Meldung 19. Februar 2026

Der Jahreswirtschaftsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums adressiert die im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenlast. Wie stark die Lohnzusatzkosten die Unternehmen hierzulande tatsächlich belasten, zeigen gleich mehrere Umfragen.

„Die Gesamtbelastung aus Steuern und Sozialabgaben auf den Faktor Arbeit in Deutschland liegt weit über dem Durchschnitt der OECD,“ heißt es im Jahreswirtschaftsbericht 2026, den Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am 28. Januar vorgestellt hat. Das wirke sich negativ auf Arbeitsanreize aus, mache eine Beschäftigungsaufnahme in Deutschland weniger attraktiv und betreffe die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Die Diagnose des Ministeriums bestätigt mehrere aktuelle Umfragen: Laut Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) rechnet ein Viertel der befragten Unternehmen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Die größten Geschäftsrisiken sehen die Unternehmen in der Entwicklung der Arbeitskosten und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Ähnliches geht aus einer Umfrage des Verbands Die Familienunternehmer hervor; die steigenden Sozialabgaben bereiten rund 87 Prozent der Betriebe in Deutschland „große Sorgen“. Damit löst dieses Problem die hohe Bürokratielast durch Berichtspflichten ab, die im Vorjahr an erster Stelle genannt wurde.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage aus dem „Jahresmonitor“ der Stiftung Familienunternehmen. Demnach beklagen die Betriebe in Deutschland die hohe finanzielle Belastung ihrer Beschäftigten durch Steuern und Abgaben. Keine andere steuerliche Belastung empfinden die befragten Arbeitgeber als höher. Dabei gehe es den Unternehmen nicht nur um die reinen Kosten, sondern auch um das Arbeitsangebot und die Leistungsanreize, schreiben die Autoren. Mit anderen Worten: Die Motivation für Mehrarbeit sinkt, wenn ein großer Anteil des Bruttolohns in Form von Steuern und Abgaben wieder einbehalten wird.

Und die Entwicklung der Abgabenlast geht noch weiter: Laut Daten des IGES-Instituts von Januar 2026 droht der Gesamtbeitragssatz in den Sozialversicherungen bis zum Jahr 2035 auf 50 Prozent zu steigen. "Die Unternehmen befürchten weitere Sozialbeiträge insbesondere in der Renten- und Krankenversicherung und damit steigende Lohnnebenkosten", heißt es auch in einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IW). "Als Investitionsbremse erweist sich die fehlende Reformbereitschaft der Bundesregierung zur Stabilisierung der Sozialversicherungen. Laut der IW-Daten belegt Deutschland beim Standortfaktor "Kosten" den 44 Platz von insgesamt 45 Ländern.

Ein zentraler Treiber steigender Abgaben sind die hohen Beiträge der Sozialversicherungssysteme. Und die drohen angesichts unserer alternden Gesellschaft zukünftig sogar noch weiter anzusteigen.

Das Problem: Die Umlagefinanzierung der Sozialversicherungssysteme funktioniert so lange, wie die Relation von Menschen im erwerbsfähigen Alter – die diese Systeme mit ihren Beiträgen überwiegend finanzieren – und der Menschen im Rentenalter einigermaßen stabil bleibt. Doch dieses Verhältnis gerät aus dem Lot.

Zahl der Hochaltrigen steigt

Die demografische Entwicklung bringt noch eine zusätzliche Herausforderung mit sich: Die Zahl der hochaltrigen Menschen, also derjenigen über 80 Jahre, wird von 6,1 Millionen im Jahr 2024 auf etwa 8,5 bis 9,8 Millionen im Jahr 2050 steigen. Da Pflegebedürftigkeit insbesondere im hohen Alter auftritt – im Jahr 2023 war die Hälfte der über 80-Jährigen in Deutschland pflegebedürftig –, werden die Ausgaben für die Pflegeversicherung deutlich anziehen.

Die Daten zeigen, wie dringend notwendig grundlegenden Reformen in den sozialen Sicherungssysteme sind. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre es, die Eigenverantwortung zur stärken und mehr Elemente der Kapitaldeckung einzuführen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat für den Bereich der Pflegeversicherung konkrete Vorschläge gemacht, wie eine zukunftsfeste Lösung aussehen kann, ohne dass die Lohnzusatzkosten weiter steigen müssen.

Immerhin: Das Wirtschaftsministerium hat die Dringlichkeit des Problems erkannt: "Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und seine Attraktivität für (potenzielle) Arbeitskräfte im In- und Ausland auch für die Zukunft zu stärken, setzt die Bundesregierung neben der Hebung von Effizienzpotenzialen in der Sozialversicherung auf eine wachstumsfreundliche und sozial ausgewogene Steuer- und Abgabenstruktur. Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, die Finanzierung der Sozialversicherung nachhaltig zu gestalten, die Beiträge zu stabilisieren und damit höhere Belastungen von Arbeitnehmern sowie Arbeitgebern zu begrenzen", heißt es im Jahreswirtschaftsbericht.

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