Pressemitteilung 26. Mai 2026

Nach mehrjähriger Entwicklung und Erprobung bringt der Verband der Privaten Krankenversicherung das Programm Mutausbruch bundesweit in Kindertagesstätten. Den Auftakt bildet die Region Hamburg.

Über vier Millionen Kinder besuchen in Deutschland eine Kindertagesstätte. Sie alle sollten dort einen Platz finden, an dem sie gesund aufwachsen können. Doch hohe Arbeitsbelastung und Personalmangel können selbst erfahrene Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas unter Druck setzen. Unter diesen Bedingungen steigt das Risiko, dass Kinder verletzendes Verhalten erfahren - von lautem Zurechtweisen über Bloßstellen bis hin zu körperlicher Gewalt. Laut einer bundesweiten Umfrage der Bertelsmann Stiftung beobachtet jede vierte Kita-Leitung in ihrer Einrichtung häufig verletzendes Verhalten durch pädagogisches Personal. Das Programm „Mutausbruch" will dem entgegenwirken.

„Die Kindheit ist die Schlüsselphase für psychische Gesundheit, denn Erfahrungen in diesen Jahren wirken oft bis ins Erwachsenenalter nach. Deshalb ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, gute Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen zu schaffen“, so Jelena Sörensen, Referentin Prävention beim PKV-Verband. „Mit Mutausbruch leisten wir einen konkreten Beitrag dazu, indem wir Kitas zu sicheren und gesünderen Orten für alle Kinder machen.“

Mit Organisationsentwicklung zu gesunden Kitas

Mutausbruch unterstützt die Kita-Fachkräfte dabei, verletzendes Verhalten gegenüber Kindern zu erkennen und zu vermeiden. Die teilnehmenden Einrichtungen entwickeln mithilfe des Programms eine Kultur, in der sich die pädagogischen Fach- und Führungskräfte gegenseitig Feedback und Unterstützung geben.  Klare Strukturen und Abläufe sollen insbesondere in Stresssituationen entlasten und Orientierung geben. 

Anstatt die Verantwortung nur bei Einzelnen zu suchen, fragt Mutausbruch: Was muss sich in der Einrichtung ändern? Für den Kulturwandel kombiniert das Programm Elemente der Organisationsentwicklung und Teambegleitung, und bietet den Erzieherinnen und Erziehern vor Ort hybride Fortbildungen und eigens entwickelte Materialien wie den „traut euch! Kinderkoffer". Auch die Kinder und ihre Eltern werden in den Prozess einbezogen. Dabei berücksichtigen die konkreten Maßnahmen die individuellen Bedürfnisse vor Ort und können deshalb in jeder Kita anders aussehen: von Kinderkonferenzen, in denen die Kinder die Regeln mitbestimmen, bis hin zu routinemäßigen Fallbesprechungen im Team. Der Anspruch von Mutausbruch ist dabei stets, die gemeinsam entwickelten Strukturen in den Kitas fest zu verankern, sodass sie auch nach Programmende fortbestehen.

Vom Modellprojekt zum bundesweiten Programm

Der PKV-Verband hat Mutausbruch seit 2020 gemeinsam mit pädagogischen und wissenschaftlichen Fachleuten entwickelt und in 22 Kitas erprobt und evaluiert. Aufbauend darauf startet nun die deutschlandweite Umsetzung – den Auftakt macht Hamburg. Ab 2027 folgen Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, bis das Programm ab 2029 überregional in Kitas zum Einsatz kommen soll. Parallel dazu werden Fachkräfte qualifiziert, die dann in der Lage sind, weitere Einrichtungen durch den Prozess zu begleiten. Wie schon in der Entwicklungsphase wird die Umsetzung durch eine unabhängige Evaluation begleitet. Die Durchführung des Programms liegt bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V. sowie dem Kinderschutzbund Landesverband Hamburg e.V.

Teilnahme und Kontakt

Das Programm ist für Kitas durch die Förderung des PKV-Verbands kostenlos. Einrichtungen, die am Programm teilnehmen möchten, sowie Interessierte an der Qualifizierung als Prozessbegleiterin oder -begleiter können sich an das Mutausbruch-Team wenden: kita@kindersicherheit.de 

Weitere Informationen zu Mutausbruch

Über das Präventionsengagement des PKV-Verbands

Seit 2017 ist der PKV-Verband freiwilliges Mitglied der Nationalen Präventionskonferenz und leistet mit seinen Präventionsprogrammen und rund 22 Millionen Euro jährlich einen aktiven Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Präventionsstrategie im Sinne des Präventionsgesetzes.

Die Programme setzen direkt in den Lebenswelten der Menschen an – von der Kita bis zur Pflegeeinrichtung, für Jung und Alt. Ziel ist es, gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Strukturen nachhaltig zu stärken. Gemeinsam mit einem Netzwerk an Partnern unterstützt der PKV-Verband dafür die Akteure vor Ort mit gezielten Maßnahmen der Organisations- und Strukturentwicklung – etwa durch Beratung, Qualifizierungsangebote, fachlichen Austausch und Hilfestellung beim Projektmanagement. 

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