Kontraproduktive Vorschläge aus der SPD
Wenig hilfreich sind auch die aktuellen Vorschläge des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD, Christos Pantazis. In einem Impulspapier, über das Politico Pro berichtet, fordert er „eine grundlegende Neujustierung der Finanzierungsarchitektur der Pflegeversicherung“. Darin fordert er einen Finanzausgleich zwischen Privater und Sozialer Pflegeversicherung. Diese Idee geistert schon seit 2006 durch die gesundheitspolitische Debatte. Doch längst ist klar, dass sie gegen die Verfassung verstoßen würde. So bestätigte zuletzt der Rechtswissenschaftler Prof. Hanno Kube von der Universität Heidelberg, dass es sich bei einem solchen Finanzausgleich um eine verfassungswidrige Sonderabgabe der Versicherten in der privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) handeln würde, für die es keine tragfähige Rechtfertigung gibt.
PKV-Verbandskirektor Florian Reuther wird deutlich: „Ein Finanzausgleich zwischen SPV und PPV ist eine verfassungswidrige Sonderabgabe – und der Einstieg in die Pflege-Bürgerversicherung. Privatversicherte müssten für die Kosten der gesetzlichen Pflegekassen zahlen und gleichzeitig für ihre eigene Vorsorge Rücklagen bilden. Das ist völlig inakzeptabel. Wir werden unsere Versicherten schützen – notfalls vor dem Bundesverfassungsgericht.”
Hinzu kommt: Der Finanzausgleich würde der Sozialen Pflegeversicherung nicht weiterhelfen. Die Ausgleichsleistungen der PPV würden gerade einmal zu einer Beitragssatzsenkung von lediglich 0,1 Prozentpunkten führen.
Zudem lässt Pantazis einen weiteren wichtigen Aspekt außer Acht, wenn er in seinem Papier schreibt, dass es erhebliche Unterschiede in der Versichertenstruktur von SPV und PPV gebe. Pantazis verkennt dabei, dass die Zusammensetzung der Versicherten zu einem wesentlichen Teil auch auf den gesetzlichen Zugangshürden zur Privaten Krankenversicherung beruht – namentlich auf der immer weiter steigenden Versicherungspflichtgrenze, die vielen Beschäftigten den Wechsel in die private und kapitalgedeckte Absicherung unmöglich macht. Und gerade die SPD hat eine Erhöhung dieser Grenze immer weiter forciert.
Ein sinnvoller Schritt wäre es deswegen, die Versicherungspflichtgrenze wieder abzusenken, um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben sich kapitalgedeckt und zukunftsfest gegen das Pflegerisiko abzusichern. „Die Private Krankenversicherung verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit nachhaltiger, kapitalgedeckter Finanzierung,“ erinnert Florian Reuther. „Wir bieten der Bundesregierung unsere volle Expertise an, um die Pflegelücke zu schließen und die Generationengerechtigkeit zu wahren."