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Die Private Krankenversicherung bereitet aktuell die Einführung der elektronischen Patientenakte zum 1. Januar 2022 vor. Welche Chancen aber auch Herausforderungen die neuen digitale Anwendungen für die PKV mit sich bringen, erläutert PKV-Geschäftsführer Christian Hälker.

Christian Hälker, Leiter des Geschäftsbereiches Finanzen, Personal, Organisation und IT im PKV-Verband

Herr Hälker, die Digitalisierung des Gesundheitswesens hat spürbar Fahrt aufgenommen. Welche Chancen bieten digitale Innovationen bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten?

Digitale Innovationen erleichtern den Alltag von allen Beteiligten im Gesundheitswesen. Eine zentrale Funktion übernimmt dabei die Telematikinfrastruktur (TI) der gematik. Sie ermöglicht die digitale Vernetzung von Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken untereinander, aber auch mit den privaten Krankenversicherungen. Über den Telematikinfrastruktur-Messenger (TIM) können zukünftig auch die Versicherten an der Kommunikation per Video, Audio oder Text teilnehmen.

Das Herzstück aller digitaler Anwendungen ist die elektronische Patientenakte (ePA). Sofern es die Patientinnen und Patienten möchten, können sie ihre Gesundheitsdaten und -dokumente in ihrer persönlichen elektronischen Patientenakte speichern und dadurch von einer verbesserten Versorgung profitieren. Zum Beispiel können im Notfall Ärzte auf die Notfalldaten zugreifen. Der elektronische Medikationsplan gibt Auskunft darüber, welche Arzneimittel der Patient zuletzt verschrieben bekommen hat. Weitere Informationen wie der digitale Impf- oder Mutterpass sowie eine Übersicht der Laborwerte werden zukünftig eine optimale Versorgung gewährleisten.

Ein wichtiger Meilenstein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist die Einführung des E-Rezepts zum 1. Januar 2022. Die elektronische Verordnung wird die Prozesse in der Versorgung grundlegend verändern. Der einfache und schnelle Informationsaustausch zwischen Arzt und Apotheker wird die Fehlabgaben von Arzneimitteln reduzieren und zusätzlich die Akzeptanz digitaler Anwendungen in der Gesundheitsversorgung fördern. 

In der gematik beteiligt sich der PKV-Verband als Gesellschafter an der Ausgestaltung der Telematikinfrastruktur. Welche Ziele verfolgt die PKV mit ihrem Engagement?

Die Private Krankenversicherung ist ein Motor für Innovationen. Mit der Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen bietet die Telematikinfrastruktur eine gute Basis, um Innovationen in die Versorgung zu bringen. Als Gesellschafter der gematik hat sich der PKV-Verband zum Ziel gesetzt, die TI modern zu gestalten und dabei die Versicherten in den Mittelpunkt zu stellen. Wir wollen neue digitale Anwendungen mobil und smart gestalten, ohne dabei den Datenschutz und die Datensicherheit aus den Augen zu verlieren. Der Nutzen soll für die Versicherten erlebbar sein und so eine hohe Akzeptanz erzeugen.

In der Privaten Krankenversicherung wird die Nutzung der elektronischen Patientenakte zum 1. Januar 2022 beginnen. Welche weiteren Schritte sind für die Einführung notwendig?

Die Konzeption der ePA erfolgt durch die gematik. Aktuell gibt es drei von der gematik zertifizierte Anbieter von elektronischen Patientenakten auf dem Markt. Ein vierter Anbieter befindet sich derzeit im Zertifizierungsprozess. Für die Einführung der ePA muss sich jedes Mitgliedsunternehmen des PKV-Verbandes für einen dieser Anbieter entscheiden. Als PKV-Verband kümmern wir uns zusammen mit der gematik um die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte. Dabei achten wir insbesondere auf die Besonderheiten der PKV-Branche.

Insgesamt engagieren sich mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der privaten Krankenversicherer im eHealth- Projekt. Vor welchen Herausforderungen stehen die Kolleginnen und Kollegen?

Die Mitarbeit der Kolleginnen und Kollegen aus den PKV-Mitgliedsunternehmen ist besonders wertvoll, um die Ziele der Privaten Krankenversicherung beim Thema E-Health im Blick zu behalten. Die Herausforderungen sind vielfältig: Standardprozesse wie die digitale Vergabe einer Krankenversichertennummer oder die Ausgabe einer elektronischen Gesundheitskarte müssen eingeführt werden. Die privaten Krankenversicherer sind an die TI anzuschließen und die verschiedenen Fachanwendungen wie die elektronische Patientenakte oder das E-Rezept soweit erforderlich an  die Belange der PKV-Branche anzupassen. Darüber hinaus sind Fragen der Finanzierung mit den Vertretern der Leistungserbringer zu klären.

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens ist eines der größten IT-Projekte Europas. Welche Jobchancen sind damit verbunden?

Sehr große! Der Bereich E-Health entwickelt sich rasant. Daher sind IT-Experten mit Kenntnissen der Kryptografie und digitaler Authentifizierungsverfahren sehr gefragt; außerdem fundierte Kenntnisse von Prozessen in der Versorgung im Gesundheitswesen: in privatwirtschaftlichen Unternehmen, öffentlichen Institutionen und Verbänden wie dem PKV-Verband. Wer jetzt einsteigt, kann die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens aktiv mitgestalten – das ist sicher eine große Herausforderung, aber auch eine attraktive Chance.