Meldung10. März 2022

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) empfiehlt Zahnarztpraxen, die Parodontitis-Behandlung bei Privatversicherten auf Basis neuer GKV-Leistungen als Analogziffern zu berechnen. Der PKV-Verband lehnt diese Abrechnungsempfehlung ab.

Dr. Gonca Hassert, Zahnärztin im PKV-Verband

Seit dem 1. Juli 2021 gilt eine neue Richtlinie zur Behandlung von Parodontitis (PAR-Richtlinie) in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Sie hilft Zahnärztinnen und Zahnärzten einen Parodontitisfall und dessen spezifische Art und Ausprägung besser zu identifizieren und systematisch zu behandeln. Somit wird nun auch in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gewährleistet, dass Patienten wissenschaftlich gesicherte standardisierte Untersuchungs- und Behandlungsschritte einschließlich Vor- und Nachbehandlung zugutekommen.

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) empfiehlt nun Zahnarztpraxen, die Parodontitisbehandlung bei Privatversicherten und Beihilfeberechtigten auf Basis der neuen GKV-Leistungen als Analogziffern zu berechnen. Der PKV-Verband lehnt diese Abrechnungsempfehlung der BZÄK ab. Dr. Gonca Hassert, Zahnärztin im PKV-Verband, erklärt, warum die Empfehlung nicht sachgerecht ist:

Was genau ist eine Parodontitis?

Die Parodontitis ist eine bakterielle Erkrankung des Zahnhalteapparates. Sie wird ausgelöst durch den sog. Biofilm (auch Zahnbelag oder Plaque). Die darin enthaltenen Bakterien scheiden Säuren aus, die den Zahnhalteapparat angreifen und unbehandelt zu Zahnlockerungen bis zum Zahnausfall führen können.

Warum lehnt der PKV-Verband die Abrechnungsempfehlung der BZÄK ab?

Die BZÄK hat ungerechtfertigt die neu eingeführten Parodontitis-Leistungen aus der GKV in GOZ-Leistungen „übersetzt“. Der aktuelle wissenschaftliche Stand der Parodontitisbehandlung im Einklang mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahn,- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) ist in der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) schon längst abgebildet und wird von den privaten Krankenkassen bereits seit vielen Jahren erstattet.

Welche Kosten werden bei der Parodontitis-Behandlung von der PKV übernommen?

Alle Inhalte der wissenschaftlich anerkannten systematischen Parodontitisbehandlung werden im tariflichen Rahmen erstattet.

Was sollen Patienten tun, wenn Sie zusätzliche GOZ-(Analog-)Ziffern für eine Parodontitis-Behandlung in Rechnung gestellt bekommen?

Mit der neuen PAR-Richtlinie in der GKV wird das Ziel verfolgt, die diagnostischen und therapeutischen Parodontitis-Maßnahmen dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse anzupassen. Eine zusätzliche Privatliquidation weiterer parodontaler Maßnahmen ist daher nicht nachvollziehbar und dürfte auch den Vorgaben der kassenzahnärztlichen Versorgung widersprechen. Gesetzlich Versicherte mit oder ohne privater Zusatzversicherung sollten sich daher direkt an die zuständige Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) ihres Bundeslandes bzw. die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) wenden und die Rechtmäßigkeit der gesonderten privaten Abrechnung klären. Privatversicherte, die krankheitskostenvollversichert sind, können sich direkt an ihren Krankenversicherer wenden, der sie gerne berät und unterstützt.

Stellungnahme des PKV-Verbands