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Wer muss sich privat versichern?

Seit 2009 gilt eine allgemeine Pflicht zur Versicherung in Deutschland. Jede Person mit Wohnsitz in Deutschland muss eine Krankenversicherung haben. Die Mehrzahl wird der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zugeordnet und muss sich bei einer gesetzlichen Kasse versichern. Die folgenden Personengruppen haben aber keinen Zugang zur GKV und müssen sich deshalb privat versichern:

  • Zuletzt privat Versicherte, die trotz der Pflicht zur Versicherung derzeit keinen Versicherungsschutz haben.
  • Personen, die in Deutschland bisher weder gesetzlich noch privat versichert waren, sofern ihr Beruf sie üblicherweise versicherungsfrei macht. Das gilt beispielsweise für Selbstständige, aber auch für Beamte, die den Anteil der Kosten noch nicht abgesichert haben, den die Beihilfe offenlässt.
  • Für Deutsche, die ihren ständigen Wohnsitz im Ausland hatten und bei der Rückkehr nach Deutschland weder als Arbeitnehmer versicherungspflichtig in der GKV werden noch als Familienmitglied in die GKV kommen, gilt Folgendes:
  • Waren Sie vor ihrem Auslandsaufenthalt gesetzlich versichert, müssen Sie auch nach ihrer Rückkehr in die GKV. Das gilt auch dann, wenn Sie aufgrund einer selbstständigen Tätigkeit nach dem Sozialgesetzbuch grundsätzlich versicherungsfrei sind und in die PKV wechseln könnten.
  • Waren Sie vor ihrem Auslandsaufenthalt privat versichert, müssen Sie auch nach ihrer Rückkehr in die PKV.
  • Bestand vor dem Auslandsaufenthalt keine Krankenversicherung in Deutschland, entscheidet die Art der Erwerbstätigkeit. So müssen sich z.B. Selbstständige privat versichern.

Wann muss ich mich privat versichern?

Sobald die Pflicht zur Versicherung absehbar wird oder spätestens wenn sie entsteht, sollten Sie sich um eine Versicherung kümmern. Denn der Gesetzgeber lässt Ihnen ab der Pflicht zur Versicherung ungestraft nur einen Monat Zeit. Ab dem zweiten Monat ohne Versicherung müssen Sie, wenn Sie sich später versichern, einen Prämienzuschlag in Höhe Ihres Monatsbeitrags zahlen. Das gilt für jeden weiteren nichtversicherten Monat. Ab dem sechsten Monat wird der Zuschlag auf ein Sechstel des Monatsbeitrags reduziert. Waren Sie also z. B. 11 Monate nicht versichert, müssen Sie einmalig 4 + (6 x 1/6) Monatsbeiträge = 5 Monatsbeiträge zusätzlich zahlen.

Sollten Sie die Strafprämie nicht zahlen können, können Sie sich an Ihren Versicherer wenden und zunächst eine Stundung der Strafprämie beantragen. Sie können dann eine Ratenzahlung vereinbaren, die Sie nicht überfordert. Auf den gestundeten Betrag müssen Sie allerdings von Rechts wegen Zinsen zahlen.

Welche Ausländer sind versicherungspflichtig in der PKV?

Leben Sie als Ausländer dauerhaft in Deutschland, gelten grundsätzlich die gleichen Regelungen wie für Deutsche. Das betrifft Sie auch, wenn Sie erstmalig ins Land kommen. Damit die Pflicht zur Versicherung greift, muss Ihr ständiger Aufenthaltsort in Deutschland liegen. Hiervon ist in der Regel auszugehen, wenn die Aufenthaltserlaubnis mehr als zwölf Monate beträgt.

Reicht eine ausländische private Krankenversicherung für die Versicherungspflicht aus?

Die Pflicht zur Versicherung verlangt, dass das Versicherungsunternehmen in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassen ist. Deshalb werden Versicherungen aus Nicht-EU-Staaten nicht anerkannt. Versicherungen von Unternehmen mit Sitz in der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erfüllen aus Sicht der PKV die Pflicht zur Versicherung, wenn sie den im Versicherungsvertragsgesetz vorgesehenen Anforderungen an einen Mindestschutz entsprechen: Das sind eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung und eine Begrenzung aller Selbstbehalte des Versicherten auf insgesamt 5.000 Euro pro Jahr. Es darf keine grundsätzliche Begrenzung der Versicherungsleistungen (z. B. auf 1 Mio. Euro) geben. Zudem muss die ausländische Krankenversicherung Alterungsrückstellungen aufbauen.

Eine ausländische Krankenversicherung ist aber in der Regel keine gute Alternative zu einer deutschen privaten Krankenversicherung. Zu den großen Vorteilen der PKV nach deutschem Recht gehört, dass die Versicherer auf ihr ordentliches Kündigungsrecht verzichten. Der Versicherte kann sich auf einen lebenslangen Versicherungsschutz verlassen. Außerdem gibt es für finanzielle Notsituationen den Basistarif und den Standardtarif. Darüber hinaus erfüllen die Tarife der PKV-Unternehmen alle die Voraussetzungen des § 257 SGB V, wodurch der Versicherte einen Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss zu seinem Versicherungsbeitrag hat. Diese Vorteile können die Versicherten ausländischer privater Krankenversicherungen nicht genießen.