Meldung 08. Januar 2026

Von Zeit zu Zeit wird diskutiert, ob die Wartezeiten auf Arzttermine in Deutschland zu lang sind. Studien zeigen: Während wir im internationalen Vergleich sehr gut dastehen, gibt es durchaus auch bei uns Faktoren, die Arzttermine "verknappen" können.

Zu Jahresbeginn war es wieder einmal soweit: Länger als einen Monat müsse jeder vierte gesetzlich Versicherte auf einen Facharzttermin warten, beklagte der GKV-Spitzenverband unter Berufung auf Umfragedaten. Prompt hielten die Kassenärzte dagegen: Ihre Terminservicehotline “116 117” würde Facharzttermine im Schnitt innerhalb von 12 Tagen vermitteln.

Rein mathematisch können übrigens beide Werte stimmen. Und auch die nachfolgenden Daten sind kein Beweis dafür, dass die eine oder andere Erhebung “falsch” ist. Sie belegen aber, dass Deutschland zumindest im internationalen Vergleich sehr gut dasteht mit seinen Wartezeiten.

Wartezeiten im internationalen Vergleich

So hält eine Studie des Commonwealth Fonds aus dem Jahr 2023 fest, dass hierzulande etwa jeder zweite Patient noch am selben oder zumindest dem nächsten Tag einen Termin beim Arzt erhalten hat - ein Topwert im internationalen Vergleich.

Daten des European Union Statistics on Income and Living Conditions (EU-SILC) zeigen zudem, dass nur 0,1 Prozent der Befragten in Deutschland ihren ärztlichen Versorgungsbedarf aufgrund von langen Wartezeiten nicht gedeckt sehen – das ist europäische Spitze. Das Schlusslicht bildet übrigens das für sein Einheitssystem bekannte Großbritannien.

Was Arzttermine “knapp” macht

Allerdings liegt Deutschland auch in weniger erfreulichen Kategorie vorn: Wie Studien zum Beispiel des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) zeigen, leben wir im europäischen Vergleich viel zu ungesund: Rauchen, Alkohol, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel – bei all diesen Risikofaktoren sind wir Spitzenreiter. Die Folge: Mehr Krankheiten, mehr Arztbesuche und damit weniger freie Termine.

Fakt ist, dass die Menschen in Deutschland wesentlich häufiger eine Arztpraxis besuchen als in anderen Ländern. Fast 10 Mal pro Jahr nimmt jeder und jede hierzulande einen Arzttermin wahr. Im Durchschnitt aller Industrieländer sind es nur 6,6 Arztbesuche. Entsprechend konstatierte Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhard jüngst eine “extrem hohe Inanspruchnahme sowohl in der stationären wie der ambulanten Medizin.”

Warum manche Patienten eher drankommen

Hinzu kommt: In der gesetzlichen Krankenversicherung sind viele Leistungen budgetiert. Ärztinnen und Ärzte bekommen pro Quartal nur eine feste Vergütungssumme für ihre Kassenpatienten. Ist dieses Budget ausgeschöpft, stagniert der Verdienst trotz Mehrarbeit. Das könnte ein Grund sein, warum medizinisch nicht drängende Termine oft ins nächste Quartal geschoben werden.

Alle Menschen gesetzlich zu versichern, wie es manche fordern, würde daran natürlich überhaupt nichts ändern. Und auch wenn Privatversicherte, bei denen es keine solche Budgetgrenzen sondern Geld für jede Behandlung gibt, bisweilen schneller einen Arzttermin erhalten: Schon rein rechnerisch können sie mit einem Anteil von 10 Prozent nicht verantwortlich für Terminschwierigkeiten von 90 Prozent gesetzlich Versicherten sein.

Arzttermine: So ginge es noch schneller

Wollen wir die Wartezeiten für alle hierzulande weiter reduzieren, braucht es strukturelle Lösungen: zum Beispiel eine bessere Patientensteuerung, etwa über ein Primärversorgungssystem, die stärkere Nutzung digitaler Angebote und mehr Prävention. Denn wer gesünder lebt, geht seltener zum Arzt und entlastet langfristig das System.