Meldung 15. Mai 2026

Zum IDAHOBIT sprachen wir mit Judith und Hannah Burgmeier von der vielfältig. GmbH, die kürzlich mit dem vom PKV-Verband geförderten „Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®“ ausgezeichnet wurde.

Am 17. Mai findet jährlich der IDAHOBIT – der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit statt, der weltweit zu einem respektvollen Miteinander ohne Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität mahnt.

Auch in der Pflege ist dieses Anliegen hochaktuell: LSBTI*-Personen erleben noch immer Ausgrenzung – mit negativen Folgen für ihre Lebensqualität und Gesundheit. Um dem entgegenzuwirken, fördert der PKV-Verband das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®. Das gemeinsam mit der Schwulenberatung Berlin gGmbH – und g2 Organisationsentwicklung GmbH für den Bereich (post-)migrantische Vielfalt –  umgesetzte Qualifizierungs- und Zertifizierungsprogramm unterstützt Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Hospize, Tagespflegestätten und Krankenhäuser dabei, ein diskriminierungsfreies und inklusives Umfeld zu schaffen. Einrichtungen, die das Programm durchlaufen, dürfen das namensgebende Siegel tragen.

Auch die vielfältig. GmbH aus Bremen – Deutschlands erster ambulanter Pflegedienst mit Schwerpunkt auf sexueller und geschlechtlicher Vielfalt – trägt dieses Siegel seit Kurzem. Im Interview sprachen wir mit den beiden Gründerinnen und Geschäftsführerinnen Judith und Hannah Burgmeier über den Anspruch einer Pflege, die den ganzen Menschen sieht – und warum Vielfalt kein Extra, sondern ein Qualitätsmerkmal guter Versorgung ist.

Die vielfältig. GmbH ist Deutschlands erster ambulanter Pflegedienst mit Schwerpunkt auf Sexualität und geschlechtlicher Vielfalt. Was hat Sie dazu bewogen, diese Themen ins Zentrum Ihres Pflegekonzepts zu stellen?

vielfältig. ist 2024 aus der Überzeugung entstanden, dass wir im Gesundheitswesen Menschen nicht auf Diagnosen, Leistungen oder Minuten reduzieren dürfen. Unsere Vision ist eine Pflege, in der Menschen mit ihren Körpern, Beziehungen, Identitäten, Lebensgeschichten und Bedürfnissen selbstverständlich gesehen werden. Sexualität und geschlechtliche Vielfalt sind dabei keine „Sonderthemen“, sondern Teil von Biografie, Selbstbestimmung und Lebensqualität. Deshalb verbinden wir bei vielfältig. drei Geschäftsbereiche miteinander.

Wir versorgen mit unserem Pflegedienst in Bremen Menschen mit Pflegebedarf jeden Alters ambulant in ihrem Zuhause. Zudem begleiten wir Pflegebedürftige, An- und Zugehörige und Wahlfamilien in Präsenz und digital und haben hierfür eine Paar-/Beziehungs- und Sexualberatung etabliert. Darüber hinaus beraten wir bundesweit Organisationen im Gesundheitswesen und geben unser Wissen in Fortbildungen, Workshops und Fachprozessen weiter.

Unsere Mission ist es, konkrete Versorgung zu leisten und gleichzeitig das Gesundheitswesen insgesamt diskriminierungssensibler, sexualitätsfreundlicher und queersensibler weiterzuentwickeln.

Seit Kurzem tragen Sie auch das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®. Was bedeutet diese Zertifizierung konkret für Ihre tägliche Arbeit – und was verändert sie für Ihre Mitarbeitenden und die Menschen, die Sie pflegen?

Vielfalt ist die DNA unseres jungen Unternehmens, von Beginn an. Das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt ist hierbei für uns Bestätigung und Ansporn zugleich. Es macht sichtbar, was wir mit vielfältig. jeden Tag seit unserer Gründung 2024 leben: Pflege, die fachlich kompetent ist und Menschen in ihrer ganzen Lebensrealität ernst nimmt. Für unsere tägliche Arbeit bedeutet das, Vielfalt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern in Strukturen, Sprache, Pflegeprozess, Beratung und Teamkultur zu verankern. Das zeigt sich beispielsweise in unserer Anamnese, in der wir auf Fragen zu Intimität und Beziehung eingehen. Der Zertifizierungsprozess hat uns darin bestärkt, noch genauer hinzuschauen und uns als Organisation immer auch kritisch zu hinterfragen. Das fordert uns einerseits und andererseits haben wir zum Beispiel kein Problem damit, engagierte und fachlich versierte Teammitglieder zu finden – im Gegenteil.

Wenn Sie sich für den Umgang mit Vielfalt in der Pflege etwas wünschen könnten – was wäre das?

Wir wünschen uns, dass Vielfalt in der Gesundheitsversorgung nicht länger als „Extra“ behandelt wird, sondern als Qualitätsmerkmal guter Versorgungspraxis anerkannt wird.

Unser Wunsch ist, dass Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten und die Organisationen, in denen diese Menschen arbeiten, dafür nicht nur gute Absichten haben, sondern konkrete Handlungssicherheit entwickeln: Welche Fragen stelle ich? Welche Sprache nutze ich? Wie reagiere ich auf Diskriminierung? Wie gestalte ich Strukturen so, dass Menschen wirklich sicher sind? Vielfalt braucht Fachwissen, Haltung und verbindliche Prozesse. Genau daran arbeiten wir mit vielfältig. jeden Tag.