Meldung 05. Mai 2026

Ein Sofortprogramm des PKV-Verbands zeigt mit konkreten Maßnahmen, wie sich die Pflegeversorgung verbessern und zugleich über fünf Milliarden Euro einsparen lassen könnten – durch ein flexibles Pflege-Budget, Prävention und weniger Bürokratie.

Die pflegerische Versorgung in Deutschland steht vor enormen Herausforderungen: Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, Fachkräfte fehlen, und ein zunehmend komplexes Leistungsrecht erschwert den Alltag aller Beteiligten. Gleichzeitig tragen Angehörige, Nachbarn und Ehrenamtliche die Hauptlast – rund 67 Prozent aller Pflegebedürftigen werden von ihnen zu Hause betreut.

Vor diesem Hintergrund hat der PKV-Verband ein Fünf-Punkte-Sofortprogramm für die Pflegeversorgung vorgelegt. Es ist die dritte Säule seiner Reformvorschläge nach den bereits veröffentlichten Sofortprogrammen zur Pflegefinanzierung  und zur Pflegeprävention . Die zentrale Botschaft: Bessere Versorgung und finanzielle Entlastung müssen kein Widerspruch sein.

Pflege-Budget als Kernstück

Die wichtigste Maßnahme in der Versorgung ist die Einführung eines flexiblen, sektorenübergreifenden Pflege-Budgets. Die bisherige Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung bei der Kostenübernahme soll entfallen. Stattdessen erhalten Pflegebedürftige je nach Pflegegrad einen monatlichen Budgetbetrag, den sie selbst aufteilen können – für professionelle Pflegedienste, stationäre Pflege oder Alltagsunterstützung. Bis zur Hälfte des Budgets kann für die Pflege durch qualifizierte Ehrenamtliche genutzt werden. Wird es nicht vollständig für Sachleistungen ausgeschöpft, erhalten Versicherte ein anteiliges Pflegegeld für die Pflege durch Angehörige. Orientiert an den heutigen Pflegesachleistungen würde das neue Budget zu Minderausgaben von 4,1 Milliarden Euro führen.

Pflegegrad 1 präventiv ausrichten

Die zweite Maßnahme betrifft den Pflegegrad 1: Er soll konsequent auf Prävention ausgerichtet werden und Beratungsangebote, Pflegekurse, Hilfsmittel sowie wohnumfeldverbessernde Maßnahmen umfassen. Ein wissenschaftliches Dossier des PKV-Prüfdienstes „Medicproof“ hat gezeigt, dass der Pflegegrad 1 seine ursprünglichen Präventionsziele bislang nicht erreicht. Die Neuausrichtung könnte Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro jährlich ermöglichen. 

Beratung, Digitalisierung und Qualität

Darüber hinaus muss die Pflegeberatung bedarfsgerechter gestaltet werden. Alle Pflegebedürftigen sollen nach Feststellung ihrer Pflegebedürftigkeit eine verpflichtende Beratung erhalten – möglichst früh, um das präventive Potenzial voll auszuschöpfen.

Ein zentrales digitales Pflegeportal soll den Bürokratieabbau vorantreiben. Es soll Stammdaten, Vergütungen, Qualitätsinformationen und Versorgungsverträge bündeln und alle relevanten Akteure – von Pflegekassen über Prüfdienste bis hin zu Trägern der Sozialhilfe – digital vernetzen. Auch die Planung und Durchführung von Qualitätsprüfungen soll künftig über das Portal erfolgen. 

Schließlich fordert der Verband eine verbraucherfreundlichere Qualitätssicherung: Prüfergebnisse sollen kürzer und laienverständlich dargestellt werden, damit Pflegebedürftige und Angehörige leichter eine geeignete Einrichtung finden. Die Mitwirkung an Qualitätsprüfungen soll für Einrichtungen verbindlich werden. 

Entlastungspotenzial von über fünf Milliarden Euro

Insgesamt beziffert der PKV-Verband das Einsparpotenzial seines Sofortprogramms auf gut fünf Milliarden Euro. Das Programm setzt auf Vereinfachung, Transparenz und Selbstbestimmung – und damit auf eine Pflegeversicherung, die den Bedürfnissen der Menschen dient, nicht der Verwaltung ihrer Ansprüche.

Download: Sofortprogramm Pflegeversorgung