Meldung 01. Juni 2026

Die Ausgaben der Sozialversicherungen schnellen in die Höhe. Löcher stopfen allein reicht nicht mehr, die Systeme müssen neu justiert werden – der "Neue Generationenvertrag" für die Pflege ist hier der adäquate Ansatz.

Für den ökonomischen Kompass: "Wirtschaftsweise" Veronika Gramm

Die aktuellen Zahlen sind verheerend, die Finanzlöcher in den Sozialkassen tief - mitunter tiefer als erwartet. Jüngstes Beispiel ist die Bundesagentur für Arbeit: Deren Defizit liege einem Bericht zufolge bei mehr als fünf Milliarden Euro; intern werden gar bis zu acht Milliarden Euro Miese befürchtet. 

Unter dem Eindruck der anhaltenden Wirtschaftsflaute ist offensichtlicher denn je, dass die Sozialversicherung strukturell neu ausgerichtet werden muss. Ohne Konsolidierung und Reformen kommen die Sozialkassen nicht auf einen grünen Zweig. Die Ausgaben ziehen weiter an, die Einnahmen gehen zurück. Folglich sei es auch immer schwieriger, die Sozialversicherungen selbst zu stabilisieren, heißt es im jüngsten Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Ausbleibendes Wachstum, strukturelle Schwäche

„Wir haben eine sehr lang andauernde strukturelle Schwäche, schon seit ungefähr sieben Jahren kein Wachstum. Und natürlich würden wir besser durch diese doch raue See in den geopolitischen Rahmenbedingungen kommen, wenn wir besser vorbereitet werden, also wenn strukturelle Reformen schon früher eingesetzt hätten“, unterstreicht die Sachverständige Veronika Grimm. Ohne Reformen dürften auch die Beiträge deutlich weiter ansteigen, so Grimm. Gleiches gilt insgesamt für das Defizit der Sozialversicherungen. Daneben konstatieren die fünf „Wirtschaftsweisen“, dass auch das langfristige Wirtschaftswachstum, die Einkommen, die Investitionen sowie der Arbeitsmarkt litten. 

Die Veröffentlichung des Frühjahrsgutachtens 2026 fällt in die Phase, in der die Notwendigkeit von Reformen in den Bereichen Gesundheit und Pflege besonders im Fokus steht. Die Ökonomin Grimm wird dazu auch bei der PKV-Jahrestagung am 11. Juni im dbb-Forum Berlin sprechen. 

Ein Augenmerk: Die Soziale Pflegeversicherung (SPV), die derzeit unter enormen Druck steht. Ohne die Finanzierung nachhaltig zu sichern, haben Leistungsausweitungen im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der Beziehenden auf über sechs Millionen verdoppelt. Die eigentliche Belastungsprobe steht noch bevor. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen nun mehr das Alter, in dem das Pflegerisiko stark steigt. Im Umlageverfahren tragen die Jüngeren diese Kosten – eine wachsende Unwucht zwischen den Generationen.

Pflegeversorgung stabilisieren: "Neuer Generationenvertrag"

Mit dem Sofortprogramm: PKV-Forderungen für bessere Pflegeversorgung ließe sich die SPV kurzfristig stabilisieren. Einfach und unkompliziert in der Umsetzung mit einem Einsparpotenzial von bis zu 5 Mrd. Euro pro Jahr. Daneben setzt der PKV-Verband mittelfristig auf den „Neuen Generationenvertrag für die Pflege": Die Pflegeleistungen der SPV sollen auf dem heutigen Niveau eingefroren, der Beitragssatz gesenkt und die Eigenvorsorge gestärkt werden. Jüngere gewinnen finanziellen Spielraum für bezahlbare Pflegezusatzversicherungen und können sich sogar eine vollständige Absicherung leisten – bei vergleichbarer Belastung wie heute. 

Notwendig ist zugleich, die Pflegebegutachtung wieder enger an den ursprünglichen Empfehlungen auszurichten und wenig zielgenaue Leistungen wie den stationären Leistungszuschlag – allein 2025 rund sieben Milliarden Euro – abzuschaffen. Ebenso weisen die Wirtschaftsweisen darauf hin: Mit mehr Kapitaldeckung, mehr Eigenverantwortung und gezielteren Leistungen ließe sich die Pflege künftig generationengerecht finanzieren.