Meldung 22. Juni 2026

Das Thema Langlebigkeit liegt nicht nur im Trend, sondern ist längst Realität. Denn die Lebenserwartung steigt – und fordert unsere Gesundheits- und Pflegeversorgung. Eine Studie zeigt nun: Zwischen Vorsorgebewusstsein und tatsächlichem Handeln bestehen erhebliche Lücken.

In Deutschland lebten im Jahr 2024 rund 6 Millionen Menschen im Alter von 80 Jahren oder älter. Bis 2050 könnte die Zahl der Hochaltrigen auf rund 10 Millionen anwachsen. Der Grund ist nicht nur das Hineinwachsen der großen Zahl von Babyboomern in höhere Altersklassen, sondern auch die allgemein steigende Lebenserwartung. Mit ihr ändert sich nicht nur die Lebensspanne, sondern auch der Zeitraum, in dem gesundheitliche, finanzielle und rechtlich-organisatorische Risiken eintreten können. Dazu zählen chronische Krankheiten oder auch ein wachsender Pflege- und Unterstützungsbedarf. 

Vor diesem Hintergrund gewinnt das individuelle Vorsorgeverhalten zunehmend an gesellschaftlicher und gesundheitspolitischer Bedeutung. Wie es in Deutschland um die Einstellungen zum Altwerden sowie das Vorsorgeverhalten in den Bereichen Gesundheit, Finanzen und rechtlich-organisatorische Vorsorge bestellt ist, haben das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) und die Versicherungskammer Bayern (VKB) in einer Studie untersucht.

Gesundheit als wichtigster Vorsorgeaspekt

Als wichtigste Vorsorgemaßnahmen sehen die 3.000 Befragten vor allem gesundheitliche Verhaltensweisen: Jeweils 80 Prozent halten regelmäßige körperliche Aktivität und Vorsorgeuntersuchungen für geeignete Maßnahmen gelungener Vorsorge. Auch rechtlich-organisatorische Vorsorge wird von einer deutlichen Mehrheit als wichtig bewertet. Dagegen wird die finanzielle Vorsorge zurückhaltender als relevant bewertet. So sehen etwa 65 Prozent den Abschluss einer Zusatzversicherung als wichtig an.

Lücke zwischen Vorsorgebewusstsein und tatsächlichem Handeln

Zwischen Vorsorgebewusstsein und tatsächlichem Handeln bestehen allerdings erhebliche Lücken: Obwohl viele Maßnahmen als sinnvoll angesehen werden, werden sie oft nicht umgesetzt. So werden zum Beispiel die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zur körperlichen Aktivität von mindestens 2,5 Stunden pro Woche sehr unterschiedlich umgesetzt: 10 Prozent der Befragten geben an, keinerlei körperlicher Aktivität nachzugehen, weitere 20 Prozent erreichen weniger als 1 Stunde pro Woche. 

Besonders groß sind die Lücken bei der Risikoabsicherung bzw. beim Abschluss von Zusatzversicherungen. So geben nur 47 Prozent an, dass sie die Vorsorge mit Zusatzversicherungen auch umsetzen. Dabei kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Vorsorgeverhalten nur begrenzt durch soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Einkommen erklärbar ist. Wichtiger seien die persönliche Relevanzeinschätzung von Vorsorge sowie eine grundsätzlich zukunftsorientierte Haltung.

Private Zusatzversicherungen stärker fördern

Die Autoren kommen folgern daher, dass Gesundheits- und Finanzkompetenz zentrale Voraussetzungen für wirksame Eigenvorsorge sind. Diese Kompetenzen sollten deshalb über alle Lebensphasen hinweg stärker gefördert werden. Die Schlüssel für mehr Vorsorge seien positive Zukunftsaussichten, finanzielle Handlungsspielräume und verlässliche Rahmenbedingungen, zu denen auch konsistente politische Signale zur Rolle individueller Eigenvorsorge gehören. Insofern ist die Ankündigung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, private Pflegevorsorge steuerlich besser fördern zu wollen, ein Schritt in die richtige Richtung.

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