Das Minus von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen ist im vergangenen Jahr 3,9 Milliarden Euro höher ausgefallen als zunächst angenommen. Das hat das Statistische Bundesamt Ende Februar gemeldet. Damit betrug das Haushaltsloch 119,1 Milliarden Euro. Zwar stiegen die Einnahmen des Staates um 5,7 Prozent – insbesondere durch den starken Anstieg der Sozialbeiträge. Aber die Ausgaben stiegen ebenfalls deutlich.
„Die aktuellen Zahlen zum Staatsdefizit machen klar: Es gibt keinen Spielraum, um die Sozialversicherungssysteme mit zusätzlichen Steuergeldern zu stützen“, kommentiert PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther die Daten. „Bundeszuschüsse schaffen lediglich weitere Schulden.“
Wie ernst die Lage ist, zeigte im November 2025 eine Untersuchung des ifo-Instituts. Schon jetzt fließt ein Drittel aller veranschlagten Steuereinnahmen in die Rentenversicherung. Insgesamt sind für Bundeszuschüsse zur gesetzlichen Rentenversicherung 127,8 Milliarden Euro veranschlagt. „Ohne strukturelle Reformen wird der Bund dauerhaft mehr Geld für die gesetzliche Rente bereitstellen. Das verengt den Spielraum für zukunftsgerichtete Ausgaben im regulären Haushalt“, sagt ifo-Forscherin Emilie Höslinger.
Auch die Gesetzliche Krankenversicherung erhält jedes Jahr einen regulären Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro aus Steuergeldern. Hinzu kommen in den Jahren 2025 und 2026 zinslose Darlehen von jeweils 2,3 Milliarden Euro. Angesichts der dramatischen Finanzsituation der GKV ist es jedoch mehr als fraglich, ob diese Darlehen zurückgezahlt werden können. Wenn das nicht der Fall ist, handelt es sich im Prinzip um zusätzliche Zuschüsse.
Immer weitere Steuerzuschüsse sind deswegen kontraproduktiv. Sie belasten über zusätzliche Schulden die nachkommenden Generationen, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen. Für Florian Reuther ist daher klar: „Nachhaltige Reformen in Gesundheit und Pflege müssen stattdessen auf der Ausgabenseite ansetzen und die Eigenvorsorge stärken.“