Meldung 10. Dezember 2025

Deutschland muss angesichts knapper Ressourcen und einer alternden Gesellschaft stärker auf Prävention setzen. Wie das gelingen kann, diskutierte die Veranstaltung „Health in All Policies – Kooperation als Erfolgsfaktor“ der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung (GVG).

Prävention und Gesundheitsförderung können unser Gesundheitssystem deutlich entlasten. Sie verhindern oder verzögern Krankheiten und Pflegebedürftigkeit. Deutschland nutzt dieses Potenzial bisher jedoch nur unzureichend. Am 8. Dezember 2025 diskutierten führende Präventionsakteurinnen und -akteure in der Landesvertretung Brandenburg in Berlin, wie sich dies ändern lässt. Die vom Forum Gesundheitsziele organisierte Konferenz machte deutlich: Es braucht mehr verbindliche Ziele und ressortübergreifende Zusammenarbeit. Der Handlungsdruck ist groß – und die Zeit drängt.

v.l.n.r.: Niels Reith, Geschäftsführer GVG, Dr. Christoph Aluttis, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG)), Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e.V. (vdek) für das Forum Gesundheitsziele, Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender GKV-SV für die Nationale Präventionskonferenz und Dr. Timm Genett, Geschäftsführer Politik im PKV-Verband

Hebel für eine zukunftsfähige Prävention

Die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Präventionslandschaft mit Vertreterinnen und Vertretern von Krankenkassen, Bundesinstitutionen, Politik und Verbänden machte deutlich: Deutschland hat erheblichen Nachholbedarf. Der aktuelle „Public Health Index" des AOK-Bundesverbands und des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt, dass Deutschland bei Präventionsmaßnahmen zu Risikofaktoren wie Alkohol, Tabak, Ernährung und Bewegung im europäischen Vergleich schlecht abschneidet.

In der Runde wurde deutlich, dass wirksame Prävention an mehreren Punkten ansetzen muss. Genannt wurden sowohl regulatorische Instrumente als auch Ansätze, die stärker auf Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung der Versicherten setzen. Damit Prävention tatsächlich Wirkung entfalten kann, ist ein multidimensionaler Ansatz entscheidend. 

Dr. Timm Genett, Leiter des Geschäftsbereiches Politik im PKV-Verband

Präventionsgesetz und Health in All Policies

Dr. Timm Genett, Geschäftsführer Politik beim PKV-Verband, übte Kritik an den politischen Versäumnissen der vergangenen Jahre. Statt auf eine ganzheitliche Präventionsstrategie zu setzen, habe man sich häufig in Teildiskussionen verloren.  

„Wir brauchen einen echten Neustart mit allen Akteuren und eine schonungslose Bilanz der verschiedenen Präventionsansätze. Auf Bundesebene sollte zudem mehr Verbindlichkeit in der Kooperation zwischen den Akteuren hergestellt werden. Entscheidend sind dabei grundlegende Fragen: Was kann jede Organisation besser machen? Welche Strukturen funktionieren wirklich? Gerade angesichts der knappen Ressourcen im Gesundheitswesen müssen wir uns gemeinsam auf tatsächlich zielführende Maßnahmen konzentrieren“, so Genett.

Als konkretes „Quick-Win" für mehr Transparenz und Kooperation schlug er vor, erfolgreiche Programme in den Lebenswelten über eine digitale Infrastruktur zu bündeln und bundesweit verfügbar zu machen. Damit könnten Best-Practice-Ansätze leichter geteilt, Ressourcen besser eingesetzt und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren verbessert werden.

Allgemeiner Konsens aller Diskussionsteilnehmenden war es, dass das Präventionsgesetz überarbeitet werden muss – mit klaren Zielen und unter Einbindung aller relevanten Akteure. Ebenso einig waren sich die Podiumsgäste, dass das Prinzip „Health in All Policies“ künftig konsequent angewendet werden muss. Die möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit sollten systematisch in allen Politikbereichen und Gesetzgebungen beachtet werden.