Ein starkes ambulantes Versorgungssystem ist für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz unverzichtbar: Rund neun von zehn Behandlungen finden bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten statt. Doch die Stärke dieses Systems ist auf dem Land gefährdet, denn dort droht zunehmender Ärztemangel. In der gesundheitspolitischen Diskussion wird dies insbesondere von SPD, Grünen und Linken darauf zurückgeführt, dass Privatversicherte häufiger in Städten leben. Deshalb lohne es sich für Ärztinnen und Ärzte weniger, sich auf dem Land niederzulassen. Die Daten aus dem neuen Regionalatlas Rheinland-Pfalz zeigen, dass dies ein Irrtum ist.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
Die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten werden im Regionalatlas erstmals nach Regionen, Städten und Landkreisen aufgeschlüsselt. Diese sogenannten Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten als die GKV für dieselben Leistungen bei Kassenpatienten bezahlt.
Diese zusätzlichen Mittel summieren sich in Rheinland-Pfalz auf rund 599 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld können um Beispiel Ärztinnen und Ärzte und Krankenhäuser zusätzlich in Fachpersonal oder moderne medizinische Infrastruktur investieren. Davon profitieren sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Patienten.
Von den Mehrumsätzen der Privatpatienten in Rheinland-Pfalz profitieren vor allem ambulant niedergelassene Ärzte in ländlichen Gebieten. Weil Privatversicherte auf dem Land im Durchschnitt älter sind (Ältere gehen insgesamt häufiger zum Arzt) und weil in städtischen Regionen Gehälter, Mieten sowie andere ärztliche Praxiskosten höher liegen, ist der reale Wert der Mehrumsätze auf dem Land häufig größer.
Während z.B. bei den ambulant niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Eifelkreis Bitburg-Prüm Mehrumsätze im Realwert von 51.274 Euro pro Jahr anfallen, sind es in den Arztpraxen in der Region Mainz-Bingen „nur“ 40.025 Euro.
Doch trotz dieser größeren Verdienstmöglichkeiten durch Privatversicherte auf dem Land ist die Ärztedichte ambulant tätiger Ärzte in den ländlichen Gebieten niedriger als in den Ballungsräumen: In Bitburg-Prüm beträgt die Ärztedichte 118 je 100.000 Einwohner, in der Region Mainz-Bingen sind es 238 ambulant tätige Ärzte je 100.000 Einwohner.
Das heißt: Die geringere Ärztezahl auf dem Land kann nicht an fehlenden Privatversicherten liegen. Für die Standortentscheidung von Ärzten sind andere Kriterien maßgebend, vor allem das urbane (Arbeits-)Umfeld für ihre Partner, Schulen für ihre Kinder, Kulturangebot, Infrastruktur etc.