Meldung 12. Februar 2026

Auf dem „Ärztinnen- und Ärztegipfel Südwest“ diskutierten Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen über die Zukunft der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen. Mitentscheidend dafür, darüber war man sich einig, ist eine gesicherte Vergütung. Und an der hält die PKV einen wichtigen Anteil.

(v.l.n.r.): Dr. Florian Reuther (PKV-Verband), Dr. Wolfgang Miller (Landesärztekammer Baden-Württemberg), Alexandra Scherer (Bürgermeisterin Bad Wurzach), Matthias Schellenberg (Deutsche Apotheker- und Ärztebank), Dr. Ellen Lundershausen (Bundesärztekammer), Philipp Schlerkmann (Sana-Kliniken), Christian Dürr (FDP-Bundesvorsitzender) und Dr. Jens Steinat (CDU-Landtagskandidat)

Bad Wurzach muss eine lebenswerte, aufstrebende Stadt sein. Grün gelegen im Allgäu, nicht weit weg vom Bodensee und den Alpen. „15 Tausend Menschen, Tendenz steigend“, wie Bürgermeisterin Alexandra Scherer sichtlich stolz verkündet. Allerdings: Anders als die Zahl der Einwohner und auch der Arbeitsplätze nimmt die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in der Gemeinde seit Jahren ab. „Von ursprünglich 7 Hausarztpraxen haben 3 dicht gemacht – und Nachfolger haben sich nicht gefunden“, so Frau Scherer besorgt. Gemeinsam mit benachbarten Orten habe man deshalb ein Ärzteanwerbe-Programm aufgelegt.

Einen anderen Weg geht man in Biberach – größer als Bad Wurzach zwar, aber längst auch noch keine Metropole. Dort bündelt der Klinikbetreiber Sana inzwischen die Kapazitäten von ursprünglich 3 Krankenhäusern der Region. „Wir haben das komplette medizinische Versorgungsangebot an einem Ort: Klinikum, Rettungsstelle, ambulante Strukturen, eine Apotheke, sogar ein Dialysezentrum“, so Sana-Geschäftsführer Philipp Schlerkmann. „Und an den beiden ehemaligen Klinikstandorten gibt es jetzt medizinische Versorgungszentren.“ 

Die größte Herausforderung ist der demografische Wandel

Bürgermeisterin Scherer und Klinikkettenchef Schlerkmann gehörten zu den Gästen des „Ärztinnen- und Ärztegipfels Südwest“, einer vom PKV-Verband mitorganisierten Diskussionsveranstaltung in Stuttgart. Auf unterschiedliche Weise machten beide deutlich: Die medizinische Versorgung in vielen ländlichen Regionen erfordert von allen Beteiligten schon heute sehr viel Einsatz und Kreativität. Und die größte Herausforderung steht erst noch bevor: der demografische Wandel in Deutschland.

Zumal mit der Gesellschaft ja auch die Ärzteschaft sowie das Praxis- und Pflegepersonal altern, so Dr. Jens Steinat. Er ist Landtagskandidat der CDU in Baden-Württemberg, selbst Hausarzt und hat neben der Demografie noch zwei weitere Makro-Probleme ausgemacht: Eine ausufernde Bürokratie und eine viel zu betuliche Digitalisierung gefährdeten die Versorgung und drohten den Arztberuf unattraktiv zu machen, befürchtet Steinat. Und natürlich, so die Runde unisono, schwebe über allen Versorgungsfragen immer die der Finanzierung.

Nur eine kapitalgedeckte Finanzierung ist verlässlich

„Ohne substanzielle Veränderungen werden wir die steigenden Gesundheitskosten einer alternden Gesellschaft nicht bewältigen können“, so der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr. Dafür müsse unbedingt auf mehr Eigenverantwortung und Kapitaldeckung gesetzt werden. Eine Ausweitung des in der Gesetzlichen Krankenversicherung praktizierten Umlageverfahrens sei dagegen kontraproduktiv: „Wenn man, wie manche das jetzt fordern, die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung nach oben schraubt, dann verbauen wir der Mittelschicht den Weg in die PKV und damit in eine kapitalgedeckte, generationengerechte Absicherung.“

PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther verdeutlichte die Bedeutung der Privatversicherten für die medizinische Versorgung gerade in ländlichen Regionen. Denn dort schlägt ihr sogenannte Mehrumsatz noch stärker zu Buche als in den Metropolen. Bundesweit liegt der Mehrumsatz aktuellen Berechnungen zufolge inzwischen bei fast 15 Milliarden Euro, wobei der Großteil auf die ambulante Versorgung entfällt. Diese Einnahmen, die ohne PKV ersatzlos wegfielen, können die Praxen in zusätzliches Personal oder innovative Geräte investieren. Davon profitieren dann auch die gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten, so Reuther.

Dr. Florian Reuther (PKV-Verband) und Dr. Ellen Lundershausen (Bundesärztekammer)

Warten auf die GOÄ-Novellierung

Gemeinsam mit Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), erläuterte Reuther den anwesenden Ärztevertreten im Publikum die Vorzüge der von BÄK, Beihilfe und PKV gemeinsam überarbeiteten Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). „Unser Entwurf ist innovationsoffen und bedeutet somit das Ende der umständlichen Analogbewertungen,“ so Dr. Lundershausen. Die neue GOÄ, die seit geraumer Zeit im Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorliegt, sichere den Ärzten eine auskömmliche Vergütung, ohne die Privatversicherten und deren Kostenträger zu überfordern. Ganz in diesem Sinne war denn auch das Schlusswort des Präsidenten der baden-württembergischen Landesärztekammer, Dr. Wolfgang Miller, zu verstehen. Sein Fazit bezüglich der Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum lautete: „Ärztliche Arbeit muss attraktiv sein, dann bleiben wir auch auf der Fläche.“