Meldung 03. Juni 2026

Die Diskussion über die richtigen Maßnahmen zur Pflegereform wird kontrovers geführt. In dieser aufgeladenen Stimmung gerät leicht aus dem Blick, warum es wichtig ist, die Pflege zu reformieren. Ein Schaubild im Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats Wirtschaft zeigt das Hauptproblem.

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Frühjahrsgutachten 2026; S. 218

Das Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat Ende Mai für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die „Wirtschaftsweisen“ warnten darin vor allem vor steigenden Abgaben und mahnten an, dass Staat und Sozialsysteme mit den vorhandenen Einnahmen auskommen müssen. 

Wo konkret bei der Pflege der Schuh drückt, zeigt eine Grafik recht weit hinten im Bericht auf Seite 218. Zu sehen ist darauf die Entwicklung der Pflegeprävalenz – also des Anteils der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung – zwischen 2008 und 2024. Daran fällt auf: Während es zwischen 2008 und 2017 nur geringe Zuwächse gibt, steigt der Anteil der Pflegebedürftigen danach stark an.

Hauptursache für diese Dynamik sind die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und des neuen Begutachtungssystems im Jahr 2017. Laut Frühjahrsgutachten ist der Anstieg der Leistungsempfänger zu 70 Prozent auf diese beiden Regelungen zurückzuführen.

Außerdem fällt auf, dass die Alterung der Bevölkerung bei der rasanten Entwicklung des Anteils der Pflegebedürftigen bisher nur eine untergeordnete Rolle spielt. Indes nehmen sowohl der Demografieeffekt als auch der Effekt der Gesetzesänderung von 2017 von Jahr zu Jahr zu. Eine Abschwächung der Dynamik ist also ohne Reformen nicht absehbar.

Mit anderen Worten: Ein Großteil der Kostenprobleme ist „hausgemacht“ – durch politische Entscheidungen. Gleichzeitig nimmt die demografische Entwicklung immer mehr an Fahrt auf. Vor diesem Hintergrund adressiert der Sachverständigenrat für die Pflegeversicherung die zentralen Herausforderungen: eine generationengerechte Finanzierung, bedarfsgerechte Versorgung und stärkere Eigenverantwortung der Versicherten. Das ist der richtige Weg.

Deswegen unterstützen wir die vom Sachverständigenrat empfohlene kritische Überprüfung des Leistungskatalogs: Die Leistungen müssen sich stärker auf diejenigen konzentrieren, die sie wirklich benötigen. Dafür muss das Begutachtungsinstrument neu gewichtet und an den ursprünglichen Expertenempfehlungen ausgerichtet werden. Nur so stellen wir die Leistungsfähigkeit der Pflegeversicherung langfristig sicher.