier als Motor für Innovationen.“ 

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Einen Einblick in das Selbstverständnis und die Aktivitäten von Heal Capital gibt auch das Video zum Heal Capital Day, der zuletzt im Oktober 2021 im Berliner „Amplifier“ stattfand. Der Heal Capital Day bringt die Szene des digitalen Gesundheitswesens zusammen: Hier treffen sich E-Health-Start-ups, Investoren sowie Gesundheitsexperten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

 

Die Heal-Capital-Investments

Das erste Investment von Heal Capital ging im Juli 2020 an das niederländische Medical-Messaging-Unternehmen Siilo. Mit dem Konzept „Netzwerkmedizin“ möchten de Siilo-Gründer Joost Bruggeman und Arvind Rao die Problematik von Informationssilos im Gesundheitswesen aufbrechen. Die gleichnamige Messenger-App ermöglicht Ärzten, Pflegekräften und anderen medizinischen Fachkräften einen einfachen, schnellen und datenschutzkonformen Austausch etwa von medizinischen Befunden – und über Abteilungsgrenzen hinweg. Siilo erhielt 9,5 Millionen Euro im Rahmen einer Series-A-Finanzierung. 

Im Sommer 2020 erhielt das polnische Digital-Health-Unternehmen Infermedica rund zehn Millionen Euro von einer internationalen Investorenrunde um Heal Capital. Infermedica ist eine digitale Plattform für diagnostische Empfehlungen und Ersteinschätzungen von Symptomen, die in der Primärversorgung von Patienten zur Anwendung kommt. Damit unterstützt das Healthtech-Unternehmen zum Beispiel Versicherungen und Gesundheitsdienstleister. So kann vermieden werden, dass Menschen mit kleineren Verletzungen oder leichteren Erkrankungen die Rettungsstellen der Krankenhäuser aufsuchen – wenn also kein notfallmedizinischer Bedarf vorliegt. 

Das dritte Heal-Capital-Investment ging in den Bereich der Neuromodulations-Therapie: Ceregate entwickelt eine softwarebasierte Schnittstelle zwischen Computer und dem menschlichen Gehirn – auch Computer-Brain-Interface (CBI) gemoranannt. Das Unternehmen mit Sitz in München gehört auf diesem Gebiet bereits zu den weltweit führenden Akteuren. Mithilfe von Implantaten im Gehirn oder im Rückenmark können Symptome wie Gang- und Gleichgewichtsprobleme, zum Beispiel bei Parkinson-Patienten, behandelt werden. Damit ergänzt die CBI-Technologie die heutige konventionelle Tiefenhirnstimulation und andere hochmoderne Therapien. 

Das Berliner Start-up actio will mit seiner zugehörigen App helfen, gesunde Gewohnheiten („healthy habits“) nicht nur zu erlernen, sondern auch zu etablieren. Denn genau hier liegt die Herausforderung: den Nutzer aktiv zu halten. Deshalb bietet actio kurze Live-Sessions mit echten Trainern, derzeit aus den Bereichen Fitness und Achtsamkeit, an – und lässt keine Ausreden gelten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden telefonisch an den Kursbeginn erinnert. Gegründet haben das Unternehmen Nikita Fahrenholz, der auch hinter dem Lieferdienst „Lieferheld“ steckt, und Daniel Stahlkopf. 

Moray Medical ist im Bereich der robotergestützten Chirurgie tätig. Das US-amerikanische Start-up leistet Pionierarbeit auf dem Gebiet der robotischen Eingriffe für strukturelle Herzerkrankungen: Die Gründer Mark Barrish und Phillip Laby haben ein spezielles Kathetersystem entwickelt, das minimalinvasive Eingriffe am Herzen ohne Vollnarkose ermöglicht. Dieses „Coral“ genannte System besteht aus einem schlangenartigen Roboter-Katheter, der von einem digital gesteuerten System angetrieben wird. Außerdem hat Moray eine 3D-Augmented-Reality-Software entwickelt, die Ultraschall-Bilddaten mit einer simulierten Katheterspitze in einem digitalen 3D-Arbeitsbereich kombiniert. Chirurgen können auf diese Weise präzise und intuitive Bewegungen ausführen. 

Das kanadische Mental-Health-Unternehmen LivNao hat eine Software entwickelt, die passiv den psychischen Gesundheitszustand eines Nutzers nur über die Sensordaten des Smartphones misst. Eine zum Patent angemeldete Technologie kombiniert die Sensordaten mit Künstlicher Intelligenz, um mit sehr hoher Genauigkeit Aussagen über das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit einer Nutzerin oder eines Nutzers zu treffen und dann personalisierte Therapieempfehlungen zu geben. Unternehmen wenden LivNao unter anderem bereits an, um ihre Mitarbeiter oder Versicherten über ihre psychische Gesundheit zu informieren – so dass sie möglichst frühzeitig reagieren, Belastungen reduzieren und Krankheiten vermeiden können. 

Avi Medical baut vollständig digital-integrierte Arztpraxen für Allgemeinmedizin. Anders als konventionelle Praxen will Avi Medical nicht nur hochqualitative Behandlung vor Ort bieten, sondern alle digitalen Möglichkeiten ausschöpfen, um die allgemeinmedizinische Versorgung zu verbessern. Dazu bietet es auch die Behandlung per Video sowie die Kommunikation per Chat an und arbeitet unter anderem mit der Lösung des Heal-Capital-Portfoliounternehmens Infermedica. Das Gründer-Team Vlad Lata, Julian Kley und Christoph Baumeister planen langfristig bis zu 100 Praxen deutschlandweit. 

Das Berliner Start-up Apriwell bietet eine digital integrierte Versorgung – bestehend aus Präparaten, telemedizinischer Begleitung und einem digitalen Therapieprogramm – bei chronischen Leiden wie etwa Verstopfung. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheit der Menschen auf eine wirksame und einfache Art und Weise zu verbessern. Die digitalen Komponenten ermöglichen es, den medizinischen Service persönlich und skalierbar zu machen, ist Gründer und Geschäftsführer Alexander Puschilov überzeugt.  

Transparenz in die ambulante Pflege bringen, Risiken bei der Einnahme mehrere Medikamente reduzieren: Diese Ziele verfolgt das Hamburger Unternehmen Entyre. Mithilfe von technischen Lösungen sollen Fehlversorgungen im Gesundheitswesen identifiziert und korrigiert werden. Anhand der erhobenen Daten, zum Beispiel zu Wechselwirkungen und Fehldosierungen in den Medikationsplänen, sollen Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte sowie Versicherungen bessere Entscheidungen treffen können. 

Das britisch-niederländische Unternehmen Sanome will Menschen helfen, ihren Gesundheitszustand besser zu erfassen – und entwickelt dazu effiziente Heimdiagnose-Sets sowie eine zugehörige App. So sollen mögliche Krankheiten früher erkannt und Gesundheitskosten gesenkt werden. „Viele Menschen gehen erst zum Arzt, wenn die Symptome sehr stark sind und es für manche Therapie zu spät ist“, erläutert Sanome-Gründer Benedikt von Thüngen. Andere Symptome wiederum sind harmlos, ein Arztbesuch ist nicht nötig. Die Box von Sanome enthält Instrumente für die Messung sogenannter Biomarker wie Blut oder Speichel; die App kombiniert diese Biomarker und wertet sie aus. 

Hauterkrankungen wie Rosacea und Akne bedürfen einer individuellen, konsequenten Behandlung, um geheilt zu werden. Das Berliner Dermatologie-Start-up Formel Skin entwickelt deshalb auf die persönliche Haut abgestimmte Pflegeprodukte, die die Kundinnen und Kunden nach Hause geschickt bekommen, und eine enge ärztliche Betreuung per Telemedizin. Sobald sich die Haut verändert, werden die Rezepturen angepasst; das Ärzte-Team von Formel Skin berät auch zu Stress und Ernährung. „Gerade im Bereich der chronischen Erkrankungen hat die digitale Behandlung viele Vorteile – sowohl für die Ärztinnen und Ärzte als auch für die Patientinnen und Patienten“, ist die Gründerin Dr. Sarah Bechstein überzeugt

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