Interview

Weil sie moderne medizinische Leistungen schneller erstattet, ist die PKV ein wichtiger Partner für die industrielle Gesundheitswirtschaft, sagt Iris Plöger, Mitglied in der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

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30.06.2021

Frau Plöger, wie schlägt sich unser Gesundheitssystem vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?

Es hat sich im letzten Jahr erstaunlich gut geschlagen, unser Gesundheitssystem hat sich bewährt in der Krise. Dabei hat die industrielle Gesundheitswirtschaft einen entscheidenden Beitrag geleistet, Lieferketten nicht abreißen zu lassen, die Grundversorgung sicherzustellen und auch in Corona-Schutzgüter wie Beatmungsgeräte und Atemschutzmasken einzusteigen. Nicht zuletzt haben wir es sensationell schnell geschafft, einen Impfstoff zu erfinden oder zu erforschen, den wir in die ganze Welt verkaufen konnten.

Welchen Beitrag leistet der Dualismus aus gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen für die Innovationskraft des Gesundheitssystems?

Für die industrielle Gesundheitswirtschaft ist das ein ganz entscheidender Faktor, weil die privaten Krankenversicherungen als Innovationstreiber fungieren. Moderne medizintechnische und pharmazeutische Lösungen kommen sehr viel schneller in die ambulante Versorgung für Privatpatienten, weil sie bekanntlich mehr für diese Leistungen zahlen. Deshalb können diese Dinge früher angewandt werden. Die einen sind sozusagen die Frontrunner – aber im Ergebnis kommen die Innovationen der medizinischen Versorgung aller zugute.

Welche Folgen hätte ein Einheitssystem – oder eine Bürgerversicherung – für die Wirtschaft?

Die Funktion des Innovationstreibers würde damit entfallen. Wir haben aber natürlich auch ein Finanzierungsthema, weil die privaten Krankenversicherungen deutlich bessere Altersrückstellungen als die gesetzlichen aufgebaut haben. In Zeiten des demografischen Wandels ist das auch eine Sicherheit für die Finanzierung des Gesundheitssystems, die ganz entscheidend ist.

Wie lauten die zentralen Forderungen des BDI an die neue Bundesregierung?

Eine unserer zentralen Forderungen ist, die industrielle Gesundheitswirtschaft am Standort Deutschland ernster zu nehmen. Wir meinen, dass eine stärkere Koordinierung in der neuen Bundesregierung erforderlich ist: Es muss ressortübergreifend gedacht werden. Wie zum Beispiel auch der Klimaschutz ist die Gesundheitswirtschaft eine wichtige Säule, nicht nur für die Gesellschaft und die Versorgung, sondern auch für den Industriezweig. Wir müssen gleichrangig neben anderen wichtigen Industriezweigen wie etwa der Automobilindustrie stehen. Es geht darum, Perspektiven zu schaffen im Bereich der Digitalisierung, im Bereich Biotech, damit wir international wettbewerbsfähig sind mit anderen Regionen dieser Welt.