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Der vom PKV-Verband initiierte Venture-Capital-Fonds Heal Capital wird zum Taktgeber für digitale Innovationen im Gesundheitswesen: Die sechste Investition geht jetzt an das Münchner Unternehmen Avi Medical.

10.06.2021 - Erst ein Jahr jung und bereits mehr als 100 Millionen Euro schwer: Heal Capital, der Venture-Capital-Fonds der privaten Krankenversicherer, hat sich schnell zu einem führenden europäischen Investor für digitale Gesundheitsinnovationen entwickelt. Mit gezielten Investitionen treibt der Fonds die Qualität der medizinischen Versorgung und die Digitalisierung voran – die PKV wirkt hier einmal mehr als Motor für Innovationen im deutschen Gesundheitssystem.

Heal Capital beteiligt sich mit seinem Wachstumskapital an jungen Digital-Healthcare-Unternehmen aus den Bereichen Diagnostik, Therapie und Infrastruktur. Gemeinsam mit dem New Yorker Investor Addition führte Heal Capital jetzt eine Finanzierungsrunde an, die dem Münchener Unternehmen Avi Medical 28,5 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Avi Medical baut vollständig digital-integrierte Arztpraxen für Allgemeinmedizin; die ersten haben bereits in München eröffnet.

Anders als konventionelle Praxen will Avi Medical nicht nur hochqualitative Behandlung vor Ort bieten, sondern alle digitalen Möglichkeiten ausschöpfen, um die allgemeinmedizinische Versorgung zu verbessern. Dazu bietet es auch die Behandlung per Video sowie die Kommunikation per Chat an und arbeitet unter anderem mit der Lösung des Heal-Capital-Portfoliounternehmens Infermedica. Langfristig plant das Unternehmen bis zu 100 Praxen deutschlandweit und möchte über sein digitales Angebot die größte Gesundheitsplattform Deutschlands werden. „Wir glauben fest daran, dass Technologie die Gesundheitsversorgung neu definiert und eine bessere, kostengünstigere und einfachere Patientenversorgung garantieren kann“, sagt Eckhardt Weber, Geschäftsführer von Heal Capital: „Von Avi Medicals Konzept einer zeitgemäßen Versorgung profitieren am Ende alle Beteiligten: Patienten, Ärzte und Versicherer.“

Partner des PKV-Verbands für Heal Capital sind die Berliner Investoren „Heartbeat Labs“ und „Flying Health“. Beide Unternehmen bringen die notwendige Branchenexpertise und ein umfassendes Netzwerk für erfolgreiche Investitionen mit. Heal Capital fokussiert Geschäftsmodelle, die bereits in einer frühen Phase am Marktgeschehen teilnehmen. Doch der Fonds unterstützt die Start-ups ebenso mit Know-how beim Zugang zur medizinischen Versorgung.

Die bisherigen Heal-Capital-Investments

Siilo: Messaging für Mediziner

Das erste Investment von Heal Capital ging im Juli 2020 an das niederländische Medical-Messaging-Unternehmen Siilo. Mit dem Konzept „Netzwerkmedizin“ möchte Siilo die Problematik von Informationssilos im Gesundheitswesen aufbrechen. Die gleichnamige Messenger-App ermöglicht Ärzten, Pflegekräften und anderen medizinischen Fachkräften einen einfachen, schnellen und datenschutzkonformen Austausch etwa von medizinischen Befunden – und über Abteilungsgrenzen hinweg. Siilo erhielt 9,5 Millionen Euro im Rahmen einer Series-A-Finanzierung.

Infermedica: Effektive Patientenversorgung mit Künstlicher Intelligenz

Im Sommer 2020 erhielt das polnische Digital-Health-Unternehmen Infermedica rund zehn Millionen Euro von einer internationalen Investorenrunde um Heal Capital. Infermedica ist eine digitale Plattform für diagnostische Empfehlungen und Ersteinschätzungen von Symptomen, die in der Primärversorgung von Patienten zur Anwendung kommt. Damit unterstützt das HealthTech-Unternehmen zum Beispiel Versicherungen und Gesundheitsdienstleister. So kann vermieden werden, dass Menschen mit kleineren Verletzungen oder leichteren Erkrankungen die Rettungsstellen der Krankenhäuser aufsuchen – wenn also kein notfallmedizinischer Bedarf vorliegt.

CereGate: Softwarebasierte Hilfe bei Parkinson

Das dritte Heal-Capital-Investment geht in den Bereich der Neuromodulations-Therapie: CereGate entwickelt eine softwarebasierte Schnittstelle zwischen Computer und dem menschlichen Gehirn – auch Computer-Brain-Interface (CBI) genannt. Das Unternehmen mit Sitz in München gehört auf diesem Gebiet bereits zu den weltweit führenden Akteuren. Mithilfe von Implantaten im Gehirn oder im Rückenmark können Symptome wie Gang- und Gleichgewichtsprobleme, zum Beispiel bei Parkinson-Patienten, behandelt werden. Damit ergänzt die CBI-Technologie die heutige konventionelle Tiefenhirnstimulation und andere hochmoderne Therapien.

Actio: Healthy habits etablieren

Das Berliner Start-up actio will mit seiner zugehörigen App helfen, gesunde Gewohnheiten („healthy habits“) nicht nur zu erlernen, sondern auch zu etablieren. Denn genau hier liegt die Herausforderung: den Nutzer aktiv zu halten. Deshalb bietet actio kurze Live-Sessions mit echten Trainern, derzeit aus den Bereichen Fitness und Achtsamkeit, an – und lässt keine Ausreden gelten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden telefonisch an den Kursbeginn erinnert. Gegründet haben das Unternehmen Nikita Fahrenholz, der auch hinter dem Lieferdienst „Lieferheld“ steckt, und Daniel Stahlkopf.

Moray Medical: Roboter-Katheter für Herzeingriffe

Moray Medical ist im Bereich der robotergestützten Chirurgie tätig. Das US-amerikanische Start-up leistet Pionierarbeit auf dem Gebiet der robotischen Eingriffe für strukturelle Herzerkrankungen: Die Gründer Mark Barrish und Phillip Laby haben ein spezielles Kathetersystem entwickelt, das minimalinvasive Eingriffe am Herzen ohne Vollnarkose ermöglicht. Dieses „Coral“ genannte System besteht aus einem schlangenartigen Roboter-Katheter, der von einem digital gesteuerten System angetrieben wird. Außerdem hat Moray eine 3D-Augmented-Reality-Software entwickelt, die Ultraschall-Bilddaten mit einer simulierten Katheterspitze in einem digitalen 3D-Arbeitsbereich kombiniert. Chirurgen können auf diese Weise präzise und intuitive Bewegungen ausführen.