Meldung 15. Juli 2026

Wie wirkt sich die Kürzung internationaler Mittel auf die HIV-Versorgung in Deutschland aus? Darüber diskutierten Fachleute auf dem HIV-Fachforum in Berlin. Angesichts der weltweiten Budgeteinschnitte fordern die Expertinnen und Experten ein klares Gegensteuern.

Die Zukunft der HIV-Versorgung: Schwerpunktärztin Christina Engelhard (Foto: Deutsche AIDS-Stiftung)

Die weltweiten Erfolge bei der HIV-Bekämpfung drohen durch den Rückgang der internationalen Finanzierung ins Stocken zu geraten – mit spürbaren Auswirkungen bis in das deutsche Gesundheitssystem hinein. Über diese Herausforderung diskutierten Fachleute bei einer gemeinsamen Veranstaltung in Berlin. Eingeladen hatten dazu die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS), die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG), die Deutsche Aidshilfe (DAH) sowie die dagnä (Deutsche Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin).

Globale Krise mit lokaler Wirkung

Birgit Poniatowski, Executive Director der International AIDS Society, legte in ihrer Keynote dar, wie angespannt die Lage ist: Da wichtige Geberländer – allen voran die USA, aber auch europäische Staaten – ihre Budgets für die weltweite HIV-Prävention und -Behandlung drastisch reduzieren, verlieren die internationalen Fortschritte an Dynamik. Deutschland und Europa könnten das entstehende finanzielle Vakuum zwar nicht allein ausgleichen, so Poniatowski, müssten jedoch multilaterale Strukturen stärken. Auch aus eigenem Interesse, da steigende Infektionszahlen in anderen Regionen sich perspektivisch hierzulande direkt auswirken können.

Einen Praxiseinblick boten anschließend Vorträge von Vertreterinnen und Vertretern aus der HIV-Versorgung in Deutschland. Zentrales Thema war dabei die Schwierigkeit, wenn Menschen durch das Versorgungsraster fallen, sowie die Versorgung durch spezielle Schwerpunktpraxen. Letztere ist gerade in dünn besiedelten Regionen eine Herausforderung – wie etwa in Sachsen-Anhalt, das landesweit nur über drei solcher Praxen verfügt.

Fachforum zur HIV-Versorgung in Berlin (Foto: Deutsche AIDS-Stiftung)

Stimmen aus der Bundespolitik

Der Bundestagsabgeordnete Maik Brückner (Die Linke) kritisierte vor Ort die Verringerung internationaler Hilfen seitens Deutschlands. Auch der SPD-Bundestagsabgeordneten Serdar Yüksel erinnerte in seiner Videobotschaft daran, dass Prävention eine unverzichtbare Investition sei, die gerade in Zeiten angespannter Haushalte nicht Kürzungen zum Opfer fallen dürfe.

Die veranstaltenden Organisationen machten zum Abschluss deutlich, dass die HIV-Infrastruktur in Deutschland nur dann stark bleiben kann, wenn es gleichzeitig gelingt, die globalen Herausforderungen zu lösen. Um die Versorgung im In- und Ausland dauerhaft zu sichern, brauche es jetzt ein verlässliches, langfristiges Engagement aller gesellschaftlichen und politischen Akteure.

Hintergrund: Engagement der PKV

Seit 1987 setzt sich die Private Krankenversicherung für bessere Lebensbedingungen von HIV-positiven und an AIDS erkrankten Menschen ein. Der PKV-Verband hat die Deutsche AIDS-Stiftung mitgegründet und unterstützt sie seitdem als Großförderer.