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Kerry Hoppe ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und Leutnant der Reserve bei der Bundeswehr. Im Gespräch mit uns erläutert sie, warum sie sich für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen einsetzt und wie diese erreicht werden kann.

Kerry Hoppe, Beisitzerin im Bundesvorstand der FDP

Frau Hoppe, in welchen Momenten merken Sie am deutlichsten, dass die Lastenverteilung zwischen den Generationen Sie persönlich betrifft?

Immer dann, wenn ich meine Gehaltsabrechnung vor mir liegen habe und daran denke, welche Verantwortung gleichzeitig mit meinem Diensteid als Reservistin einhergeht. Ich verpflichte mich, für dieses Land einzustehen – aktuell mit einem hohen zeitlichen Einsatz neben meinem Berufsleben, im Ernstfall mit meiner Gesundheit und meinem Leben. 

So wie viele andere junge Menschen, die in vielfältiger Form Verantwortung für dieses Land tragen und einen hohen persönlichen Einsatz zeigen, sehe ich auf meinem Lohnzettel Abgaben, die weiter steigen werden, für ein System, das mir keine verlässliche Zusage machen kann, was am Ende für mich übrigbleibt. Wer heute jung ist, zahlt mehr ein und bekommt weniger Sicherheit zugesprochen als jede Generation zuvor. Das ist der Moment, in dem aus einer abstrakten Debatte eine sehr konkrete Rechnung auf Kosten meiner Generation wird.

Woran liegt es, dass langfristige Folgen in der Politik so wenig Gewicht haben?

Politik denkt in Legislaturperioden, nicht in Generationen – und sie folgt den Mehrheiten, die heute wählen. Junge Menschen sind demografisch in der Minderheit, obwohl sie von den Konsequenzen politischen Handelns am längsten betroffen sind. Und auch das geltende Wahlrecht verkennt die Tatsache, dass viele weit vor ihrem 18. Lebensjahr damit beginnen, Verantwortung zu übernehmen und unser Gemeinwesen mit Steuern und Abgaben mitfinanzieren. Das verschiebt Anreize: Wer wiedergewählt werden will, bedient die Interessen der Mehrheit von heute, nicht die langfristige Tragfähigkeit des Sozialstaats, des Gesundheitswesens und des Haushalts. 

Was dürfen junge Menschen im Gegenzug für ihr Engagement erwarten?

Kein Trostpflaster, sondern echte Teilhabe. Das heißt konkret: Ein Wahlrecht ab 16, damit sich die politischen Interessen junger Menschen auch in der Wahlurne und damit in den parlamentarischen Mehrheiten wiederfinden. Es heißt aber auch, dass die Politik das Vertrauen der jungen Generation zurückgewinnen muss, dass Entscheidungen auch im Sinne ihrer Zukunft getroffen werden. Gerade jetzt in der laufenden Debatte um die Rentenreform könnte die Große Koalition unter Beweis stellen, dass sie mit Blick auf die Generationengerechtigkeit zu ernsthafter – mitunter auch schmerzhafter – Systemveränderung bereit ist.

Welche Entscheidung müsste die Politik noch in dieser Wahlperiode treffen?

Neben einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die private Vorsorge braucht es mehr kapitalgedeckte Elemente in der Gesetzlichen Rentenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung. Wer ein ernstzunehmendes Element der Kapitaldeckung in beiden Versicherungssystemen jetzt verschleppt, hat das Ausmaß der demografischen Herausforderung in Deutschland nicht verstanden.