Pressemitteilung 14. Juli 2026

Einfache Alltagshilfe für andere leisten und gleichzeitig für die eigene Zukunft vorsorgen: Das Projekt „Zeitpolster“ bringt in Österreich seit acht Jahren helfende Hände und ältere Menschen vor Ort zusammen. Der PKV-Verband fördert den Start des erfolgreichen Modells in Deutschland.

Rund drei Millionen Menschen in Deutschland sind heute 85 Jahre oder älter – fast dreimal so viele wie Anfang der 1990er-Jahre. Damit sie möglichst lange selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben können, braucht es im Alltag oft praktische Unterstützung, die Angehörige oder Pflegedienste allein nicht immer leisten können. Hier setzt das Modell „Zeitpolster" an: Freiwillige helfen älteren Menschen im Alltag – und sorgen damit gleichzeitig für die eigene Zukunft vor.

„Der demografische Wandel zwingt uns dazu, Pflege und Vorsorge völlig neu zu denken. Angesichts sich verändernder Familienstrukturen und des Fachkräftemangels müssen wir Gemeinschaften aufbauen und stärken, welche die Versorgung vor Ort sinnvoll ergänzen“, so Nils Stakowski, Referent für Prävention beim PKV-Verband. „Das Modell von Zeitpolster verbindet freiwilliges Engagement mit gesundheitsförderndem Strukturaufbau. Indem es die Selbstständigkeit und Teilhabe von älteren Menschen sichert, trägt es aktiv dazu bei, den Eintritt von Pflegebedürftigkeit zu verzögern. Dieses Potenzial wollen wir als PKV durch unsere Förderung nachhaltig stärken.“

Zeit als zentrale Währung

Zeitpolster basiert auf dem Tausch von Zeit statt Geld: Freiwillige unterstützen ältere oder hilfsbedürftige Menschen im Alltag – etwa beim Einkauf, bei Arztbesuchen oder durch Gesellschaft. Für jede geleistete Stunde erhalten die Helfenden eine Gutschrift auf ihrem Zeitkonto. Benötigen sie später selbst Hilfe, können sie diese angesparten Stunden flexibel einlösen.

Wer Unterstützung nutzt, ohne selbst Stunden angespart zu haben, zahlt einen Beitrag von aktuell 12 Euro pro Stunde. Ein Teil dieser Einnahmen fließt in ein Notfallkonto. Diese finanzielle Reserve sichert das System langfristig ab: Können Freiwillige den Bedarf vor Ort einmal nicht decken, kann Zeitpolster von diesem Geld professionelle Hilfe einkaufen.

„Wir sehen durch unsere Erfahrungen in Österreich, dass Zeitpolster für die Menschen vor Ort weit mehr ist als reine Alltagshilfe. Es bringt Generationen zusammen und schafft ein neues Gefühl von Sicherheit im Alter”, sagt Carsten Schmitz, Geschäftsführer von Zeitpolster Deutschland. „Aus einfachen Handreichungen im Alltag wachsen echte, lebendige Gemeinschaften. Das schenkt Lebensqualität, mindert Einsamkeit und entlastet pflegende Angehörige spürbar. Dabei beobachten wir insbesondere: Zeitpolster mobilisiert Menschen, die sich vorher nicht ehrenamtlich engagiert haben. Das Zeitkonto bietet ihnen eine ganz neue, greifbare Form der Vorsorge.“

Engagement vor Ort als Grundlage

Organisatorisch baut Zeitpolster auf drei Säulen: Lokale Gruppen organisieren die Hilfe in ihrer Region sehr selbstständig. Sie vermitteln die Einsätze vor Ort und stimmen ab, welche Aufgaben wann und von wem übernommen werden. Unterstützt werden sie von Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren, die zudem den Auf- und Ausbau in ihrer Region verantworten. Dritter Baustein ist die deutsche Geschäftsstelle, die das Gesamtsystem koordiniert, die zugrunde liegende technische Plattform bereitstellt, das Notfallkonto verwaltet und die Regionalstellen intensiv beim Aufbau berät und begleitet.

Der PKV-Verband finanziert die fünfjährige Anschubphase in Deutschland. Die Förderung umfasst zwei Leuchtturmregionen, deren fachliche Begleitung durch die Zeitpolster Deutschland gGmbH sowie Mittel für Öffentlichkeitsarbeit und digitale Vernetzung, damit sich das Modell danach selbst trägt.

Jetzt mitmachen: Start in den ersten Regionen

Das Projekt startet in Deutschland zunächst im Landkreis Recklinghausen (NRW), wo die Initiative Mitte Juli an den Start geht. Engagierte Freiwillige sowie Menschen mit Unterstützungsbedarf können sich ab sofort direkt per E-Mail an deutschland@zeitpolster.com melden.

Eine zweite Leuchtturmregion wird derzeit noch gesucht und soll im Dezember starten. Da das Netzwerk darüber hinaus kontinuierlich wachsen soll, werden im Rahmen des Projektes weitere Regionen teilfinanziert. Interessierte Kommunen und Initiativen können sich hierfür bereits jetzt vormerken lassen – die Bekanntgabe der genauen Kriterien erfolgt ab September.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten unter https://www.zeitpolster.com/de/

Über das Präventionsengagement des PKV-Verbands

Seit 2017 ist der PKV-Verband freiwilliges Mitglied der Nationalen Präventionskonferenz und leistet mit seinen Präventionsprogrammen und rund 22 Millionen Euro jährlich einen aktiven Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Präventionsstrategie im Sinne des Präventionsgesetzes.

Die Programme setzen direkt in den Lebenswelten der Menschen an – von der Kita bis zur Pflegeeinrichtung, für Jung und Alt. Ziel ist es, gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Strukturen nachhaltig zu stärken. Gemeinsam mit einem Netzwerk an Partnern unterstützt der PKV-Verband dafür die Akteure vor Ort mit gezielten Maßnahmen der Organisations- und Strukturentwicklung – etwa durch Beratung, Qualifizierungsangebote, fachlichen Austausch und Hilfestellung beim Projektmanagement.