Meldung 30. Juni 2026

Nun tritt ein, was schon lange absehbar war. Die Babyboomer gehen in Rente, die sozialen Sicherungssysteme sind am Limit und junge Menschen müssen mehr Beiträge stemmen als jede Generation zuvor. Und siehe da: Genau in diesen Tagen will die Koalition die nächsten Mehrbelastungen beschließen.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Wer sich die Daten des Statistischen Bundesamtes zur Alterszusammensetzung der Bevölkerung in einer Grafik anschaut, erkennt das Problem. Vor 60 Jahren gab es in Deutschland noch relativ viele Menschen im erwerbsfähigen Alter im Verhältnis zu Rentnerinnen und Rentnern. Die arbeitenden Bevölkerungsschichten konnten so die Kosten für Rente und Gesundheit der Älteren tragen, ohne zu hohe Beiträge zu zahlen. Zugleich kamen in dieser Zeit die geburtenstarken Babyboomer zur Welt, die wiederum in den folgenden Jahrzehnten die Kosten der vor ihnen Geborenen übernehmen konnten. Das Umlageverfahren der sozialen Sicherungssysteme funktionierte.

Heute zeigt sich ein gänzlich anderes Bild: Die Babyboomer selbst gehen in Rente. Dadurch sinkt ihr Einkommen, wodurch sie weniger Beiträge zahlen, gleichzeitig aber Anspruch auf Rentenzahlungen haben, und statistisch gesehen höhere Gesundheitskosten verursachen. Zugleich schrumpft die Basis der Erwerbstätigen. Müssten sie alleine das System stabil halten, drohten ihnen drastisch steigende Beiträge. Der Wirtschaftsweise Martin Werding hat gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) berechnet: Wer im Jahr 2020 geboren ist, wird durchschnittlich 55,6 Prozent seines Erwerbseinkommens an Sozialabgaben zahlen müssen. Zum Vergleich: Bei Personen, die im Jahr 1960 zur Welt gekommen sind, sind es noch 39,4 Prozent. 

Beschließt die Koalition höhere Belastungen für die Jungen?

Die Mehrbelastung der jungen Generation ist dabei längst keine theoretische Berechnung mehr, sondern wird in diesen Tagen konkret. Ende Juni hat die Koalition das Rentenpaket beschlossen, das höhere Beiträge mit sich bringt. Die Entwürfe für eine Reform der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sehen zudem eine außerordentliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze vor. Sie legt fest, bis zu welchem Einkommen Beiträge für die Sozialversicherung gezahlt werden müssen. Steigt sie, wird es für Erwerbstätige mit entsprechendem Einkommen teuer. Betroffen ist meist gut ausgebildetes und hochqualifiziertes Fachpersonal, also das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Wie teuer es für die Betroffenen werden kann, wenn die Regierung ihre Pläne für Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung umsetzt, hat der Deutsche Führungskräfteverband ULA anhand einiger Beispiele berechnet. So würde etwa eine Biologin, beschäftigt in der chemischen Industrie, mit 84.300 Euro Einkommen ab 2027 eine jährliche Mehrbelastung von 1.968 Euro  im Vergleich zu heute zahlen müssen. Im Folgejahr wären es bereits 4.476 Euro mehr und im Jahr 2031 sogar 9.276 Euro. Davon müsste jeweils die Hälfte der Arbeitgeber bezahlen, die andere Hälfte wird der Arbeitnehmerin direkt vom Jahres-Netto abgezogen. Würde sich die SPD mit einer noch höheren BBG-Forderung oberhalb der Regierungspläne durchsetzen, lägen die Zahlen noch höher.

Rentnerinnen und Rentner hingegen sind von Beitragssteigerungen zumindest in der Kranken- und Pflegeversicherung so gut wie gar nicht betroffen, weil viele nach der Erwerbstätigkeit ein geringeres Einkommen haben und eine Erhöhung der BBG auf sie keine Auswirkungen hat.

Die langjährigen Prognosen der Wissenschaft erfüllen sich damit genau JETZT. Dabei hat es die Politik in der Hand, das Blatt zu wenden. In einem ersten Schritt sollte auf jede Ausweitung des Umlageverfahrens verzichtet und die Ausgaben strikt an die Einnahmen gekoppelt werden. Zudem muss sie das demografieanfällige Umlageverfahren durch mehr Elemente der Kapitaldeckung ergänzen und die Eigenvorsorge stärken. So kann jede Generation besser für ihre eigenen Kosten vorsorgen, ohne jüngere Menschen zu überfordern.