Psychische Belastung verstehen – und gezielt gegensteuern
Einen frühen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Dr. Uta Wegewitz (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA) mit einem Blick auf aktuelle Entwicklungen: Seit der Pandemie habe sich die psychische Gesundheit insgesamt verschlechtert, jüngere Menschen und Frauen seien besonders häufig betroffen. Psychische Erkrankungen lägen zwar nicht an erster Stelle der Diagnosen, resultierten aber im Durchschnitt in besonders langen Fehlzeiten. Umso wichtiger sei es, frühzeitig anzusetzen – bei Strukturen, Führung und einer Betriebskultur, in der Belastungen offen angesprochen werden können.
Ein zweites großes Thema des Tages war die Digitalisierung. Entwicklungen wie mobile Arbeit, flexible Zeiten und Führung auf Distanz können entlasten, zugleich aber Druck erhöhen: etwa durch ständige Erreichbarkeit, hohe Taktung und Informationsverdichtung. Prof. Dr. Daniel Thiemann (Technische Hochschule Köln) griff dies unter dem Stichwort „Technostress“ auf und zeigte, wie digitale Tools und insbesondere Smartphones Aufmerksamkeit, Schlaf und Erholung beeinträchtigen können. Er erinnerte jedoch daran, dass digitale Technik nicht per se gut oder schlecht sei – entscheidend sei vielmehr, dass sie menschenzentriert eingesetzt und von klaren Regeln begleitet wird.