Die Nationale Coronavirus-Teststrategie der Bundesregierung wird laufend an die aktuellen Pandemiebedingungen angepasst. Was bedeutet das für die Versorgung von Privatpatienten?

Tests auf COVID-19 sind ein wichtiges Mittel, um Infektionsfälle möglichst schnell zu entdecken und die Betroffenen isolieren zu können. So sollen Infektionsketten unterbrochen und weitere Ansteckungen verhindert werden. Testen ohne Anlass führt jedoch zu einem falschen Sicherheitsgefühl. Denn auch ein negativer Corona-Test ist nur eine Momentaufnahme und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Testen ohne einen begründeten Verdacht erhöht außerdem das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität. Daher gilt es verstärkt, aber auch gezielt zu testen. Mehr zur Nationalen Teststrategie der Bundesregierung: www.bundesgesundheitsministerium.de/coronatest

Welche Möglichkeiten gibt es, das Corona-Virus nachzuweisen?

Neben den üblichen PCR-Tests (beziehungsweise ähnlichen Methoden zum Nachweis einer Infektion) berücksichtigt die Nationale Teststrategie nun auch den Einsatz von deutlich günstigeren Antigen-Schnelltests. Allerdings sind die Ergebnisse der Schnelltests weniger sicher und weniger genau als die der PCR-Tests. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt daher, sie nur bei Personen anzuwenden, bei denen es nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen wie weiteren Ansteckungen beispielsweise bei Risikogruppen führt, wenn der Test trotz Infektion ein negatives Ergebnis anzeigt. Positive Schnelltest-Ergebnisse sollten grundsätzlich mittels PCR-Test bestätigt werden. Mehr Informationen zu Fragen und Antworten rund um die Antigen-Schnelltests

Wann übernimmt die PKV die Corona-Testkosten?

Die Grundlagen für eine Kostenübernahme hat die Bundesregierung in einer Testverordung festgelegt. Die derzeit gültige vierte Coronavirus-Testverordnung (TestV) gilt seit 2. Dezember 2020.
 

  • Liegen bei einem Privatversicherten Krankheitssymptome vor und wird dann ein Test ärztlich angeordnet, handelt es sich um einen Versicherungsfall, der wie bei allen anderen Erkrankungen auch nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet wird. Die Versicherten erhalten wie üblich eine Rechnung, die sie zur Erstattung bei ihrem Versicherer einreichen können.
  • Die PKV trägt ebenfalls die Kosten, wenn ein positiv ausgefallener Antigen-Schnelltest mittels PCR-Test bestätigt wird (§ 1 Abs. 3 TestV).
  • Nach dem Regelhöchstsatz kostet der PCR-Test circa 147 Euro für die Labordiagnostik (GOÄ-Nr. 4780, 4782, 4783, 4785) und rund 27 Euro zuzüglich Hygienepauschale in Höhe von 6,41 Euro für die Abstrichentnahme (GOÄ-Nr. 1,5 298; 245 analog). Im Fall eines Antigen-Schnelltests können Mediziner für die Labordiagnostik 16,76 Euro berechnen (GOÄ-Nr. 4648); hinzu kommen – wie beim PCR-Test – rund 27 Euro zuzüglich Hygienepauschale in Höhe von 6,41 Euro für die Abstrichentnahme.

Wann müssen Privatversicherte die Testkosten selber tragen?

Privatversicherte müssen die Kosten für den Corona-Test selbst bezahlen, wenn es sich um eine sogenannte Wunsch- oder Verlangensleistung handelt. Das ist dann der Fall, wenn ein Test auf persönlichen Wunsch eines Versicherten durchgeführt wird,

  • ohne dass Krankheitssymptome vorliegen beziehungsweise eine medizinische Notwendigkeit gegeben ist und
  • ohne dass ein Fall der Coronavirus-Testverordnung vorliegt.

Dies kann beispielsweise bei einer Urlaubsreise der Fall sein, wenn das Urlaubsland einen negativen Corona-Test bei der Einreise verlangt oder bei Reiserückkehrern aus Nicht-Risikogebieten, die sich freiwillig testen lassen möchten oder bei einem freiwilligen Test für einen Verwandtschaftsbesuch.

In welchen Fällen tragen Dritte die Testkosten?

Oft müssen Privatversicherte einen Corona-Test weder selbst bezahlen, noch müssen sie die Rechnung bei ihrem Krankenversicherer einreichen. Denn der Gesetzgeber hat die Kostenübernahme in vielen Fällen insbesondere in der Coronavirus-Testverordnung anders geregelt. Wer wann für einen Corona-Test aufkommt, haben wir untenstehend zusammengetragen.

Nach der Coranavirus-Testverordnung kann der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) Tests anordnen, durchführen oder beauftragen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn man einen Risikokontakt hatte. In diesen Fällen liegt kein Versicherungsfall der PKV vor. Privatversicherten wird daher keine Rechnung ausgehändigt; die Kosten werden vom ÖGD über den Gesundheitsfonds abgerechnet.

Meldet die Corona-Warn-App eine mögliche Risikobegegnung, erhalten die Nutzenden den Hinweis, die Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder das Gesundheitsamt zu kontaktieren und dort das weitere Vorgehen abzustimmen. Ein Test wird auch bei Privatpatienten aus dem Gesundheitsfonds bezahlt.

Alle Versicherten erhalten ein Formular mit einem QR-Code, mit dem das Testergebnis über die Corona-Warn-App abgerufen werden kann. Verwendet die Hausarztpraxis das Formular ausnahmsweise nicht, können die Versicherten die für die Corona-App benötigte TAN auch über die hierfür eingerichtete Hotline erfragen. Weitere Hinweise finden Sie auf dieser Website des BMG

Wer ins Krankenhaus muss, wird in der Regel vor der Aufnahme auf das Corona-Virus getestet. Die Kosten, die dem Krankenhaus im Rahmen einer stationären Behandlung für die Corona-Testung entstehen, werden über ein sog. Zusatzentgelt vergütet. Dieses Zusatzentgelt wird als allgemeine Krankenhausleistung von der GKV bzw. PKV übernommen.

Für ambulante Operationen gilt: Privatversicherten dürfen die Testkosten nicht in Rechnung gestellt werden. Diese werden nach der Coronavirus-Testverordnung vom Gesundheitsfonds übernommen.

Veranlassen Dritte, beispielsweise Arbeitgeber, die nicht in der Coronavirus-Testverordnung genannt werden, in ihrem Eigeninteresse (Arbeitsschutz) das Testen ihrer Beschäftigten, so haben sie auch für die Kosten dieser Test aufzukommen. Diese Regelung gilt selbstverständlich auch bei privatversichert Beschäftigten.

Für Personal von unter anderem nachfolgenden Gesundheitseinrichtungen gilt laut Coronavirus-Testverordnung: Sie können sich bei erhöhtem Infektionsgeschehen in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde auch vorsorglich regelmäßig kostenlos testen lassen.

  • Krankenhäuser
  • Rehabilitationseinrichtungen
  • stationäre Pflegeeinrichtungen
  • Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen
  • Einrichtungen für ambulante Operationen
  • Dialysezentren
  • Ambulante Pflegeeinrichtungen
  • Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Praxen anderer medizinischer Heilberufe 

Rückkehr aus einem Risikogebiet außerhalb von Deutschland

Einreisende, die sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen sich seit dem 8. November über eine digitale Einreiseanmeldung anmelden. Einreisende müssen sich direkt nach Ankunft nach Hause – oder in eine sonstige Beherbergung am Zielort – begeben und zehn Tage lang absondern (häusliche Quarantäne).

Aktuell besteht in vielen Bundesländern keine Pflicht, einen Corona-Test zu machen. Eine Testpflicht besteht jedoch zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen. Seit dem 11. Januar gilt eine Testpflicht nun in allen Bundesländern. Einreisende müssen dann nicht wie bisher nur auf Anforderung der zuständigen Behörde einen Testnachweis vorlegen, sondern sich 48 Stunden vor Anreise oder unmittelbar nach Einreise testen lassen. Die Einreisenden müssen die Kosten dafür selbst tragen.

Trotz Testpflicht besteht (mit Ausnahme in NRW) weiterhin eine 10-tägige Quarantänepflicht. Mit einem negativen Testergebnis kann die Dauer der Quarantäne reduziert werden. Ein Corona-Test, der die Quarantäne verkürzen kann, kann frühestens 5 Tage nach Einreise durchgeführt werden. Sollten trotz negativem Corona-Test binnen 10 Tagen nach der Einreise Covid-19-typische Symptome auftreten, muss das Gesundheitsamt sofort benachrichtigt werden.

Sonderregelung für Reiserückkehrer aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland sowie Südafrika: Diese müssen nun bundesweit bereits bei Einreise ein negatives Testergebnis vorlegen, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. 


Rückkehr aus einem Risikogebiet innerhalb von Deutschland

Zeitweise hatten Rückkehrer aus innerdeutschen Risikogebieten einen Anspruch auf einen kostenlosen Coronatest. Seit dem 2. Dezember 2020 besteht dieser Anspruch nicht mehr.

 

Durch eine bayerische Sonderregelung können sich Einwohner Bayerns seit dem 1. Juli 2020 auf Kosten des Freistaats von Vertragsärzten testen lassen. Diese Möglichkeit können privat wie gesetzlich Krankenversicherte nutzen. Die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, mit der das Bayerische Gesundheitsministerium Vereinbarungen zur Kostenübernahme und Abrechnung getroffen hat.

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