Meldung 11. Juni 2026

Die Menschen in Deutschland trauen sich und ihrem eigenen Leben viel zu. Der Blick auf das Land ist dagegen weniger optimistisch. Das zeigt eine Umfrage des SINUS-Instituts im Auftrag des PKV-Verbands, die Geschäftsführerin Silke Borgstedt bei der PKV-Jahrestagung vorgestellt hat.

Dr. Silke Borgstedt, Geschäftsführerin des SINUS-Instituts

Krankenversicherung, Pflege, Rente: Die Sozialversicherungen stehen unter Druck. Die Kosten und die Beiträge steigen, die Politik ringt um Reformen. Wie die Menschen in Deutschland auf diesen Veränderungsdruck blicken und wie weit ihre Reformbereitschaft wirklich reicht, zeigt eine neue Umfrage des SINUS-Instituts im Auftrag des PKV-Verbands.

Silke Borgstedt, Geschäftsführerin des SINUS-Instituts, hat die Ergebnisse bei der PKV-Jahrestagung vorgestellt und machte dabei deutlich, warum gerade die Mitte der Gesellschaft den Glauben an eine bessere Zukunft verliert. Für ihre Untersuchung teilt sie die Befragen in bestimmte Milieus ein. Sie betonte ausdrücklich, dass es dabei nicht darum gehe, Menschen in Schubladen zu stecken. Vielmehr sollte die Gruppierung die Vielfalt sichtbar machen, um Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zu erkennen.

Demnach stehen die “Performer” für ein ressourcenstarkes, leistungsorientiertes Milieu, das “prekäre” Milieu für die ressourcenschwächste Gruppe. Das “nostalgisch-bürgerliche” Milieu ordnet sie der traditionellen Mitte zu. Dessen Haltung fasst Borgstedt mit der These zusammen, es müsse sich etwas ändern, damit alles bleibe, wie es ist. Der Reformbedarf sei offensichtlich, dieses Milieu sei aber selbst nur ohne persönliche Nachteile dazu bereit und verfolge eine Strategie der „Mikrosicherheit".

Wer wenig hofft, sorgt sich am meisten

Die Ergebnisse der SINUS-Studie bestätigen die Werte anderer Erhebungen: die Kluft zwischen privater Zufriedenheit und gesellschaftlicher Skepsis. 58 Prozent blicken laut SINUS zuversichtlich auf ihr eigenes Leben, doch nur 23 Prozent erwarten eine gute Zukunft für Deutschland. 

Hinter diesen Zahlen verbergen sich tiefe Gräben. Die 18- bis 29-Jährigen trauen sich zu 75 Prozent eine gute Zukunft zu, die 50- bis 59-Jährigen nur noch zu 47 Prozent. Auch Bildung und Milieu entscheiden mit: Während 75 Prozent der Performer optimistisch bleiben, hoffen im prekären Milieu nur 25 Prozent auf eine gute eigene Zukunft.

Wer wenig Zuversicht hat, sorgt sich besonders stark. Gerade die Verletzlichsten fürchten am meisten um ihre Versorgung: 63 Prozent der prekären und 58 Prozent der nostalgisch-bürgerlichen Befragten machen sich sehr große Sorgen um ihre Versorgung bei Krankheit oder Pflege – bei den Performern sind es nur 38 Prozent.

Eine wachsende Vertrauenslücke

Insgesamt sorgen sich 81 Prozent um ihre Versorgung im Krankheits- oder Pflegefall und 78 Prozent um eine sichere Altersvorsorge. Dem steht ein dramatischer Vertrauensverlust gegenüber: Nur 14 Prozent glauben, dass die Versorgung bei Krankheit und Pflege wirklich sicher ist. Die Menschen nehmen eine Lücke wahr zwischen dem, was sie brauchen, und dem, was sie dem System noch zutrauen.

Diese Lücke präge laut Borgstedt auch die Haltung zu Wandel und Reformen. Auf der einen Seite: Erkennbar hohe Zustimmungswerte zu Aussagen, die mit „Deutschland braucht…" beginnen. Etwa Deutschland brauche eine grundlegende Steuerreform, die kleine und mittlere Einkommen entlastet, oder Deutschland brauche grundlegende Reformen im Sozialstaat, damit die Wirtschaft wieder wachsen kann.

Beginnt ein Satz auf der anderen Seite hingegen mit „Ich wäre bereit…" und adressiert persönliche Lasten, sinkt die Zustimmung deutlich. Besonders die Mitte verfolge hier eine Strategie der Mikrosicherheit, sagte Borgstedt. „Wie vermeide ich den Abstieg?" stehe nun mehr im Vordergrund als der Gedanke “Wie steige ich auf?”.

Das Sicherheitsbedürfnis verlange verlässliche Versorgung. Denn, ergänzte Borgstedt, “der Kosmos verengt sich stark.” Und das Zukunftsbild fehle, wie es nach Transformation und Reformen aussehe. So bestätigt die SINUS-Studie, dass Reformen zumutbar sind - wenn sie rechtzeitig und offen angesprochen werden.