Meldung 24. September 2026

Mit der DiPag startet Ende 2026 die erste PKV-orientierte TI-Anwendung für digitale Patientenrechnungen. Fenja Remmy, Produktmanagerin beim PKV-Verband, erklärt, wie sie Versicherte entlastet und Prozesse in Unternehmen verbessert.

Fenja Remmy, E-Health-Expertin im PKV-Verband, erläutert im Interview die digitale Patientenrechnung DiPag.

Die DiPag ist bisher den wenigsten Menschen ein Begriff. Welches Problem löst die Anwendung?

Noch immer werden im medizinischen Kontext sehr viele Rechnungen auf Papier ausgedruckt und per Post versendet. Dass das nicht mehr zeitgemäß ist, liegt auf der Hand. Gleichzeitig handelt es sich um Gesundheitsdaten, die nicht unverschlüsselt per E-Mail versendet werden sollten. Die DiPag löst genau dieses Dilemma: Leistungserbringer können sich darauf verlassen, dass Rechnungen auf höchstem Sicherheitsniveau übermittelt werden, und Versicherte erhalten sie bequem und digital.

Das klingt sehr hilfreich und komfortabel – ab wann kann die DiPag genutzt werden?

Die DiPag wird Ende 2026 im Rahmen einer Pilotierung an den Start gehen. Der Fokus liegt dabei zunächst auf Rechnungen nach GOÄ und GOZ. Über einen neuen Funktionsbereich in ihrer App werden die Versicherten Rechnungen zentral empfangen, verwalten und papierlos mit nur wenigen Klicks an ihren Kostenträger weiterleiten können.

„Die DiPag ist die erste PKV-orientierte Anwendung in der Telematikinfrastruktur, die durch das starke Engagement der PKV-Branche gesetzlich verankert wurde.“

Fenja Remmy , Produktmanagerin im PKV-Verband

Warum ist die DiPag insbesondere für die PKV eine so wichtige Anwendung?

Sie ist die erste PKV-orientierte Anwendung in der Telematikinfrastruktur (TI), die durch das starke Engagement der PKV-Branche gesetzlich verankert wurde. Als Gesellschafter der gematik sind wir an jeglicher Finanzierung der TI-Komponenten beteiligt – unabhängig davon, ob Privatversicherte sie nutzen können oder nicht. Mit der DiPag werden wir neben der ePA und dem E-Rezept eine weitere Anwendung haben, von deren Mehrwerten insbesondere Privatversicherte profitieren.

Der Nutzen für Versicherte wird sehr schnell klar. Was bedeutet die DiPag für die PKV-Unternehmen? 

Die DiPag geht tatsächlich weit über die reine Digitalisierung des Rechnungsversands hinaus. Sie liefert den Unternehmen standardisierte und strukturierte Rechnungsdaten. Das ist ein echter Qualitätssprung – bisher müssen eingereichte Rechnungen häufig aus Scans oder abfotografierten Belegen ausgelesen werden. Das ist ein fehleranfälliger Prozess. Mit der DiPag liegen die Daten von Beginn an in einem einheitlichen, maschinenlesbaren Format vor. Dadurch steigt die Datenqualität erheblich und Prüfprozesse können automatisiert und dadurch beschleunigt werden. Am Ende profitieren von schnelleren Prüfprozessen natürlich auch die Versicherten.

Die DiPag startet mit einem Fokus auf Rechnungen nach GOÄ und GOZ – was passiert danach?

Die DiPag soll sich auf jeden Fall weiter entwickeln: In weiteren Ausbaustufen sollen beispielsweise auch Heilmittelerbringer, Pflegeeinrichtungen und Hilfsmittelerbringer die DiPag nutzen können. Damit wird nicht nur der Kreis der angebundenen Leistungserbringer erweitert, sondern auch der Gedanke eines zentralen Ortes für Rechnungen aus dem Gesundheitswesen gestärkt. Gleichzeitig planen wir, rechnungsbegründende Unterlagen wie ärztliche Verordnungen oder Leistungsnach weise direkt mit der Rechnung zu verknüpfen. Versicherte können dann also alle zur Prüfung notwendigen Unterlagen gebündelt in einem Schritt einreichen – das vereinfacht den gesamten Prozess erheblich.

Wir haben uns aktiv in die Konzeption und Spezifikation eingebracht, PKV-spezifische Anforderungen aus unserer Expertise in der Kostenerstattung formuliert und so den Funktionsumfang der DiPag maßgeblich mitgestaltet.

Fenja Remmy , Produktmanagerin im PKV-Verband

Zuständig für die Ausgestaltung der DiPag ist die gematik, die die Telematikinfrastruktur in Deutschland verantwortet. Der PKV-Verband ist – gemeinsam mit weiteren Interessenverbänden und dem Bundesministerium für Gesundheit – Gesellschafter der gematik. Welchen Einfluss hat die Branche?

Als Gesellschafter der gematik sind wir bei allen Entscheidungen rund um die TI und ihre Anwendungen beteiligt. Unser Engagement geht dabei regelmäßig weit darüber hinaus – so auch bei der DiPag. Wir haben uns aktiv in die Konzeption und Spezifikation eingebracht, PKV- spezifische Anforderungen aus unserer Expertise in der Kostenerstattung formuliert und so den Funktionsumfang der DiPag maßgeblich mitgestaltet. Diese aktive Rolle werden wir auch bei den weiteren Ausbaustufen fortführen.

Welche Herausforderungen gilt es auf dem Weg bis zum erfolgreichen Live-Betrieb zu lösen?

Die größte Herausforderung ist es, alle beteiligten Akteure zur selben Zeit startklar zu machen. Einerseits müssen die technischen Voraussetzungen stimmen: Die notwendigen Komponenten für die DiPag müssen in Praxisverwaltungssystemen und bei Abrechnungsdienstleistern zur Verfügung stehen. Aber auch in den Apps der Versicherten muss der entsprechende Funktionsumfang integriert werden. Darüber hinaus spielen auch Information und Motivation eine entscheidende Rolle: Alle Beteiligten müssen die neuen Möglichkeiten kennen und wissen, was konkret zu tun ist. Die Prozesse funktionieren nur, wenn alle Hand in Hand zusammenarbeiten.

Zum Abschluss: Was braucht es jetzt von der PKV-Branche, damit die DiPag ein Erfolg wird?

Genau wie bei der ePA und dem E-Rezept bemisst sich der Erfolg der DiPag daran, wie viele Menschen die Anwendung nutzen. Dafür braucht es Unternehmen, die alle technischen und prozessualen Vorbereitungen getroffen haben und ihre Versicherten aktiv mitnehmen. Als Mitgestalter und Initiator der DiPag muss die Branche hier in Vorleistung treten. Das schließt auch ein, die Rechnungsersteller und deren Softwareanbieter frühzeitig zu informieren und für die DiPag zu gewinnen.

Weitere Informationen zur digitalen Patientenrechnung DiPag gibt es auf unserer Wissensseite: DiPag - die zentrale Rechnungsplattform für Privatversicherte.

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