Beim Ärztinnen- und Ärztegipfel Südwest diskutierten Politik, Ärzteschaft und weitere Akteure des Gesundheitswesens über die Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie das Gesundheitswesen angesichts des demografischen Wandels, steigender Kosten und eines wachsenden Fachkräftemangels zukunftsfest aufgestellt werden kann. Veranstaltet wurde das Panelgespräch vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), den Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS), der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) sowie dem Bundesverband der Freien Berufe (BFB).
Für den FDP-Bundesvorsitzenden ist der demografische Wandel die größte sozialpolitische Herausforderung. Dem müsse man mit mehr Eigenverantwortung und einem Ausbau der kapitalgedeckten Finanzierung à la PKV begegnen, so Christian Dürr auf einer Veranstaltung in Stuttgart.
Alterung ist größte Herausforderung für das Gesundheitswesen
In seinem Beitrag machte der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr deutlich, dass der demografische Wandel die zentrale Herausforderung für die sozialen Sicherungssysteme darstellt. „Der demografische Wandel ist wahrscheinlich wirtschaftspolitisch und sozialpolitisch die größte Herausforderung, die wir in Deutschland haben“, sagte Dürr. Bereits bis 2030 würden zwischen vier und sechs Millionen Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden. „Diese Menschen sind dann nicht mehr Beitragszahler, sondern Leistungsempfänger – und gleichzeitig steigen mit dem Alter die Gesundheitskosten“, so Dürr.
Kapitaldeckung und Einwanderung als zentrale Lösungsansätze
Vor diesem Hintergrund warnte der FDP-Chef vor kurzfristigen oder rein beitragsbezogenen Lösungsansätzen. „Wir werden es ohne strukturelle Änderungen in den sozialen Sicherungssystemen nicht hinbekommen“, betonte Dürr. Debatten, die lediglich eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze fordern, griffen zu kurz: „Die Zitrone ist ausgequetscht. Wir brauchen echte Strukturreformen.“
Als zentrale Bausteine für eine nachhaltige Finanzierung nannte er eine stärkere Kapitaldeckung sowie eine gezielte Einwanderung in den Arbeitsmarkt. „Ohne strukturierte Einwanderung wird es nicht gehen. Und wir werden die sozialen Sicherungssysteme – insbesondere die Renten- und die Krankenversicherung – mit Kapitalstöcken untermauern müssen“, erklärte er.
Duales Krankenversicherungssystem als Stabilitätsanker
Zugleich unterstrich er die Bedeutung des dualen Krankenversicherungssystems: „Ohne den Dualismus aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung werden wir das System in Zukunft nicht stabil halten können.“
Auch die Belastung der jüngeren Generation nahm Dürr in den Blick. Mit Blick auf steigende Lohnnebenkosten sagte er: „Ich kann jeden jungen Menschen verstehen, der fragt: Lohnt sich Leistung eigentlich, wenn die Hälfte weg ist?“ Steigende Abgaben seien nicht nur eine sozialpolitische, sondern auch eine wirtschaftspolitische Frage. Dürr weiter: „Wenn wir über steigende Lohnnebenkosten reden, dann reden wir immer auch über den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Der Ärztinnen- und Ärztegipfel Südwest machte deutlich, dass eine verlässliche ärztliche Versorgung in den Regionen, eine generationengerechte Finanzierung und eine moderne medizinische Infrastruktur entscheidende Faktoren für attraktive Standorte sind. Die Diskussion zeigte zugleich, dass die Weichen für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen jetzt gestellt werden müssen.