Meldung 11. Juni 2026

Auf der Jahrestagung des PKV-Verbands haben sowohl Gesundheitsministerin Nina Warken als auch ihr Staatssekretär Tino Sorge bestätigt: Das System aus GKV und PKV hat Zukunft. Der Vorsitzende des PKV-Verbands, Thomas Brahm, wies zuvor auf problematische Reformvorhaben hin.

Heini Schmitt, Stellvertretender dbb-Bundesvorsitzender
Heini Schmitt, Stellvertretender dbb-Bundesvorsitzender

Die bewährten Grundprinzipien unseres dualen Gesundheitswesens müssen erhalten bleiben: Wahlfreiheit und Wettbewerb. Das forderte Thomas Brahm, der Vorstandsvorsitzende des PKV-Verbands. Genau an diesen Grundpfeilern werde jetzt aber gerüttelt, insbesondere durch die geplante Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze. Diese stelle faktisch eine Bürgerversicherung für Angestellte durch die Hintertür dar. Hinzu komme, dass die Beitragsbemessungsgrenze steigen solle, was hochqualifizierte Fachkräfte belasten würde. Unter der jährlichen Mehrbelastung von 9,5 Milliarden Euro leide der Standort Deutschland.

Die erneut im politischen Raum diskutierte Idee, Beamte in die GKV einzubeziehen, nannte Brahm absurd. „Das Umlageverfahren in einer alternden Gesellschaft auszuweiten, würde das Defizit [der GKV] verschärfen – zu Lasten der jungen Generationen.“ Heini Schmitt, Stellvertretender dbb-Bundesvorsitzender, stimmte Brahm in seinem Grußwort als Gastgeber der Jahrestagung zu: "Wir Beamte haben ein vitales Interesse daran, dass das duale System fortbestehe. Es ist ein Erfolgsmodell.”

Tino Sorge, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium
Tino Sorge, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium

Tino Sorge: Reformen im Gesundheistwesen zwingend nötig

Tino Sorge, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, verwies auf die Reformzwänge im Gesundheitswesen. Ohne Reformen könne man im nächsten Jahr mit einem 18-Milliarden-Defizit in der GKV rechnen. Dass die geplante Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze für die PKV Einschnitte bedeutet, sei ihm ebenso wie der Ministerin bewusst. „Was aber nicht passieren darf, ist, dass wir sagen, wir stellen das System in Frage“, so Sorge. „Auch gerade die private Krankenversicherung ist einer der Stabilisatoren im System."

Das duale System aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung hat sich bewährt und es hat Zukunft.

 

Nina Warken , Bundesgesundheitsministerin

Ministerin Warken meldete sich per Videobotschaft und äußerte sich auch zur notwendigen Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ): Eine Überarbeitung der GOÄ sei notwendig und überfällig. Auf die Reform der Pflegeversicherung gingen sowohl Warken als auch Sorge kaum ein, während der PKV-Vorsitzende Brahm das Thema hervorhob. Der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung habe sich in weniger als zwei Jahrzehnten verdoppelt, in den nächsten beiden Jahren drohe dennoch ein Defizit von 22,5 Milliarden Euro. Man könne „zu dem Schluss kommen, dass das Umlageverfahren in der Pflege nicht funktioniert“. 

Die anstehende Reform sei deshalb eine gute Chance: Gelinge ein Wandel zugunsten von mehr Eigenverantwortung und Generationengerechtigkeit, könne dies den notwendigen Impuls für eine langfristig tragfähige Finanzreform geben – auch in den anderen Systemen. Leider sei der aktuelle Gesetzentwurf dafür bei weitem nicht ambitioniert genug. Die Erkenntnisse aus der Reform der Altersvorsorge – mit einer Förderung der kapitalgedeckten Altersvorsorge – seien verlorengegangen. Zuletzt machte Brahm deutlich: “Jedes System muss seine Hausaufgaben machen. Gegen einen Pflegefinanzausgleich würden wir daher alle verfassungsrechtlichen Register zum Schutz unserer Versicherten ziehen.”

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