Interview 06. Oktober 2026

Die Leistungsausgaben sind in der PKV im Jahr 2025 erneut spürbar angestiegen – ebenso wie die der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Holger Eich, Geschäftsführer und Chef-Mathematiker im PKV-Verband, ordnet die Entwicklung ein.

Holger Eich, Geschäftsführer und Chef-Mathematiker im PKV-Verband

Herr Eich, die Leistungsausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung steigen seit Jahren rasant. Allein von 2024 auf 2025 sind sie um 7,7 Prozent gewachsen. Wie sieht es in der PKV aus?

Wir beobachten dieselbe Dynamik. Die Leistungsausgaben in der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung lagen 2025 bei 42,1 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 7,2 Prozent. Damit liegen wir sehr nahe an der Entwicklung in der GKV. Insbesondere die Aufwendungen für die stationäre Versorgung haben stark zugelegt. So stiegen die Ausgaben für allgemeine Krankenhausleistungen im Jahr 2025 um 7,45 Prozent. Hier spüren wir dieselben Effekte wie die GKV, denn die Vergütung der allgemeinen Krankenhausleistungen ist ja für privat und gesetzlich Versicherte identisch. Auch für Arzneimittel haben die privaten Krankenversicherer im letzten Jahr annähernd 8 Prozent mehr aufwenden müssen – und dieser Trend setzt sich 2026 kaum vermindert fort.

Was ist der Grund für den Anstieg?

Da kommen verschiedene Dinge zusammen. Ein Faktor ist der medizinische Fortschritt, der die Versorgung unserer Versicherten kontinuierlich verbessert, aber eben mit höheren Kosten verbunden ist. Hinzu kommen weitere Faktoren, wie zum Beispiel steigende Personalkosten

Welche Auswirkungen hat das auf die Beiträge der Privatversicherten?

Die massiv steigenden Ausgaben haben natürlich Folgen. Leistungssteigerungen aufgrund des Älterwerdens der Versicherten sind zwar durch die gebildeten Rückstellungen abgedeckt. Die übrigen Steigerungen machen jedoch eine Beitragsüberprüfung notwendig. Erste Signale aus der Branche deuten darauf hin, dass es deswegen zu Beginn des Jahres 2027 Beitragserhöhungen geben wird. Davon wird ein Großteil der Privatversicherten betroffen sein. Genaueres lässt sich derzeit noch nicht sagen. Die Unternehmen stimmen sich dazu gerade noch mit den jeweiligen Treuhändern ab.

Bei den gesetzlich Versicherten soll die GKV-Reform steigende Beiträge vermeiden…

Das ist so nicht ganz korrekt. Verhindert werden soll durch die beschlossenen Maßnahmen ein Anstieg des Beitragssatzes bzw. des Zusatzbeitrags. Doch selbst wenn dieser stabil bleiben sollte, wird es für viele gesetzlich Versicherte deutlich teurer. Denn die Reform sieht eine außerordentliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze vor. Für die Betroffenen dürfte das einen Beitrag von deutlich über 1.300 Euro im Monat für ihre Kranken- und Pflegeversicherung bedeuten. Und auch, ob die Zusatzbeiträge im nächsten Jahr stabil bleiben können, wird von Gesundheitsökonomen noch angezweifelt. 

Gleichzeitig ist es möglich, dass für viele Privatversicherte der notwendige Beitragsanstieg noch begrenzt werden kann. Denn die Versicherungsunternehmen können eventuell bestehende Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen dafür einsetzen.

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