Infoseite

Nach dem E-Rezept und der elektronischen Patientenakte (ePA) folgt der nächste große Schritt in der digitalen Gesundheitsversorgung für Privatversicherte: die digitale Patientenrechnung (DiPag).

Rechnungen im medizinischen Alltag werden bisher meist auf Papier gedruckt und per Post versendet. Genau hier setzt die DiPag an: Sie ermöglicht einen sicheren, schnellen und digitalen Abrechnungsprozess.  

Der gesamte Prozess läuft medienbruchfrei und digital ab:

  • Rechnungserstellung: Leistungserbringer oder Abrechnungsdienstleister erstellen die Rechnung wie gewohnt in ihrer jeweiligen Software.
  • Sichere Übermittlung: Die Rechnung wird mit strukturierten Daten über die Telematikinfrastruktur sicher an einen zentralen Fachdienst übermittelt, dort validiert und sicher gespeichert.  
  • Empfang und Einreichung per App: Versicherte erhalten die Rechnung direkt in der App ihrer privaten Krankenversicherung und können diese auf Wunsch mit nur wenigen Klicks zur Kostenerstattung einreichen.
  • Prüfung und Erstattung durch die PKV: Durch strukturierte und maschinenlesbare Daten können Prüfprozesse beschleunigt werden.

Zum Start konzentriert sich die DiPag auf Rechnungen nach GOÄ und GOZ. Perspektivisch entwickelt sie sich zu einer zentralen Rechnungsplattform für das gesamte Gesundheitswesen, die schrittweise die verschiedenen Leistungserbringergruppen einbindet. 

Welche Vorteile hat die digitale Patientenrechnung?

  • Weniger Papier: Mit der DiPag sind Rechnungen jederzeit digital abrufbar. Papierbelege müssen nicht mehr gesammelt, sortiert oder manuell eingescannt werden.
  • Besserer Überblick: Alle digitalen Rechnungen von Ärzten, Zahnärzten und perspektivisch weiteren Leistungserbringern aus dem Gesundheitswesen laufen an einem einzigen Ort in der App zusammen und können mit wenigen Klicks eingereicht werden.
  • Selbstbestimmte Weitergabe: Versicherte haben weiterhin die volle Kontrolle darüber, welche Rechnungen wann an ihre Versicherung weitergeleitet werden.  
  • Verknüpfung zu weiteren Dokumenten: Künftig sollen auch rechnungsbegründende Unterlagen wie ärztliche Verordnungen oder Leistungsnachweise direkt digital mit der Rechnung verknüpft werden, sodass Versicherte alle Unterlagen gebündelt in einem Schritt einreichen können.
  • Geringere Fehleranfälligkeit: Durch standardisierte und maschinenlesbare Daten entfallen fehleranfällige Scan-Prozesse. So kann die Bearbeitung und Erstattung beschleunigt werden.
  • Sicherer Kanal: Rechnungen mit sensiblen Gesundheitsdaten sind innerhalb der Telematikinfrastruktur nach den höchsten Sicherheitsstandards abgesichert. Nur berechtigte Nutzer können die Rechnungsdaten einsehen.

Wichtige Fragen und Antworten

Privatversicherte können die DiPag nutzen, sobald ihre private Krankenversicherung das entsprechende App-Modul bereitstellt. Dieses kann entweder in die übliche Versicherten-App oder in die ePA-App integriert sein.

Die Nutzung der DiPag ist für Privatversicherte freiwillig. Es können weiterhin Papierrechnungen per Post oder eingescannt per App eingereicht werden.

Leistungserbringer und Abrechnungsdienstleister benötigen bestimmte Systemvoraussetzungen, damit sie Rechnungen an ihre Patienten digital als DiPag auf dem zentralen Fachdienst bereitstellen können. Zunächst werden Ärzte und Zahnärzte diese Möglichkeit erhalten. Weitere Leistungserbringer werden schrittweise ebenfalls angebunden.

Bevor Versicherte die DiPag nutzen können, müssen sie zunächst über ihre App ein DiPag-Nutzerkonto anlegen und dem digitalen Rechnungsversand zustimmen. Anschließend können Leistungserbringer und Abrechnungsdienstleister das Nutzerkonto mithilfe der Krankenversichertennummer (KVNR) und des Geburtsdatums finden und die Rechnung digital für die versicherte Person bereitstellen. Über den Eingang einer neuen Rechnung wird die versicherte Person per E-Mail benachrichtigt. Anschließend kann sie die Rechnung über die App abrufen, verwalten und auf Wunsch bei ihrer PKV und/oder Beihilfestelle einreichen.

Bei der DiPag handelt es sich um eine von der Digitalagentur gematik spezifizierte und zertifizierte Anwendung. Sie basiert auf einer Sicherheitsarchitektur nach dem Zero-Trust-Prinzip (ZETA). Dadurch wird sichergestellt, dass ausschließlich berechtigte Nutzer und Akteure auf die Rechnungsdaten zugreifen können. 
 

Wie schnell Kostenerstattungsanträge von einer PKV geprüft und bearbeitet werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab – eine digitale Rechnung ist nur einer dieser Faktoren. Die Einreichung einer digitalen Rechnung mit strukturierten Daten schafft jedoch optimale Voraussetzungen für eine reibungslose und effiziente Prüfung. 

Damit die DiPag flächendeckend im Gesundheitswesen etabliert und zum festen Bestandteil des Alltags wird, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Die PKVen müssen ihren Versicherten ein entsprechendes DiPag-Modul anbieten. Zugleich müssen die Versicherten bereit sein, dieses zu nutzen. Auch Rechnungsersteller – insbesondere Leistungserbringer und Abrechnungsdienstleister – benötigen die erforderlichen technischen Voraussetzungen, um DiPag-Rechnungen bereitstellen zu können.  

Eine flächendeckende Etablierung wird nicht von heute auf morgen gelingen. Wir arbeiten jedoch daran, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen und die DiPag gemeinsam mit allen Beteiligten weiter im Gesundheitswesen zu verankern. 

Versicherte können sich bei Fragen zur Anwendung an ihre PKV wenden. Leistungserbringer und Abrechnungsdienstleister wenden sich je nach Fragestellung bitte an ihren Softwarehersteller, die gematik oder das E-Health-Team des PKV-Verbands unter ehealth-ti@pkv.de.

Mehr über die DiPag

Was die DiPag für Versicherte sowie für die PKV-Unternehmen bedeutet und welche Herausforderungen auf dem Weg zum erfolgreichen Live-Betrieb zu lösen sind, erläutert die E-Health-Expertin Fenja Remmy im aktuellen Rechenschaftsbericht des PKV-Verbands.
 

Hier geht es zum Interview