Nach Schätzungen des RKI sind 2026 bereits rund 12.000 Menschen an den Folgen starker Hitze gestorben, die meisten davon über 75 Jahre alt. Wir haben mit Frank Schlerfer, Geschäftsführer von Careproof – dem Prüfdienst der PKV, darüber gesprochen, welche Schutzmechanismen in Pflegeheimen greifen.
Herr Schlerfer, über Hitzeschutz bei älteren Menschen wird derzeit viel diskutiert. Gehört der Schutz vor hohen Temperaturen zum festen Bestandteil der Qualitätsprüfungen?
Die Inhalte von Qualitätsprüfungen sind verbindlich und bundeseinheitlich in den Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) festgelegt. Das Thema „Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen“ ist dabei kein solitärer Prüfungsbestandteil. Dennoch gehört der Austausch mit den Einrichtungen über die jeweiligen Hitzeschutzkonzepte zu den relevanten Themen der Qualitätsprüfung, insbesondere bei hohen Temperaturen oder Hitzewellen.
Wie schätzen Sie das aktuelle Risiko in den von Ihnen geprüften Einrichtungen ein, und wo sehen Sie die größten Defizite?
Viele der Pflegeeinrichtungen, die wir im Rahmen unserer Qualitätsprüfungen aufsuchen, haben keine ausreichenden technischen oder baulichen Möglichkeiten, bei länger anhaltenden Hitzeperioden einen Temperaturanstieg in den Räumlichkeiten der Einrichtung wirksam zu vermeiden. Dies kann die Pflegebedürftigen, aber auch die Mitarbeitenden stark belasten. Ob es uns in Deutschland gelingen wird, durch Modernisierung der Pflegeeinrichtungen kurzfristig Abhilfe zu schaffen, ist fraglich.
Im Fokus sollte demnach aus unserer Sicht stehen, wie wir die Risiken von Hitzeperioden für alle Beteiligten wirksam reduzieren können. Hier besteht viel Verbesserungspotenzial in der Einleitung erforderlicher Maßnahmen. Diese sind nicht immer mit umfangreichen finanziellen Investitionen verbunden. Oft kann durch einfache Maßnahmen viel erreicht werden. Hierzu können sich Einrichtungen beispielsweise mit folgenden Fragen beschäftigen:
- Lassen sich in die Arbeitsabläufe zusätzliche Pausen integrieren?
- Gibt es nutzbare Räumlichkeiten mit niedrigerer Temperaturbelastung?
- Ist das Angebot an Speisen und Getränken angepasst (Angebot von Kaltschalen, wasserhaltiges Obst/Gemüse, Eis etc.)?
- Sind angemessene Pausenräume vorhanden?
- Wissen die Mitarbeitenden von gut anwendbaren Maßnahmen wie bspw. kühlende Waschungen, Armbäder etc.
- Wurden die Beschäftigungsangebote angepasst?
Halten Sie feste, bundeseinheitliche Temperaturgrenzwerte für sinnvoll, ab denen ein Pflegeheim verpflichtend Gegenmaßnahmen ergreifen müsste?
Natürlich hört es sich erst einmal erstrebenswert an, dass für Pflegeeinrichtungen verbindliche Temperaturgrenzwerte festgelegt werden und bei Überschreitung geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen sind. Allerdings spielen Lage der Einrichtung, Baustil, Alter und ggf. Bestandsschutz eine große Rolle, denn sie haben weitreichende Auswirkungen auf die Raumtemperatur. Die Erfahrung aus unseren Qualitätsprüfungen zeigt: Nicht nur die Vermeidung hoher Temperaturen in den Einrichtungen dient dem Schutz der Pflegebedürftigen, sondern vor allem das adäquate und situationsgerechte Handeln der Mitarbeitenden. Ein sach- und fachgerechter Umgang mit Belastungen durch Hitze, basierend auf internen Hitzeschutzkonzepten, stellt eine gute Basis zum Schutz der Pflegebedürftigen dar. Um es auf den Punkt zu bringen. In der Anpassung der pflegerischen Maßnahmen sehen wir das größte Potenzial beim Thema Hitzeschutz.