Meldung 09. März 2026

Immer mehr Menschen aus der Generation der Babyboomer gehen in Rente. Das ist zwar nicht neu. Doch nun schlägt sich die Entwicklung spürbar in der offiziellen Arbeitsmarkt-Statistik nieder – die Entwicklung hat gravierende Auswirkungen für die Sozialsysteme.

Die ersten Menschen aus der Babyboomer-Generation (Jahrgang 1955 bis 1969) genießen ihren wohlverdienten Ruhestand schon seit einigen Jahren. In der Arbeitsmarkt-Statistik machte sich das bisher allerdings nicht nachteilig bemerkbar: In den vergangenen 20 Jahren stieg - mit Ausnahme der Corona-Jahre - sowohl die Zahl der Erwerbstätigen als auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Ein Grund dafür war auch, dass die steigende Zahl von ausländischen Beschäftigten – vor allem aus der Ukraine – die Zahl der in Rente gehenden Personen kompensieren konnte. Das ist nun vorbei: Die neueste Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigte Anfang März, dass im Dezember 2025 34,98 Millionen Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen – 40.000 Personen weniger als ein Jahr zu vor. Andrea Nahles, Chefin der Arbeitsagentur, bringt es auf den Punkt: „Das liegt ganz simpel daran, dass die Babyboomer jetzt wirklich in Rente gehen“.

Überraschen sollte diese Entwicklung genauso wenig, wie die schwerwiegenden Folgen, die daraus für die umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme entstehen. Bis 2038 wird der Anteil der Menschen ab 67 Jahren auf etwa 25–27 Prozent der Bevölkerung steigen – das sind rund 3,8 – 4,5 Millionen Senioren mehr als heute. Bereits im Jahr 2025 kommen auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter etwa 33 Rentnerinnen und Rentner: Der Altenquotient steigt, der Druck auf die Umlage-Finanzierungen wächst.

Probleme des demografischen Wandels lange bekannt

An Warnungen diesbezüglich mangelte es nicht. So formulierte die CDU bereits in ihrem Parteitagsbeschluss von 2003: „Die […] tief greifenden Veränderungen im Bevölkerungsaufbau […] haben zur Folge, dass die demografischen Voraussetzungen, unter denen die solidarischen Sicherungssysteme konzipiert […] wurden, in den vor uns liegenden Jahrzehnten immer weniger gegeben sind. Dies muss Auswirkungen auf die Ausgestaltung und Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme haben. […] Die demografische Entwicklung erfordert daher eine neue Austarierung der Generationengerechtigkeit.“ Auch eine Idee, wie das geschehen sollte, gab es damals schon: „Wir wollen Eigenverantwortung und Eigenvorsorge stärken. Wir wollen die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme durch eine stetig aufwachsende Kapitaldeckung ergänzen.“

Und der spätere FDP-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr äußerte im Interview mit uns im März 2009: „Wenn die Demografie für die Rente ein Problem ist, dann gilt das Gleiche auch für die Gesundheit. Auch die anderen Parteien werden erkennen, dass wir schrittweise weg vom Umlagesystem müssen. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf Eigenverantwortung und Wahlfreiheit der Bürger.“

Leistungen wurden sogar in jüngster Zeit noch ausgebaut

Geschehen ist seitdem so gut wie nichts. Im Gegenteil: Noch in jüngster Vergangenheit wurden die Leistungen teilweise deutlich ausgeweitet. So wurde zum Beispiel in der Pflege ein neues Begutachtungssystem eingeführt und der Pflegebedürftigkeitsbegriff ausgeweitet. In der Folge stieg die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich an. Und einer der größten Kostentreiber sind die erst vor kurzem eingeführten Zuschüsse zu den Eigenanteilen im Pflegeheim.

Ob wir die sozialen Sicherungssysteme noch zukunftsfest aufstellen können, hängt nun davon ab, was die GKV-Finanzkommission für Ergebnisse vorlege und wie die nächste Pflegereform ausgestaltet wird. Zu beidem werden wir in den nächsten Wochen mehr erfahren, wenn das Ergebnis der Kommission bis Ende März vorliegt und ein Referentenentwurf für die Pflege vorliegt. Eines ist klar: Ohne mehr Eigenverantwortung und mehr Kapitaldeckung wird es nicht funktionieren. Wenn wir jetzt allerdings nicht handeln, wird uns die Zeit für nachhaltige Lösungen endgültig davonlaufen.

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