Kommunale Prävention wirkt – doch viele erfolgreiche Projekte scheitern an befristeter Förderung und fehlenden Strukturen. In einer neuen Studie fordern PKV-Verband und TU Dresden des-halb eine nationale Strategie und klare Zuständigkeiten.
Der PKV-Verband und die Forschungsgruppe Digital Health der TU Dresden veröffentlichen morgen den zweiten Teil der Studie „Neue Gesundheitsnetze“. Die Untersuchung zeigt: In vielen Kommunen entstehen bereits erfolgreiche, niedrigschwellige Präventionsangebote für ältere Menschen – die Wirkung bleibt jedoch häufig begrenzt, weil strukturelle Voraussetzungen fehlen.
Prävention funktioniert vor Ort
Die Studie analysiert zehn Praxisbeispiele aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter Projekte zur Bewegungsförderung, kultursensiblen Demenzarbeit und digitaler Teilhabe. Sie belegt, dass persönliche Ansprache, lokale Vernetzung und wohnortnahe Angebote entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Wo Quartierskoordination, stabile Netzwerke und kontinuierliche Ansprechpartner vorhanden sind, gelingt es Kommunen, auch schwer erreichbare Zielgruppen einzubeziehen.
Strukturelle Schwächen verhindern Verstetigung
Gleichzeitig zeigt sich ein wiederkehrendes Problem: Viele Wirksame Projekte sind zeitlich befristet, abhängig von Einzelpersonen oder Ehrenamt und verschwinden nach Ende der Förderung wieder. Bürokratische Hürden, fehlende politische Priorisierung und unklare Zuständigkeiten erschweren die Verstetigung zusätzlich. Die Folge: Gute Ideen bleiben lokal begrenzt, statt bundesweit nutzbar zu werden.
„Kommunale Prävention darf nicht in kleinteiligen, befristeten Projekten und Doppelstrukturen stecken bleiben. Wir brauchen regional verankerte Vorhaben mit ausreichender Laufzeit, klaren Zielen und einer verlässlichen Finanzierung, damit erfolgreiche Ansätze dauerhaft wirken können“, betont Dr. Anke Schlieker, Projektleitung Gesundheitsversorgung beim PKV-Verband.
Auch die Wissenschaftler der TU Dresden sehen dringenden Handlungsbedarf: „Viele kommunale Präventionsprojekte zeigen, dass vor Ort bereits wirksame Ansätze entstehen. Das Problem ist ihre Verstetigung und Verbreitung“, sagt Prof. Dr. Hannes Schlieter. „Es sollten daher Förderlogiken, Koordination und Wissenstransfer stärker zusammengedacht werden.“
Erfahrungen gut für Präventionsgesetz
Ausgehend von den Studienergebnissen plädieren die Expertinnen und Experten für eine nationale Gesamtstrategie, die Prävention, medizinische Versorgung, Pflege und zivilgesellschaftliche Akteure stärker verzahnt. Ein solches Leitbild könnte klare Prioritäten setzen und sicherstellen, dass Präventionsarbeit nicht in kurzen Projektzyklen verpufft, sondern langfristig wirkt.
PKV-Verband und TU Dresden empfehlen außerdem, die Erkenntnisse aus den Praxisprojekten in die anstehende Novelle des Präventionsgesetzes einzubringen. Eine integrierte Förderstruktur mit längeren Laufzeiten, klaren Zielen und realistischen Evaluationen könne die Fragmentierung der heutigen Förderpraxis überwinden.
Download Studie “Neue Gesundheitsnetze: Kommunale Prävbention”
Die Studie wird am 10.09. um 13 Uhr im Rahmen des Präventions- und Langlebigkeitskongresses 2026 offiziell vorgestellt.
Mehr Informationen unter www.neue-gesundheitsnetze.de.