Was bedeutet die Reform-Politik der Bundesregierung für junge Menschen? Wir haben mit jemandem gesprochen, der es wissen muss: Lukas Bohn ist Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in Bayern und Mitbegründer der Initiative Generationengerechtigkeit. Er fordert nachhaltige Lösungen.
Herr Bohn, Sie haben die Initiative für Generationengerechtigkeit mitgegründet. In welchen Momenten im Alltag merken Sie, dass das Thema Sie persönlich betrifft?
Ich merke das ehrlich gesagt fast jeden Tag. Ich gehöre zu einer Generation, die die letzten Jahre, insbesondere während der Corona-Pandemie über Jahre zurückstecken musste: im Studium, beim Berufseinstieg und sozial. Gleichzeitig werden wir heute mit immer höheren Schulden und Sozialabgaben konfrontiert, obwohl viele der politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre über unsere Köpfe hinweg und zu unseren Lasten getroffen wurden.
Hinzu kommt, dass viele junge Menschen nach Ausbildung oder Studium in einen schwierigen Arbeitsmarkt starten. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, Unternehmen halten sich mit Neueinstellungen zurück und Leistung wird immer stärker belastet. Das ist auch das Ergebnis wirtschaftspolitischer Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre.
Generationengerechtigkeit ist deshalb für mich kein abstraktes Konzept. Es geht um die Frage, ob junge Menschen künftig noch die Chance haben, sich etwas aufzubauen, oder ob sie vor allem die Rechnungen vergangener Politik bezahlen müssen.
Der Bundestag hat Mitte Juli die GKV-Reform und mit ihr eine höhere Beitragsbemessungsgrenze beschlossen. Wie beurteilen Sie diese Maßnahmen?
Diese „Reform“ wird ihrem Namen nicht gerecht. Sie zeigt vor allem einen politischen Reflex: Wenn die Finanzierung der Sozialversicherungen unter Druck gerät, werden zunächst Beiträge erhöht, statt die strukturellen Ursachen anzugehen. Damit verschiebt man die Probleme lediglich in die Zukunft und belastet diejenigen zusätzlich, die arbeiten und das System finanzieren.
Als Liberaler halte ich diesen Weg für falsch. Wir müssen endlich stärker auf die Ausgabenseite schauen. Versicherungsfremde Leistungen gehören aus Steuermitteln finanziert, der Leistungskatalog sollte sich konsequent an wissenschaftlicher Evidenz orientieren und wir brauchen mehr Verbindlichkeit im System, damit Ressourcen effizient eingesetzt werden.
Wer dauerhaft nur die Einnahmen erhöht, ohne die Strukturen zu reformieren, macht unser Sozialversicherungssystem weder gerechter noch nachhaltiger.
Gemeinsam mit anderen jungen Menschen setzen Sie sich dafür ein, dass notwendige Belastungen fair verteilt werden. Was dürfen jüngere Generationen dabei erwarten?
Junge Menschen dürfen erwarten, dass ihre Interessen endlich genauso ernst genommen werden wie die der heutigen Leistungsempfänger. Generationengerechtigkeit bedeutet nicht, notwendige Reformen zu verweigern, sondern die Lasten des demografischen Wandels fair auf alle Generationen zu verteilen.
Wir fordern deshalb vor allem eine langfristige Perspektive. Die Finanzierung der Sozialversicherungen darf nicht dauerhaft über immer höhere Beiträge oder steigende Bundeszuschüsse erfolgen, denn das schränkt die Handlungsspielräume künftiger Generationen immer weiter ein.
Als Landesvorsitzender der Jungen Liberalen sehe ich darüber hinaus die Notwendigkeit, Eigenverantwortung und kapitalgedeckte Vorsorge deutlich zu stärken. Wer heute jung ist, sollte die Möglichkeit bekommen, selbst Vermögen für Gesundheits- und Altersvorsorge aufzubauen, anstatt sich ausschließlich auf umlagefinanzierte Systeme verlassen zu müssen.
Was erwarten Sie von politischen Entscheidungsträgern, damit die Sozialsysteme auch in 30 Jahren noch tragen?
Ich erwarte vor allem Ehrlichkeit. Der demografische Wandel lässt sich nicht mit immer neuen Zuschüssen oder Beitragserhöhungen lösen. Wer Verantwortung übernimmt, muss die strukturellen Probleme offen benennen und Reformen beschließen, die auch langfristig tragfähig sind.
Das bedeutet aus unserer Sicht, die Sozialversicherungen generationengerecht weiterzuentwickeln und Belastungen fair zu verteilen. Persönlich wünsche ich mir darüber hinaus mehr Mut zu grundlegenden Reformen: mehr Wettbewerb, mehr Wahlfreiheit und eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge. Der Staat sollte einen verlässlichen Rahmen setzen, aber nicht jede Herausforderung mit höheren Abgaben beantworten.
Die entscheidende Frage sollte bei jeder Reform lauten: Funktioniert dieses System auch noch für die Menschen, die heute 20 oder 30 Jahre alt sind? Wenn die Antwort darauf Nein lautet, ist die Reform nicht nachhaltig.