Interview 25. März 2026

Das französische Start-up Gleamer gehört zu den Erfolgsgeschichten des PKV-Start-up-Fonds Heal Capital. Nun wurde es vom US-Konzern RadNet übernommen. Im Interview erklärt der Investor Christian Lautner von Heal Capital, warum das Team an das Unternehmen glaubte – und was den Unterschied ausmachte.

Christian Lautner von Heal Capital

Herr Lautner, Sie haben früh an Gleamer geglaubt und das Heal-Capital-Investment vorangetrieben. Was hat Sie überzeugt?

Überzeugt hat uns vor allem, dass Radiologinnen und Radiologen die Technologie von Gleamer tatsächlich nutzen. Vergleichbar mit dem Navigationssystem im Auto, das zu Beginn ein „nice to have“ war und mittlerweile zum Standard gehört: In Gleamer haben wir genau dieses Potenzial gesehen – eine echte Unterstützung im Arbeitsalltag.

Wie haben Sie dieses Potenzial überprüft?

Qualitativ durch Gespräche mit Radiologinnen und Radiologen, quantitativ durch die Unternehmenskennzahlen. Beides zeigte: Das funktioniert wirklich.

War die Technologie entscheidend?

Nicht allein. Die Unternehmenskultur war genauso wichtig. In jedem Gespräch stand die gleiche Frage im Mittelpunkt: Wie schafft man echten Mehrwert für Radiologinnen und Radiologen im Alltag? Diese Kundenorientierung, gepaart mit sichtbarer Traktion, hat uns überzeugt – auch in der schwierigen Marktphase 2023.

Warum war Gleamer kein offensichtlicher Deal?

Tatsächlich waren viele skeptisch. Das Unternehmen hatte lange Zyklen sowie hohe Forschungs- und Entwicklungskosten. Gleamer brauchte also viel Kapital, um zu überleben. Wir sind daher tief reingegangen und haben nicht nur die Umsätze, sondern vor allem Nutzung, Pipeline und Team analysiert. Dabei wurde klar: Da steckt deutlich mehr Substanz drin, als man von außen sieht.

Was nehmen Sie aus der Gleamer-Erfolgsgeschichte für künftige Investments mit?

Der wichtigste Punkt: konsequenter Fokus auf den Kunden und langfristiges Denken. Gleamer hat sich nie in Technologie verloren, sondern immer gefragt: Hilft das wirklich im Alltag? Diese Klarheit hat den Unterschied gemacht.

Wie hat sich Gleamer seit Ihrem Investment entwickelt?

Das Unternehmen ist heute in über 50 Ländern aktiv, wird in mehr als 3.500 Praxen und Kliniken eingesetzt und analysiert jährlich über 60 Millionen Bilddaten. Parallel hat Gleamer seine Strategie konsequent umgesetzt und sein Produktportfolio erweitert – eine beeindruckende Skalierung in kurzer Zeit.

Hat sich die Unternehmenskultur bei diesem Wachstum verändert?

Trotz des Wachstums blieb der ursprüngliche Fokus auf den Nutzen für Radiologinnen und Radiologen erhalten. Diese Kombination aus Wachstum, Umsetzungskraft und kultureller Kontinuität macht die Entwicklung so bemerkenswert.

Was bedeutet die Übernahme durch RadNet/DeepHealth für die Zukunft?

Die Übernahme ermöglicht es, die Gleamer-Technologie deutlich breiter in den klinischen Alltag zu bringen. Durch die Kombination der Lösungen entsteht perspektivisch ein integriertes Angebot: Radiologinnen und Radiologen greifen für verschiedene Indikationen auf eine einheitliche Plattform zu – statt mehrere Einzellösungen mit unterschiedlichen Verträgen und technischen Integrationen zu kombinieren.

Wie würden Sie Ihren Investmentansatz zusammenfassen?

Unser Ansatz ist einfach: Wir investieren in Teams, die das Gesundheitssystem wirklich verbessern – und wenn das aufgeht, entstehen daraus auch attraktive Returns.

Was braucht es für solche Investments?

Geduld und Vertrauen. Wir schätzen die langfristige Perspektive der PKV-Investoren, auch im neuen Fonds Heal Capital 2.

Gleamer: „KI-Copilot“ für schnelle, präzise Diagnosen

Gleamer ist seit 2020 mit seinen Produkten am Markt – und bereits jetzt führend in der Entwicklung von Softwarelösungen mittels Künstlicher Intelligenz im Bereich der medizinischen Bildgebung. Das französische Unternehmen ist in über 40 Ländern und mehr als 2.000 Einrichtungen präsent. Über 30 Millionen Untersuchungen werden jedes Jahr mit den KI-Lösungen durchgeführt. Nun wurde es vom US-Konzern RadNet übernommen. Mehr dazu