Meldung 11. November 2025

Mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unterstützen wir Kommunen dabei, ein bewegungsfreundliches Umfeld zu schaffen. So fördern wir die Gesundheit und reduzieren Pflegebedürftigkeit.

Bewegung ist das Fundament für ein gesundes Leben – und dennoch bleibt sie für viele eine Herausforderung im Alltag. So bewegen sich laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation rund 60 Prozent der über 70-Jährigen in Deutschland zu wenig. Noch alarmierender sind die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen: Fast 90 Prozent der Mädchen und 80 Prozent der Jungen erreichen nicht die Empfehlung von 150 Minuten Bewegung pro Woche.

Der moderne Lebensstil, geprägt von Digitalisierung, langem Sitzen und Bewegungsmangel, hat weitreichende Folgen – für den Einzelnen ebenso wie für die Gesellschaft. Die gesundheitlichen Risiken reichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, orthopädischen Problemen bis hin zu psychischen Belastungen.

Aufklärung und alltagsnahe Angebote gegen Bewegungsmangel

Um Bewegungsmangel wirksam zu begegnen, braucht es beides: Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen, aber vor allem auch konkrete, alltagsnahe Angebote, die bei den Menschen vor Ort ankommen. Hier setzt der „Impulsgeber Bewegungsförderung“ an, ein gemeinsames Präventionsprogramm des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)  und des PKV-Verbands. Dahinter verbirgt sich ein digitales Tool, das Kommunen Schritt für Schritt dabei unterstützt, insbesondere für ältere Menschen bewegungsfreundliche Strukturen vor Ort aufzubauen – passgenau, praxisnah und nachhaltig.

Das Programm bietet eine ganzheitliche Prozessbegleitung von der Analyse bis zur Evaluation. Der „Impulsgeber Bewegungsförderung“ ist wie ein Baukasten angelegt, aus dem sich die Kommunen je nach Erfordernissen und Gegebenheiten bedienen können: Informationsmaterialien zum Thema Bewegung, Instrumente zur Prozessbegleitung, die auch eine Ist-Analyse vorhandener Strukturen und Prozesse umfasst, sowie eine Projektsammlung möglicher Maßnahmen der kommunalen Bewegungsförderung. Der Impulsgeber wurde in den vergangenen Jahren bundesweit erprobt. Die Modellregionen waren auch an der Entwicklung der Instrumente und Materialien beteiligt.

Digitales Planungstool fördert Bewegung vor Ort

Seit 2022 ist das digitale Planungstool im Internet frei verfügbar. Genutzt hat es bereits zum Beispiel die Stadt Jena: Auf der Grundlage der Materialien des „Impulsgebers Bewegungsförderung“ eröffnete dort 2025 ein rund 500 Meter langer Bewegungspfad am Heiligenberg, einem beliebten Naherholungsgebiet am Stadtrand. An zehn Stationen laden große Tafeln mit einfachen Fitnessübungen zum Mitmachen ein.

Der neue Bewegungspfad ist ein echter Gewinn für Jena und wird schon jetzt gut angenommen“, sagt Kathleen Lützkendorf, Dezernentin für Soziales, Gesundheit, Zuwanderung und Klima in Jena: „Er verbindet Naturerlebnis mit sinnvoller Bewegung im Alltag, insbesondere für ältere Menschen.“ Die Altenhilfeplanerin Franziska Wächter ergänzt: „Unsere Zielgruppe sind Seniorinnen und Senioren – aber mitmachen kann jede und jeder. Der Einstieg ist ganz einfach.“

Als zusätzliche Maßnahme rief Franziska Wächter gemeinsam mit dem Kommunalen Seniorenbeirat von Jena das Format „Bürgerdialog 65+“ ins Leben: ein regelmäßig stattfindendes, partizipativ angelegtes Beteiligungs- und Informationsformat. Hier kommen ältere Menschen zusammen und geben Impulse, wie sie ihre Lebensphase positiv gestalten und Veränderungen aktiv angehen können.

Auch im hessischen Odenwaldkreis und der Stadt Oberzent half der „Impulsgeber Bewegungsförderung“. Infolge von Gesprächen und Befragungen wurden hier gleich mehrere Maßnahmen umgesetzt, um die Bewegung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern: ein Generationencafé mit Gesundheitsvorträgen, historische Stadtteilspaziergänge, ein ungenutzter Dorfplatz wurde zu einem öffentlichen Mehrgenerationen-, Begegnungs- und Bewegungsplatz umgestaltet. Der „Impulsgeber Bewegungsförderung“ diente als Checkliste für die gesamte Umsetzung. Mithilfe des Impulsgebers wurde außerdem ein Finanzplan aufgestellt; das Tool unterstützte schließlich auch, um Fördergelder zu beantragen.

Neue Zielgruppen für den Impulsgeber

Die Evaluation des „Impulsgebers Bewegungsförderung“ unterstreicht den Bedarf, Kommunen auf dem Weg zu einer gesundheitsförderlichen Lebenswelt zu unterstützen. Daher führen wir die erfolgreiche Kooperation mit dem BIÖG fort – mindestens für fünf weitere Jahre. Kommunen können das digitale Tool also weiter kostenfrei nutzen, um Maßnahmen zur Bewegungsförderung zu planen und umzusetzen. Geplant ist, den „Impulsgeber Bewegungsförderung“ um Instrumente zu erweitern, die gezielt die Bewegung von Kindern und Jugendlichen fördern.