Meldung13. Juni 2022

Privatversicherte finanzieren mit ihrem Mehrumsatz das Gesundheitssystem überproportional mit. Diese zusätzlichen Einnahmen entstehen, weil es für Ärztinnen und Ärzte bei der Behandlung von Privatpatienten weniger Beschränkungen und meist höhere Honorare gibt als bei Kassenpatienten.

Die PKV-Versicherten spielen für alle Leistungserbringer des Gesundheitssystems weiterhin eine wichtige Rolle. Im Jahr 2020 lag der Mehrumsatz, der im Gesundheitswesen durch die Behandlung von Privatversicherten erwirtschaftet wird, bei 11,53 Milliarden Euro. Der größte Teil davon entfiel – wie auch in den Vorjahren – mit 6,37 Milliarden Euro auf die ambulant-ärztliche Versorgung. Damit lagen die Mehreinnahmen je Arztpraxis durchschnittlich bei 55.416 Euro. Die Bedeutung der Privatversicherten für die niedergelassenen Ärzte zeigt sich auch darin, dass etwa zwanzig Prozent ihrer Gesamteinnahmen auf PKV-Versicherte entfallen – und dies bei einem Versichertenanteil von 10,5 Prozent.

Diese Konsequenzen fürchten Ärzte, wenn es weniger Privatpatienten geben sollte

Kein Wunder also, dass die ambulant tätigen Arztinnen und Ärzte mit folgeschweren Einbußen rechnen, wenn der Anteil der Privatpatienten sinken würde. Die vom PKV-Verband beauftragte repräsentative Civey-Umfrage unter 500 niedergelassenen Ärzten hat ergeben, dass zwei Drittel der Befragten Medizinerinnen und Mediziner negative Folgen für ihre Praxen befürchten. Fast 40 Prozent erwarten eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Praxen und rund 30 Prozent befürchten dann sogar, dass Praxen schließen müssten.

So wie auf das gesamte Gesundheitssystem hat die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf die Mehrumsätze. Über alle Sektoren sind sie im Jahr 2020 insgesamt um 940 Mio. Euro (7,6 Prozent) gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Im ambulanten-ärztlichen Bereich lag die Abnahme bei 1,3 Prozent (80 Millionen Euro) gegenüber 2019. Neben der Pandemie- sind aber auch Gesetzgebungseffekte für den Rückgang verantwortlich. Schätzungen zufolge verursachten die vergangenen Reformgesetze in der GKV zwischen 2019 und 2022 Mehrausgaben von 32,6 Milliarden Euro. Der sinkende Mehrumsatz der Privatversicherten könnte damit als ein Spiegelbild der hohen GKV-Ausgabensteigerungen betrachtet werden. Als Folge dieser Entwicklung sind in der GKV erhebliche Finanzierungsdefizite zu erwarten.

Die Corona-Pandemie hat zudem zu einem eingeschränkten Zugang in Folge der Kontaktbeschränkungen, aber auch zu einem bewussten Verzicht auf Arztbesuche und Operationen geführt. Dem Statistischen Bundesamt zufolge führte dies zu einem Rückgang stationärer Patienten um rund 13 Prozent und zu knapp zehn Prozent weniger operativen Eingriffen gegenüber 2019. Eine geringeres Leistungsgeschehen führt zwangsläufig auch zu einem Rückgang des Mehrumsatzes.

Für Florian Reuther, den PKV-Verbandsdirektor, verdeutlichen die Mehrumsätze durch Privatversicherte einmal mehr den enormen Stellenwert der PKV: „Fast 12 Milliarden Euro mehr im Gesundheitssystem und über 55.000 Euro mehr pro Praxis: Der Finanzierungsbeitrag der Privatversicherten kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Das macht PKV-Versicherte unverzichtbar für Versorgungsqualität in Deutschland.“

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