Interview

Die PKV arbeitet daran, den Privatversicherten Zugang zu digitalen Diensten wie dem E-Rezept und der ePA zu bieten – und zwar ganz einfach über das Smartphone. Wie das funktioniert und welche Vorteile Versicherte davon haben, erläutert der Projektleiter Christian Hälker.

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16.12.2021 - Christian Hälker ist Geschäftsführer im PKV-Verband für die Bereiche Personal, Finanzen, Organisation und IT, und verantwortet in dieser Position auch ein E-Health/gematik-Projekt. Im Interview erläutert er ein aktuelles Innovationsprojekt zu Digitalen Identitäten.

Herr Hälker, was sind eigentlich Digitale Identitäten?

Das sind verschiedene Attribute wie zum Beispiel mein Geburtsdatum, mein Geburts- und Wohnort, mein Alter und meine Nationalität. Diese Informationen finde ich auf meinem Ausweis – das ist meine Identität. Wir digitalisieren diese Informationen nun, wir bringen sie auf das Smartphone.

Welche Mehrwerte bieten Digitalen Identitäten den Versicherten?

Als Versicherter habe ich die Möglichkeit, online auf verschiedenste Anwendungen zuzugreifen, zum Beispiel der PKV, der Beihilfe, aber auch der Gematik, insbesondere auf das E-Rezept oder die elektronische Patientenakte. All das wird zukünftig möglich sein, indem man sich einmal an der Digitalen Identität anmeldet und dann wie auf einer Drehscheibe in die gewünschte Anwendung verzweigt.

Benötigen die Versicherten eine neue App, um das E-Rezept und die elektronische Patientenakte nutzen zu können?

Wir wollen nach Möglichkeit eine One-App-Philosophie. Der Versicherte soll also nicht mehrere Apps nutzen müssen, sondern über einen Zugang in die verschiedenen Apps wie ePA- und E-Rezept-App verzweigen können.

Welche Herausforderungen gibt es beim Aufbau Digitaler Identitäten?

Es ist immer eine Herausforderung, eine einfache Bedienbarkeit und gleichzeitig ein hohes Schutzniveau sicherzustellen. Häufig widerspricht sich das: Je höher das Schutzniveau, desto umständlicher die Bedienung.

Wie schützen Digitale Identitäten die sensiblen Versichertendaten?

Je nachdem, wie Sie die Digitale Identität auf Ihr Smartphone gebracht haben, erhalten Sie ein entsprechendes Schutzniveau. Und auch Attribute wie die Krankenversichertennummer, eine Zusatzversicherung oder Beihilfeberechtigung haben ein individuelles Schutzniveau. Die Krankenversichertennummer muss zum Beispiel besonders abgesichert sein: Es muss bestätigt sein, dass es Sie auch wirklich gibt, und dass sie Ihnen zugeordnet ist. Erst wenn das passiert ist, können Sie auf die ePA und das E-Rezept zugreifen.

Wie sieht nun der weitere Weg hin zur Telematikinfrastruktur 2.0 und den Digitalen Identitäten aus?

Mitte 2022 werden sich die ersten PKV-Unternehmen an die Telematikinfrastruktur anschließen. Die Masse der Gesellschaften wird vermutlich ab 2023 hinzukommen – nachdem klar ist, wie die Systeme funktionieren. Wir müssen auch sicher sein, dass die Anwendungen, die wir nutzen wollen, eine gewisse Stabilität haben.