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Nachhaltige Finanzierung der Privaten Pflegeversicherung

Die Methodik zur Finanzierung von Sozialer und Privater Pflegeversicherung unterscheidet sich grundlegend. In der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) werden die Einnahmen sofort wieder für die laufenden Kosten verwendet. In dieser sogenannten Umlagefinanzierung subventioniert die jeweils aktive erwerbstätige Generation also mit ihren einkommensbezogenen Beiträgen die Versorgung der älteren Generation. Der Kostenzuwachs, den allein schon die zunehmende Lebenserwartung mit ihrem steigenden Pflegebedarf mit sich bringt, muss von der jeweils jüngeren Generation mitgetragen werden. Verschärfend kommt in den nächsten Jahrzehnten hinzu, dass es aufgrund geringer Geburtenraten immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter gibt, die mit ihren Beiträgen die Pflegebedürftigen mitfinanzieren können. Infolge dieses demografischen Wandels muss daher in Zukunft mit weiter steigenden Beiträgen in der SPV gerechnet werden.

Die PPV funktioniert hingegen nach dem Prinzip der Kapitaldeckung: Jede Generation von Versicherten sorgt durch die Bildung von Alterungsrückstellungen frühzeitig für ihr mit dem Alter steigendes eigenes Pflegerisiko vor. Durch diese kapitalgedeckte Finanzierung der Pflegeausgaben werden keine Lasten auf kommende Generationen verschoben. Die Kapitalbildung zahlt sich aus: Sie stabilisiert die Beiträge zur Privaten Pflegeversicherung im Alter und macht die Privatversicherten von der sich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung weitgehend unabhängig.

 
 

Die Versicherungsunternehmen beziehen für die Kapitalbildung einen aufsichtsrechtlich festgelegten Zinssatz mit in ihre Kalkulation ein. Bei länger anhaltenden Niedrigzinsphasen kann es vorkommen, dass dieser sogenannte Rechnungszins entsprechend verringert werden muss. In diesem Fall müssen die Beiträge an die geänderte Zinssituation angepasst werden. Was die Zinseinnahmen nicht mehr hergeben, muss durch höhere Beiträge ausgeglichen werden, damit die lebenslange Leistungsgarantie erfüllt werden kann.

Ein Vergleich der langjährigen Beitragsentwicklung beider Systeme seit ihrer Einführung 1995 zeigt gleichwohl, dass bei gleichem Leistungsumfang und ohne Pflegereformen die Beitragsentwicklung in der PPV stabiler ist, während es in der SPV eine permanente Aufwärtsbewegung gibt. Sofern es leistungsausweitende Reformen gibt, wirken sich diese recht ähnlich auf die Beiträge aus. Für die allermeisten Privatversicherten ist der PPV-Zahlbetrag sogar deutlich günstiger. Wenn der Gesetzgeber zusätzliche Leistungen einführt, wie durch die jüngsten Pflegereformen geschehen, wird der neue, größere Leistungsumfang in der Privaten Pflegeversicherung von Anfang an mit einer entsprechend höheren Kapitalvorsorge solide für die Zukunft abgesichert, während die SPV nur die laufenden Kosten der Gegenwart umlegt.

Aus diesem Grund kann eine Ausweitung der Leistungen durch den Gesetzgeber die Beiträge in der PPV anfangs stärker erhöhen als in der SPV. Im Laufe der Zeit ist das Kapitaldeckungssystem dann aber wieder günstiger, weil die Mehrleistungen eben von Anfang an einkalkuliert werden und die Zinsen auf das Vorsorgekapital sich beitragsmindernd auswirken.

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