Meldung 21. September 2026

Die Beitragsbemessungsgrenze steigt 2027 um 9,7 Prozent auf 76.500 Euro. Angestellte mit gutem Einkommen müssen damit deutlich mehr GKV-Beitrag zahlen. Das zeigt ein Verordnungsentwurf des Bundesarbeitsministeriums. Gleichzeitig wird der Wechsel in die PKV erneut erschwert.

Das deutsche Gesundheitssystem sieht sich in den vergangenen Jahren mit nie dagewesenen Kostensteigerungen konfrontiert: Inflation, medizinisch-technischer Fortschritt und die zunehmende Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen müssen von den Versicherungen geschultert werden. Um die Beitragssätze in der in der Gesetzlichen Krankenversicherung und er Sozialen Pflegeversicherung stabil zu halten, hat die Bundesregierung das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Allerdings sieht es auch deutliche Erhöhungen auf der Einnahmeseite vor. Auch ohne höhere Beitragsätze werden die Beiträge vieler gesetzlich Versicherter ab 2027 deutlich steigen. Grund ist die beschlossene außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 3.600 Euro pro Jahr in der GKV. 

Hoch qualifizierte Angestellte sind besonders betroffen

Die Beitragsbemessungsgrenze definiert, bis zu welcher Einkommenshöhe Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden müssen. Sie wird jährlich im Herbst per Rechtsverordnung auf Grundlage der Einkommensentwicklung festgelegt. Dafür liegt nun ein Entwurf vor. Neben der regulären Anpassung berücksichtigt er den beschlossenen außerordentlichen Anstieg von 3.600 Euro. Addiert ergibt sich eine Beitragsbemessungsgrenze in Höhe von 76.500 Euro. Das entspricht einem Monatseinkommen von 6.375 Euro. Zum Vergleich: Momentan sind es noch 5.812,50 Euro monatlich. Es handelt sich damit um ein Plus von 9,7 Prozent. In der Pflege droht laut Referentenentwurf sogar ein noch höherer Wert. 

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet das deutliche Beitragssteigerungen. Vor allem hochqualifiziertes Fachpersonal mit einem Verdienst an der Beitragsbemessungsgrenze wird stark belastet. Da auch die Arbeitgeber über die Lohnzusatzkosten unter den Mehrkosten zu leiden haben, bringt die höhere Beitragsbemessungsgrenze  zusätzliche Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft mit sich.

Besonders ärgerlich: Wechsel in die PKV wird erschwert

Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes kritisiert die Entwicklung deutlich: „Wir sehen, dass gerade die Mittelschicht, dass Facharbeiter, Ingenieure, Familien mit guten Schul- und Universitätsabschlüssen, hier über eine verkappte Steuererhöhung, nämlich das stetige Ansteigen der Beitragsbemessungsgrenze, stark geschöpft werden. Deswegen müssen wir aufhören, nach weiteren Erhöhungen der Beitragsbemessungsgrenze zu suchen. Die Einnahmen stimmen. Es sind die Ausgaben, die hier wieder ins Lot gebracht werden müssen.“

Besonders ärgerlich: Parallel steigt auch die Versicherungspflichtgrenze. Sie legt fest, ab welchem Gehalt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht mehr versicherungspflichtig in der Gesetzlichen Krankenversicherung sind und in die Private Krankenversicherung wechseln können. Während also die Abgabenbelastung vor allem für gut ausgebildetes Fachpersonal mit höherem Einkommen deutlich steigt, werden die Wechselmöglichkeiten in die PKV weiter erschwert.