Position

Die PKV ist nicht nur eine wesentliche Stütze des Gesundheitssystems. Sie trägt auch wesentlich zum Wirtschaftswachstum bei - und das weit über die Gesundheitsbranche hinaus. Wie groß der ökonomische Fußabdruck der PKV ausfällt, zeigen regelmäßige Studien des Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR.

Die Gesundheitswirtschaft zählt zu den größten Branchen des Landes. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung in Deutschland beträgt 12,1 Prozent. Jeder sechste Arbeitsplatz gehört zur Gesundheitsbranche. Die Private Krankenversicherung leistet dazu einen überproportional starken Beitrag. Zu diesem Ergebnis kommt das Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR.

Das WifOR erstellt für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR). Nach gleicher Systematik hat das Institut die ökonomische Bedeutung der PKV für das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung in Deutschland berechnet. Das Besondere: Zur Bruttowertschöpfung der Gesundheitsbranche trägt die PKV sowohl als Wirtschaftsakteur als auch als Finanzier von Gesundheitsleistungen bei.

Was ist die Bruttowertschöpfung?

Die Bruttowertschöpfung steht für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen und Branchen. Wertschöpfung entsteht, weil Unternehmen auf Grundlage bestehender Güter, Waren und Dienstleistungen neue Produkte herstellen. Ihr Wert wird als Bruttoproduktionswert bezeichnet. Bei der Berechnung der Bruttowertschöpfung werden von diesen Produktionswerten die Kosten, die beim Einkauf der Rohstoffe, Handelswaren oder Dienstleistungen von anderen Unternehmen entstehen, als sogenannten Vorleistungen abgezogen. Je höher die Bruttowertschöpfung, desto höher die wirtschaftliche Leistung eines Unternehmens oder einer Branche und ihre Bedeutung für den wirtschaftlichen Wohlstand einer Volkswirtschaft.

Die ökonomische Bedeutung der PKV als Wirtschaftsakteur

Die WifOR-Studie zum „Ökonomischen Fußabdruck der PKV in Deutschland“ zeigt, dass die Private Krankenversicherung besonders viel positive Energie auf die ganze Wirtschaft abstrahlt: Mit jedem Euro Wertschöpfung der PKV-Unternehmen ergeben sich in der Gesamtwirtschaft zusätzliche 1,90 Euro – zum Beispiel in der IT-Branche, weil ein Versicherer neue Software für den digitalen Kundenservice einkauft. Die volkswirtschaftlichen Ausstrahleffekte der PKV übertreffen hochinnovative Branchen wie die Automobilindustrie (1,80 Euro). Insgesamt 7,7 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung sind mit der Geschäftstätigkeit der PKV-Unternehmen in Deutschland verbunden.

PKV-Unternehmen schaffen viele Arbeitsplätze

Hohe Beschäftigungseffekte unterstreichen die gesamtwirtschaftliche Relevanz der PKV. Ausgehend von den 14.700 Erwerbstätigenverhältnissen in der PKV entstehen durch die Geschäftstätigkeit der Unternehmen weitere 74.700 Erwerbstätigenverhältnisse in anderen Branchen. Davon sind über 20.000 dem Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zuzuordnen. Insgesamt 88.700 Arbeitsplätze gehen auf die PKV-Aktivitäten zurück – mit jedem Arbeitsplatz bei PKV-Unternehmen gehen 5 zusätzliche Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft einher.

Die Arbeitsproduktivität in der PKV ist beachtlich: Der durchschnittliche Beitrag eines PKV-Erwerbstätigen zur Wertschöpfung lag 2019 bei 182.290 Euro und damit deutlich über dem der Automobilindustrie mit 148.300 Euro oder der Informations- und Kommunikationsbranche mit 111.400 Euro.

Die Bruttowertschöpfung der PKV als Wirtschaftsakteur

Die Bruttowertschöpfung der PKV als Wirtschaftsakteur setzt sich aus der direkten, indirekten und induzierten Bruttowertschöpfung zusammen. So spiegelt beispielsweise die Geschäftstätigkeit eines Mitarbeiters in einem PKV-Unternehmen die direkte Bruttowertschöpfung wider. Kauft ein PKV-Unternehmen beispielsweise IT-Dienstleistungen ein, so wird dies der indirekten Bruttowertschöpfung zugerechnet. Die Ausgaben, die Mitarbeiter der PKV-Unternehmen und des IT-Dienstleisters mit ihren Gehältern tätigen, z.B. im Einzelhandel, wird als induzierte Bruttowertschöpfung bezeichnet.

Die ökonomische Bedeutung der PKV als Finanzier von Gesundheitsleistungen

Zur Wertschöpfung der PKV tragen die Versicherungsunternehmen nicht nur durch die reine Geschäftstätigkeit bei (Kundenbetreuung, Leistungsmanagement, Kapitalanlage etc.). Zum gesamtwirtschaftlichen Einfluss gehören auch Effekte, die durch die Finanzierung von Gesundheitsleistungen ihrer Versicherten entstehen. Im Versicherungsfall erhält zum Beispiel die behandelnde Ärztin ein Honorar. Davon bezahlt sie für den Praxisbetrieb die Medizinischen Fachangestellten oder den Hersteller medizinischer Desinfektionsmittel. Von ihrem Gehalt zahlt sie außerdem die Leasingrate für ihr privates Auto. In Summe führen die PKV-finanzierten Gesundheitsleistungen zu einer Bruttowertschöpfung von 34,2 Milliarden Euro.

Hohe Beschäftigungseffekte durch Versicherungsleistungen

Die Beschäftigungseffekte sind immens: Im Rahmen der Bruttowertschöpfung finanziert die PKV mit Zahlung von Gesundheitsleistungen in Deutschland 653.960 Erwerbstätigenverhältnisse. Diese Erwerbstätigen sind beispielsweise in der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung beschäftigt. Je 47.000 Euro PKV finanzierter Gesundheitsausgaben entsteht in der Gesamtwirtschaft ein zusätzlicher Arbeitsplatz.

PKV-Mehrumsätze sichern Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft

Die ökonomische Bedeutung der PKV als Finanzier von Gesundheitsleistungen wird durch den Vergleich mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) greifbar. Das WifOR berücksichtigt dafür die ökonomischen Effekte der sogenannten Mehrumsätze. Diese Mehrumsätze entstehen nur deshalb, weil Privatpatienten privat und nicht gesetzlich versichert sind.

Die Mehrumsätze der Privatversicherten summierten sich jährlich auf rund 12 Milliarden Euro. In der Gesamtwirtschaft wurde infolgedessen über direkte, indirekte und induzierte Effekte eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 14,9 Milliarden Euro ausgelöst. In Summe führen die Mehrumsätze der privat Versicherten zu 325.280 zusätzlichen Arbeitsplätzen.

Wertschöpfung durch Finanzierung von Gesundheitsleistungen

Die Bruttowertschöpfung der PKV als Finanzier von Gesundheitsleistungen setzt sich aus der direkten, indirekten und induzierten Bruttowertschöpfung zusammen. Die direkte Bruttowertschöpfung entsteht beispielsweise durch die Kostenerstattung der Leistungen von Haus- oder Fachärzten. Die indirekte Bruttowertschöpfung spiegelt dann z. B. die vom Arzt beschaffte Praxissoftware wider. Die Verausgabung des Ärztehonorars stellt induzierte Bruttowertschöpfung dar.

In Summe entstehen damit 325.280 Arbeitsplätze durch die Mehrumsätze der privat Versicherten. Damit stellen Privatversicherte eine wichtige Finanzierungsquelle für die Ausstattung der Praxen und Krankenhäuser und damit für die medizinische Versorgung in Deutschland insgesamt dar.

WifOR , Studie "Der ökonomische Fußabdruck der Privaten Krankenversicherung in Deutschland"

Regionale Studien zur ökonomischen Bedeutung der PKV

Die ökonomische Bedeutung lässt sich auch konkret für einzelne Bundesländer berechnen. Bisher liegen entsprechende Studien des WifOR für drei Länder vor.

Jeder sechste Arbeitsplatz in Baden-Württemberg gehört zur Gesundheitswirtschaft. Sie zählt zu den größten Branchen des Landes. Die PKV leistet dazu einen überproportional starken Beitrag und bewirkt zugleich bemerkenswert hohe positive Ausstrahleffekte auf die Wirtschaft insgesamt.

In Baden-Württemberg sind über 1,3 Mio. Menschen vollständig privatversichert. Durch die Privatversicherten entstehen im Land sogenannte Mehrumsätze in Höhe von jährlich 1,91 Mrd. Euro, die es nur deshalb gibt, weil Privatversicherte nicht gesetzlich, sondern privat versichert sind.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Die Mehrumsätze der Privatversicherten, verglichen mit Gesetzlich Versicherten, bringen dem Bundesland eine zusätzliche Wertschöpfung von 1,9 Milliarden Euro pro Jahr. Dadurch werden 45.940 Arbeitsplätze im Gesundheitswesen in Baden-Württemberg finanziert, die es ohne die PKV nicht gäbe.
  • Mit jedem Euro Wertschöpfung der PKV-Unternehmen ergeben sich in der Gesamtwirtschaft zusätzliche 0,85 Euro. Die volkswirtschaftlichen Ausstrahleffekte der PKV übertreffen damit hochinnovative Branchen wie den Maschinenbau (0,79 Euro), die Medizintechnik (0,40 Euro) oder die Humanarzneimittelherstellung (0,22 Euro).
  • Mit jedem Arbeitsplatz in der PKV gehen weitere 2 zusätzliche Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft einher. Mit diesem Job-Faktor übertrifft die PKV sogar den Wirtschaftszweig Maschinenbau (+1,1 Arbeitsplätze).

Jeder sechste Arbeitsplatz in Rheinland-Pfalz gehört zur Gesundheitswirtschaft. Sie zählt zu den größten Branchen des Landes. Die PKV leistet dazu einen überproportional starken Beitrag und bewirkt zugleich bemerkenswert hohe positive Ausstrahleffekte auf die Wirtschaft insgesamt.

In Rheinland-Pfalz sind über 480.000 Menschen vollständig privatversichert. Durch die Privatversicherten entstehen im Land sogenannte Mehrumsätze in Höhe von jährlich 698 Millionen Euro, die es nur deshalb gibt, weil Privatversicherte nicht gesetzlich, sondern privat versichert sind.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Die Mehrumsätze der Privatversicherten, verglichen mit Gesetzlich Versicherten, bringen dem Bundesland eine zusätzliche Wertschöpfung von 649 Millionen Euro pro Jahr. Dadurch werden 17.080 Arbeitsplätze im Gesundheitswesen in Rheinland-Pfalz finanziert, die es ohne die PKV nicht gäbe.
  • Mit jedem Euro Wertschöpfung der PKV-Unternehmen ergeben sich in der Gesamtwirtschaft zusätzliche 0,72 Euro. Die volkswirtschaftlichen Ausstrahleffekte der PKV übertreffen damit hochinnovative Branchen wie den Maschinenbau (0,62 Euro), die Medizintechnik (0,37 Euro) oder die Humanarzneimittelherstellung (0,31 Euro).
  • Mit jedem Arbeitsplatz in der PKV gehen weitere 1,7 zusätzliche Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft einher. Mit diesem Job-Faktor übertrifft die PKV sogar den Wirtschaftszweig Maschinenbau (+1,1 Arbeitsplätze).

Jeder sechste Arbeitsplatz in Nordrhein-Westfalen gehört zur Gesundheitswirtschaft. Sie zählt zu den größten Branchen des Landes. Die PKV leistet dazu einen überproportional starken Beitrag und bewirkt zugleich bemerkenswert hohe positive Ausstrahleffekte auf die Wirtschaft insgesamt.

In Nordrhein-Westfalen sind über 1,9 Mio. Menschen vollständig privatversichert. Durch die Privatversicherten entstehen im Land sogenannte Mehrumsätze in Höhe von jährlich 2,77 Mrd. Euro, die es nur deshalb gibt, weil Privatversicherte nicht gesetzlich, sondern privat versichert sind.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Die Mehrumsätze der Privatversicherten, verglichen mit Gesetzlich Versicherten, bringen dem Bundesland eine zusätzliche Wertschöpfung von 2,79 Mrd. Euro pro Jahr. Dadurch werden 72.190 Arbeitsplätze im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen finanziert, die es ohne die PKV nicht gäbe.
  • Mit jedem Euro Wertschöpfung der PKV-Unternehmen ergeben sich in der Gesamtwirtschaft zusätzliche 1,04 Euro. Die volkswirtschaftlichen Ausstrahleffekte der PKV übertreffen damit hochinnovative Branchen wie den Maschinenbau (0,97 Euro), die Medizintechnik (0,51 Euro) oder die Humanarzneimittelherstellung (0,43 Euro).
  • Mit jedem Arbeitsplatz in der PKV gehen weitere 2,4 zusätzliche Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft einher. Mit diesem Job-Faktor übertrifft die PKV sogar den Wirtschaftszweig Maschinenbau (+1,4 Arbeitsplätze).