Heal Capital auf dem Hauptstadtkongress: Warum Deutschland mehr "Chancenkapital" braucht
Meldung25. Juni 2026
Wie kommt medizinischer Fortschritt schneller bei Patientinnen und Patienten an – und was braucht es, damit Innovationen in Deutschland wachsen können? Darüber diskutierten Vertreter von Heal Capital, dem Bundesgesundheitsministerium, der Start-up-Szene und zwei Gründer beim Hauptstadtkongress.
Innovationen trifft Institutionen: Das PKV-Panel beim Hauptstadtkongress lieferte anregende Antworten (Fotos: Ulf Büschleb)
Im Mittelpunkt der Diskussion stand eine Frage, die weit über einzelne Technologien hinausgeht: Wie weit wollen wir als Gesellschaft ins Risiko gehen, um Innovationen zu ermöglichen? Denn gerade für ein innovatives Gesundheitswesen spielt Wagniskapital eine immer wichtigere Rolle. Bremsen die Rahmenbedingungen in Deutschland Gründungen und Wachstum aus?
„Die Welt ist heutzutage geprägt durch Venture Capital. Und das müssen wir einfach akzeptieren“, sagte Eckhardt Weber, Managing Partner von Heal Capital. Weber betonte, wie stark Gesundheitsinnovation heute von privatem Kapital abhänge. "Deutschland muss dabei schneller werden." Denn Wagniskapital sei nicht nur ein Finanzierungsinstrument, sondern ein Hebel für Wachstum, Versorgung und auch für Rendite.
Heal Capital und der Folgefonds Heal Capital 2 investieren in digitale Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Gesundheitswesen und digitaler Technologie. Seit 2020 geht die PKV damit neue Wege. Heal Capital 2 hat zuletzt drei neu Beteiligungen bekannt gegeben: Hypervision Surgical, Ditto und Tokura - drei Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung, die direkt in der medizinischen Versorgung ansetzen.
Investments, die Vertrauen schaffen
Wie wichtig diese Starthilfe für junge Unternehmen ist, betonte Sarah Shamlou von Formel Skin. Aus ihrer Sicht ist es neben dem Kapital vor allem die Glaubwürdigkeit und der Marktzugang der institutionellen Partner aus dem Gesundheitswesen, von denen Start-ups profitierten: „Das Signal, Heal Capital investiert in uns, hat Vertrauen geschaffen. Das beschleunigt den Zugang zu relevanten Stakeholdern deutlich." In das Dermatologie-Start-up aus Berlin hat Heal Capital bereits im Jahr 2023 investiert.
Dr. Jonas Marcello vom BMG (l.) und Christoph J. Stresing (r.)
Eine globale Perspektive auf die Bedeutung von Wagniskapital steuerte Christoph J. Stresing bei. Der Geschäftsführer des Startup-Verbands machte deutlich, dass Deutschland hier vor allem „Wachstumsperspektiven“ schaffen müsse. Schließlich mangle es nicht an guten Ideen und gutem Willen. Dass Innovationen wichtig sind, sei ein "No-Brainer". Was aber tatsächlich zähle: “Startups brauchen bei uns vor allem klare Wachstumsperspektiven”, sagte Stresing, bloß „stehen wir uns mit hausgemachter Regulierung zu oft selbst im Weg”. Gerade junge Unternehmen dürften nicht überproportional mit Bürokratie und Regulatorik belastet werden, während große Player die Ressourcen für Compliance leichter aufbringen könnten.
Für eine innovationsfreundliche Regulierung brauche es einen Wandel des Mindsets, schloss sich Jonas Marcello vom Bundesgesundheitsministerium an. Vor allem kleinere Unternehmen stünden hier im Fokus. Ziel sei es, Regeln besser zu harmonisieren und Rechtsunsicherheiten abzubauen. Gesetze nicht mehr zu machen, um Sachen zu verbieten, betone Marcello, sei der wesentliche Ansatz für Start-ups. Vielmehr sollte der Gesetzgeber ermöglichende Rahmenbedingungen schaffen. Als Beispiel nannte er Unterstützungsangebote rund um KI-Anwendungen und Konformitätsanforderungen.
Gründer Dr. Karten Miermans von hema.to
Eine Frage des Geldes - und der Geduld
Auch Gründer Karsten Miermans von hema.to pflichtete dem bei. Miermans verwies auf die besondere Komplexität im medizinischen Bereich. Bevor Innovationen in den Alltag einziehen, sei neben Geld zunächst auch Geduld gefragt. „Wenn wir mit einer Innovation kommen, die eigentlich helfen soll, kostet das erstmal eine Menge Zeit“, sagte Miermans. In dem sensiblen Gesundheitsbereich beträfe das vor allem die Anforderungen an die Sicherheit. Das Münchner Start-up hema.to entwickelt Technologien zur effizienteren Analyse von Blutdaten. Ebenfalls seit 2023 ist Heal Capital an Hema.to beteiligt.
Die Einigkeit auf dem Panel: Deutschland braucht mehr „Chancenkapital“, mehr Kapitalmarkt-Orientierung und Regeln, die Start-ups beim Skalieren unterstützen – damit aus Innovation künftig auch Versorgung werden kann.
Verband
Heal Capital: der Wagniskapitalfonds für digitale Gesundheitsinnovationen
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