Meldung 25. Juni 2026

Wie können Prävention und Gesundheitsförderung einen Beitrag zu einer gesunden Arbeitswelt leisten? Dieser Frage stand im Mittelpunkt des 11. Präventionsforums der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) am 23. Juni in Berlin. Der PKV-Verband ist stimmberechtigtes Mitglied der NPK.

(v.l.n.r.) Simone Borchardt, MdB, Dr. Silke Heinemann, Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Jörg Heinel, Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), Brigitte Gross, Deutsche Rentenversicherung Bund, Dr. Stephan Fasshauer, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Lilian Tschan, Staatsekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Marcus Schneider, GKV-Spitzenverband, Dr. Timm Genett, PKV-Verband Rechte: NPK/Bildschön

Psychische Gesundheit hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob Arbeit stärkt oder zermürbt. Sie ist Voraussetzung für Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und gesellschaftliche Teilhabe – und zugleich ein Feld, in dem der Handlungsdruck spürbar wächst. Dass es hier nicht um ein Randthema geht, zeigt unter anderem der Bericht der Bundesregierung über den Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit: 2024 waren demnach Psychische und Verhaltensstörungen die dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten und sind zudem ein wesentlicher Faktor bei Erwerbsminderungsrenten.

Vor diesem Hintergrund rückte das diesjährige Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt in den Mittelpunkt. Rund 200 Fachleute aus Politik, Sozialversicherung, Wissenschaft und Praxis tauschten sich darüber aus, was Prävention leisten muss – und wie sie Beschäftigte in sehr unterschiedlichen Arbeitsrealitäten tatsächlich erreichen kann.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort von Simone Borchardt MdB, Präsidentin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung BVPG und gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Sie widersprach der häufigen Wahrnehmung von Prävention als weiches Thema und verwies auf deren großen potenziellen Nutzen, um die Leistungsfähigkeit des Versorgungssystems zu erhalten.

Psychische Belastung verstehen – und gezielt gegensteuern

Einen frühen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Dr. Uta Wegewitz (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA) mit einem Blick auf aktuelle Entwicklungen: Seit der Pandemie habe sich die psychische Gesundheit insgesamt verschlechtert, jüngere Menschen und Frauen seien besonders häufig betroffen. Psychische Erkrankungen lägen zwar nicht an erster Stelle der Diagnosen, resultierten aber im Durchschnitt in besonders langen Fehlzeiten. Umso wichtiger sei es, frühzeitig anzusetzen – bei Strukturen, Führung und einer Betriebskultur, in der Belastungen offen angesprochen werden können.

Ein zweites großes Thema des Tages war die Digitalisierung. Entwicklungen wie mobile Arbeit, flexible Zeiten und Führung auf Distanz können entlasten, zugleich aber Druck erhöhen: etwa durch ständige Erreichbarkeit, hohe Taktung und Informationsverdichtung. Prof. Dr. Daniel Thiemann (Technische Hochschule Köln) griff dies unter dem Stichwort „Technostress“ auf und zeigte, wie digitale Tools und insbesondere Smartphones Aufmerksamkeit, Schlaf und Erholung beeinträchtigen können. Er erinnerte jedoch daran, dass digitale Technik nicht per se gut oder schlecht sei – entscheidend sei vielmehr, dass sie menschenzentriert eingesetzt und von klaren Regeln begleitet wird. 

Vom Wissen ins Handeln: Praxisimpulse und Herausforderungen

Zum Ende des Veranstaltungstages lieferten mehrere Workshops mit einer anschließenden Fishbowl-Diskussionsrunde praxisnahe Impulse zur Frage, wie Prävention im Betrieb tatsächlich umgesetzt werden kann – und wo Hürden liegen. Themen waren unter anderem psychische Gesundheit in KMU, die Rolle von Führung, Suchtprävention sowie Gewaltprävention und Mobbing. 

Ein zentrales Fazit war dabei: Es mangelt nicht an Präventionsangeboten, aber sie sind nicht häufig nicht allen bekannt und finden zu selten den Weg in den Arbeitsalltag – auch, weil psychische Gesundheit sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld weiterhin häufig tabuisiert und stigmatisiert wird.

Die Diskussionsergebnisse der Veranstaltung sollen dafür genutzt werden, die von der NPK verantwortete nationale Präventionsstrategie weiterzuentwickeln. Zudem werden sie auch in ein Papier zum Thema Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt einfließen, das die Nationale Prävention derzeit ausarbeitet.

Über die Nationale Präventionskonferenz

Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) wurde 2015 mit dem Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention eingeführt. Ihre Aufgabe ist es, eine nationale Präventionsstrategie zu entwickeln und fortzuschreiben. Der PKV-Verband ist freiwilliges, stimmberechtigtes Mitglied. Weitere Informationen unter: Die Nationale Präventionskonferenz