Interview 01. Juli 2026

Die Geburtenrate ist auf den niedrigsten Wert seit gut 30 Jahren gefallen. Grund genug für Quentin Gärtner, eine Lobby für junge Menschen zu formen. Der Mitbegründer der Initiative für mehr Generationengerechtigkeit erklärt, warum gerade die Sozialversicherungen dabei eine wichtige Rolle spielen.

Mit am Tisch sitzen, statt sich über den selbigen ziehen zu lassen: Quentin Gärtner (Foto: Superbass)

Quentin, was hat Sie bewogen, die “Initiative Generationengerechtigkeit in der Politik” ins Leben zu rufen?

Die Bundesregierung missachtet konsequent die Interessen junger Menschen. Insbesondere das Rentenpaket von 2025 hat gezeigt, dass der Generationenvertrag in Berlin kaum mehr eine Rolle spielt. Jahrzehnte hat sich die Politik nicht auf den demografischen Wandel vorbereiten wollen und jetzt, da das Problem vor der Tür steht, sollen die Kosten ausschließlich die Jungen tragen? Das finden wir nicht fair. Deswegen wollten wir als Vertreter von unterschiedlichen Parteien ein Zeichen für Generationengerechtigkeit setzen. Wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen! Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Deutschland auch noch für die Enkelgeneration funktioniert.

Ihnen geht es um Teilhabe. Warum reicht es nicht, junge Menschen in der Politik einfach „mitzudenken"?

Wenn wir nicht mit am Tisch sitzen, dann stehen andere Interessen im Vordergrund. Natürlich können Politiker in Sonntagsreden dann immer noch über die Jugend sprechen. Wer sie aber nicht anhören möchte, der nimmt sie auch nicht ernst. Erst wenn wir mitdiskutieren, spielen wir auch eine Rolle. Junge Menschen bringen andere Perspektiven mit, andere Bedürfnisse und andere Ideen. Wenn man nachhaltige politische Lösungen sucht, ist es nicht sinnvoll, eine gesellschaftliche Gruppe weitgehend auszuschließen.

Viele Zukunftsfragen- auch in Gesundheit und Pflege- werden heute entschieden und morgen von jüngeren Generationen getragen. Wo spüren Sie das am stärksten?

Die Sozialversicherungen sind nicht auf die Zukunft ausgerichtet. Überall klaffen finanzielle Lücken, die junge Menschen schließen müssen. Die Wirtschaftsweisen haben in ihrem Frühjahrsgutachten vorgerechnet, dass ohne Reformen ab 2040 etwa die Hälfte des Lohns in Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung abfließen würden. Wenn wir also jetzt nicht die Kurve kriegen und die Finanzierung nicht nachhaltiger aufstellen, dann werden junge Menschen einen riesigen Abgabenberg zu schultern haben. Keiner derjenigen, die jetzt schon in Rente sind oder bald sein werden, musste so hohe Einzahlungen leisten.

Wann ist Politik wirklich generationengerecht?

Eine generationengerechte Politik ist eine Politik, die alle einbezieht, ehrlich kommuniziert und nachhaltige Entscheidungen trifft. Nur was über mehr als eine Legislaturperiode Bestand hat, soll auch den Bundestag passieren können. Teure Wahlgeschenke oder untaugliche Reformen würden damit der Vergangenheit angehören. Wir brauchen einen Mechanismus, der dafür sorgt, dass jedes Gesetz auf seine Auswirkungen für kommende Generationen geprüft wird. Wir haben das Recht, dass Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden und nicht zur Verwaltung der Gegenwart.